Druckerhersteller Epson
Kein Champagner für die Druckerdüse mehr

Preiswahnsinn Druckertinte: sie ist teurer als Champagner oder Chanel No. 5. Ein Hersteller will dieses Verbraucherärgernis abschaffen. Aber ob Konsumenten und der Handel mitspielen, ist eine offene Frage. Der Versuch ist schon einmal gescheitert.
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San FranciscoEs ist wie damals bei den Petroleumlampen in China, oder heute bei Rasierern: Die Lampe gab es kostenlos, das Öl war sündhaft teuer. Einen Nassrasierer gibt es für ein paar Euro, aber die Ersatzklingen, kosten ein Vermögen. Auch in der Druckerindustrie funktioniert dieses Prinzip prima. In den Best-Buy-Märkten in den USA stehen Tintendrucker für 50 Dollar massenhaft auf Paletten zum Mitnehmen bereit oder werden beim PC-Verkauf einfach mit verschenkt. Aber die Nachfüllpatronen sind fest in Vitrinen verschlossen. Sie kosten oft mehr als der Drucker und halten nur wenige Wochen. Genaugenommen sind sie immer dann leer, wenn man sie am dringendsten braucht.

Die Verbraucherorganisation Consumer Report hat in den USA einmal nachgerechnet und kam zu dem Ergebnis, dass nicht etwa Champagner oder Chanel No. 5 zu den teuersten Flüssigkeiten der Erde gehören, sondern gewöhnlich Druckertinte. Für eine Gallone (3,7 Liter) werden bis zu 9600 Dollar fällig. Und die Preise stiegen nicht nur, es wird oft immer weniger Tinte pro Kartusche mitgeliefert.

Besonders auffällig  sind da die Plastikdosen der Erstausstattung, die praktisch schon ab Geschäft leer verkauft werden. Und wer glaubt, die kostbare Tinte landet wenigsten auf dem Papier, der irrt ohnehin gewaltig. Genug davon wird genutzt, um die Düsen des Druckers regelmäßig freizuspülen und landet in Saugschwämmen, die weggeworfen werden. Ein Canon-Drucker in einem Produktvergleich von Consumer Report verbrauchte für 230 Dollar Tinte pro Jahr – und 150 Dollar davon wurde für die Reinigung durch die Düsen gejagt.

Oder die elektronischen Chips, die heute alle Hersteller verwenden um billige Nachahmerprodukte zu verhindern, melden Leerstand, wenn noch ein Rest drin ist. Natürlich schaltet der Drucker aber trotzdem gnadenlos ab und lässt sich nur mit einer frischen Patrone zu neuem Leben erwecken. Das war auch mal wieder beim Drucker des Autors der Fall, bevor das wenige Monate alte Gerät dann in die Recycling-Tonne getreten wurde. Es lohnte einfach nicht. Der Nachfolge-Tank war bereits wieder halbleer, als die Düsen freigespült waren.

Epson, zweitgrößter Hersteller von Tintendruckern nach Hewlett Packard, versucht es jetzt mit einer Alternative. Nach Asien und Großbritannien werden jetzt Tintenspritzer in den USA eingeführt, die direkt mit einem Tintenvorrat für rund 8000 Seiten ausgeliefert werden. Die Patronen der neuen EcoTank-Drucker werden aus Tintenflaschen nachgefüllt.

Das hat seinen Preis: Das Einstiegsmodell ET-2500 kostet 380 Dollar (plus Steuern) mit einem Zweijahres-Vorrat an Tinte für Farbdrucke. Genaugenommen verspricht Epson 4000 Schwarz-weiß-Drucke oder 6500 Farbdrucke und eine Kostenersparnis gegenüber Standard-Druckern mit Patronen von bis zu 65 Prozent, den teureren Anschaffungspreis bereits berücksichtigt.

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