
Brüssel/BerlinDie EU-Wettbewerbshüter nehmen nach Beschwerden von Mobilfunk-Anbietern die iPhone-Vertriebsgeschäfte von Apple unter die Lupe. Telekom-Unternehmen bekamen einen neunseitigen Fragebogen aus Brüssel zugeschickt, wie die „Financial Times“ am Montag berichtete. Dabei gehe es unter anderem darum, ob Apple Mindestbestellmengen festschreibe und mindestens genauso hohe Subventionen und Marketing-Unterstützung wie für Rivalen fordere.
„Die Kommission hat Informationen, die darauf hinweisen, dass Apple und mobile Netzbetreiber Verträge abgeschlossen haben, die potenziell zum Ausschluss anderer Smartphone-Hersteller von den Märkten führen könnten“, heißt es in dem der Zeitung vorliegenden Fragebogen.
Die EU-Kommission wollte auf Anfrage keine Details bestätigen. Der Sprecher von EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia sagte, die Wettbewerbshüter hätten aus der Industrie Informationen über Apples Vertriebsmethoden für iPhones erhalten. „Wir prüfen derzeit die Lage“, sagte der Sprecher. Dies sage noch nichts darüber aus, wie die Kommission den Fall einschätze.
Die Untersuchungen befinden sich noch in einer frühen Phase. Die EU-Kommission schränkt selbst ein, dass im europäischen Smartphone-Markt ein starker Wettbewerb herrscht - unter anderem Samsung ist sehr stark im Geschäft mit seinen Galaxy-Geräten. Apple selbst beteuert laut Zeitungsbericht, dass alle Vertriebsverträge den Gesetzen entsprächen.
Apple-Gründer Steve Jobs holte den Computermanager Tim Cook 1998 zu Apple und vertraute ihm die Führung des operativen Geschäfts an. Der Südstaatler mit der weichen Stimme ordnete die Produktions- und Vertriebskette radikal neu und machte Apple zu einer effizienten Geldmaschine, die Jobs' kühne Visionen umsetzen kann. Im August 2011 übernahm der heute 51-jährige Cook permanent die Konzernführung. Er setzte eigene Akzente: Apple ist merklich offener in der Kommunikation geworden, auch was die Arbeitsbedingungen bei seinen chinesischen Zulieferern angeht. Ein revolutionäres Produkt wie das iPhone hat bislang aber nicht vorstellen können.
Der britische Designer Jonathan „Jony“ Ive stieß schon Anfang der 90er Jahre zu Apple. Doch erst als Jobs 1997 wieder die Führung übernahm, blühte Ive voll auf. Seine Abteilung bekam größere Räume in einem Hochsicherheitstrakt des Hauptquartiers und die Lizenz zum Experimentieren. Aus Ives Labor stammen Innovationen wie die aktuellen Notebooks aus einem Stück Aluminium sowie das schlichte Design von iPhone, iPad und Mac. Viele Beobachter sehen am ehesten Ive als Jobs-Nachfolger, was die Zukunftsvisionen angeht. In seiner aktuellen Rolle als Verantwortlicher für das Design von Geräten wie auch der Software kommt er dieser Führungsrolle nahe.
Eddy Cue: Der Manager ist „Feuerwehrmann“ für brenzlige Angelegenheiten. Der Chef der iTunes-Plattform musste bereits den schlecht gestarteten Speicherdienst MobileMe retten – und machte die funktionierende iCloud daraus. Er soll auch die misslungenen Apple-Karten fit machen und den oft kritisierten persönlichen Assistenten Siri verbessern. Schon 2011 bekam Cue die Führung des gesamten Bereichs Internet-Software und Dienste übertragen. Damit ist er Chef über den iTunes Store, den App Store und den Büchershop iBooks. Mit dem Online-Speicher iCloud zeichnet er für einen Schlüssel-Bereich für die Zukunft von Apple verantwortlich.
Der „Senior Vice President“ für Marketing übernimmt stets die Präsentation der neuen Geräte – vom iPhone 5 bis zum iPad mini. Alle neuen erfolgreichen Produkte von Apple sind unter Schillers Regie vermarktet worden. Firmenchef Tim Cook tritt bei Produktvorstellungen meist in den Hintergrund und überlässt die Präsentation Schiller.
Dem Fragebogen zufolge will die Kommission auch wissen, ob Apple auf technische Weise oder in Verträgen den Einsatz des iPhone und superschnellen 4G-Netzen einschränke. Das iPhone 5 als erstes Apple-Telefon mit Unterstützung des 4G-Standards LTE läuft nur in einzelnen dieser Mobilfunk-Netze in Europa, weil die verwendeten Chips nicht alle hier gängigen LTE-Frequenzen unterstützen.
Vertreter von Mobilfunk-Anbietern hatten sich immer wieder unzufrieden mit aus ihrer Sicht zu strikten Vertriebsvorgaben von Apple gezeigt. Zugleich war das 2007 gestartete populäre iPhone mit dem dazugehörigen App Store der Wegbereiter für einen massiven Kontrollverlust der Netzbetreiber. Zuvor lag es weitgehend in ihrer Hand, welche Software auf den Geräten lief und zu welchen Konditionen sie verkauft wurden.

Immer feste druff! Es gibt ja keine anderen Smartphone-Hersteller. APPLE kennt halt jeder Zeilenschinder.

@Mac-Harry.de
Selbstverständlich bedeuted so eine Untersuchung "Ärger" für eine Firma. Was denn sonst? Eine Freude ist das bestimmt nicht.Die Firma hat einen guten Ruf zu verlieren und eventuell muss auch eine Strafe zahlen.

Wieso ist der Start einer Untersuchung = ÄRGER? Ist das eine Vorverurteilung des Handelsblatt unter dem Deckmantel "Ahnungslose klickgeile Journalisten" oder was soll die Überschrift?
3 Kommentare
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