DSL-Anbieter
Versatel zieht sich aus Kampf um Privatkunden zurück

Der DSL-Anbieter Versatel zieht sich aus dem Kampf um neue Privatkunden zurück und legt seinen Fokus auf das Geschäft mit Unternehmens- und Großkunden. Die sollen auch die Aufrüstung der Netze mitbezahlen. Der Konzern will seine Leitungen auch stärker an Wettbewerber vermieten.
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DÜSSELDORF. "Früher lag unser Schwerpunkt auf dem Privatkundengeschäft, jetzt reagieren wir auf die ökonomischen Realitäten", sagte Alain Bandle, Chef des fünftgrößten deutschen Anbieters, dem Handelsblatt.

Der DSL-Markt nähert sich der Sättigungsgrenze - die meisten Anbieter haben im abgelaufenen Quartal deutlich weniger neue Kunden gewonnen als bisher. "In dieser Marktphase geht es nur noch darum, Wettbewerbern Kunden abzujagen. Wir haben bei hohen Kundengewinnungskosten kein Interesse daran", sagte Bandle.

Stattdessen will er das weit verzweigte Netz von Versatel stärker als bisher an Wettbewerber vermieten. Dabei hat er vor allem die Mobilfunker im Auge. "Wir sehen bei Mobilfunknetzbetreibern echtes Interesse, unser Netz zu nutzen", sagte Bandle. Er habe bereits Gespräche auf CEO-Ebene geführt, diese befänden sich aber in einem sehr frühen Stadium.

Bandle geht davon aus, dass die starke Zunahme von mobilen Datendiensten einen ungeheuren Bedarf nach mehr Netzkapazitäten auslösen wird. Auch die Mobilfunker benötigen ein Festnetz, das die Signale von der Antenne weiterleitet.

Versatel ist aus einem Zusammenschluss von 21 Stadtnetzbetreibern entstanden, die ihre Leitungen in den Städten weit verzweigt haben. Deshalb sei es vergleichsweise günstig, diese Leitungen noch einige Meter bis zu den Mobilfunkantennen zu verlängern, sagte Bandle. Termine zur Konkretisierung der künftigen Zusammenarbeit stünden bereits fest.

Bei den drei Mobilfunknetzbetreibern Vodafone, O2 und E-Plus heißt es, man rede ständig und mit allen Netzpartnern über eine Erweiterung der Kapazitäten. Konkrete Verhandlungen über ein neues Versatel-Projekt gebe es aber noch nicht.

Die Mobilfunker sind nicht die einzige Zielgruppe Bandles. Er will sein Netz auch an mehr Festnetzanbieter vermieten als bisher. Alle Betreiber stehen derzeit vor der Entscheidung, ihre eigenen Netze weiter auszubauen, um höhere Geschwindigkeiten zu erzielen oder das VDSL-Netz der Deutschen Telekom zu mieten. Diese ist der einzige Anbieter, der das teure Netz in den meisten Großstädten gebaut hat. Bandle geht davon aus, dass er ein Turbo-Netz von Versatel zu besseren Konditionen vermieten könnte, als die Telekom ihren Kunden derzeit bietet.

Doch auch Versatel muss sein Netz erst auf VDSL hochrüsten. Die Kosten dafür wollen sich die Düsseldorfer mit ihren Großkunden teilen. Denkbar sind verschiedene Modelle: Entweder eine Beteiligung der Rivalen an den Baukosten, oder langjährige Mietverträge, die Versatel Zugang zu Krediten ermöglichen würden, mit denen sie selbst bauen können.

Ohne Partner können die Düsseldorfer die Hochleistungsnetze kaum verlegen. Sie haben Schulden in Höhe von 600 Mio. Euro bei einem Jahresumsatz von zuletzt 760 Mio. Euro. Das dritte Quartal zeigt deutlich, wieso Bandle den Kurs wechselt: Der Umsatz im Privatkundengeschäft ist 7,6 Prozent gesunken, die Einnahmen durch Geschäftskunden sind dagegen um 4,6 und der Umsatz durch die Vermietung des Netzes an Wettbewerber um 10,8 Prozent gestiegen.

Versatel hat die eigenen Umsatzprognose für dieses Jahr gesenkt. Ein Sparprogramm, das unter anderem weniger Ausgaben für die Akquise von Privatkunden vorsieht, hat dazu geführt, dass der Konzern die Prognose für den Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 180 Mio. Euro auf 185 Mio. Euro angehoben hat. Die Börsianer frohlockten - der Kurs stieg sechs Prozent. Versatel gilt als Übernahmeziel. Bandle ist sowohl für die eigene Übernahme als auch für organisches Wachstum durch Partnerschaften offen.

Sandra Louven
Sandra Louven
Handelsblatt / Korrespondentin in Madrid

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