DSL-Limit der Telekom
„René, mein liebes Drosselchen!“

Auch eine Woche nach der Ankündigung der Telekom, Volumengrenzen für Festnetz-DSL einzuführen, reißen Hohn und Spott nicht ab. Telekom-Kunden lassen im Netz nicht locker und überbieten sich mit originellem Protest.
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DüsseldorfEs klingt wie eine Neuauflage von David gegen Goliath: Der 18-jährige Abiturient Malte Götz aus Düsseldorf kämpft online gegen die milliardenschwere Deutsche Telekom – mit einer Online-Petition. Doch Götz ist nicht allein. Seit Montag kann er einen symbolischen Erfolg verbuchen: Die Zahl der Unterzeichner seiner Petition hat die 100.000er-Marke geknackt. Und das dürfte auch die Telekom zu spüren bekommen: Denn jede Unterschrift führt zu einer automatisierten Mail an den Magentariesen.

Genau eine Woche ist es her, dass die Telekom in einer Pressemitteilung ankündigte, „wie im Mobilfunk“ Volumengrenzen einzuführen, deren Überschreitung eine Drosselung der Surfgeschwindigkeit zur Folge hat. Der anfängliche Proteststurm ist auch sieben Tage später noch nicht verflogen. Auf Twitter wird er inzwischen unter dem verbreiteten Hashtag #Drosselkom gebündelt.

Unter die vielen Telekom-kritischen Tweets mischen sich jedoch auch Zweifel an der Konsequenz des Massen-Aufschreis – so wie die von Nutzer @Jan Lehnardt: „Ich wüsste gerne, wie viele der 100.000 Unterzeichner der Drosselkom-Kampagne ihren T-Anschluss gekündigt haben.“ Ein Großteil der Twitter-Reaktionen ist inzwischen allerdings satirisch: So existiert ein eigenes Twitterkonto unter dem Namen „Deutsche Drosselkom“, über das mehrmals täglich getwittert wird.

Und auch auf der Facebook-Service-Seite der Telekom trudeln weiter wütende bis satirische Posts ein. Tim Schidlowski schreibt: „Entschuldigung, geehrte Telekom, da das Volumen meines Kontos aufgebraucht ist, wird in Zukunft meine Zahlungsmoral gedrosselt.“ Und Franz Schmidt fragt: „Verstößt die Telekom damit nicht gegen die Netzneutralität?“ In diese Kerbe schlägt auch ein Youtube-Video der Seite netzpolitik.org, deren Betreiber ihre Kritik in einem satirischen Werbespot verpackt haben:



Auf Satire-Plakate statt -Videos setzen die zahlreichen Spötter auf der Seite hilf-telekom.de. Sie haben einen Sport daraus gemacht, sich mit selbst montierten Satire-Anzeigen im Telekom-Layout über die Drossel-Pläne des Unternehmens lustig zu machen. Mehrere hundert Beispiele sind bereits zu finden, etwa der an Telekom-Chef Obermann gerichtete Slogan: „René, mein liebes Drosselchen!“

Aber auch wer sich mit dem Thema #Drosselkom auf einer ernsteren Ebene befassen möchte, kommt im Netz nicht zu kurz. So versuchen mehrere Seiten, die Auswirkungen der geplanten Tempobremse zu verdeutlichen. Unter der Adresse drossl.de kann man sich zum Beispiel ausrechnen lassen, wie lange man in Zukunft noch surfen kann, bis das Tempo heruntergefahren wird.

Beispiel: Bei voller Nutzung eines DSL-Vertrages mit einer Geschwindigkeit von 6 Megabit pro würde der Internetzugang nach 28 Stunden und 27 Minuten im Monat gedrosselt. Auf der Homepage der Computerzeitschrift „Chip“ lässt sich sogar ein Programm herunterladen, mit dem sich das verlangsamte Surfen mit 384 Kilobit pro Sekunde simulieren lässt: #Drosselkom schon heute, ganz ohne Neuvertrag.

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  • (Fortsetzung Weisenheimer) völlig unfähigem und überfordertem Management auf allen Ebenen, zunehmende kontraproduktive, mentale "Kluft" zwischen hochqualifizierten "Professionals" und sich abschottender kontraproduktiver "Führungs-Fürsten"...- nicht nur das "Kundenklima" ist nun im Keller - sondern das Betriebsklima ist schon lange im Keller...). Selbst Sattelberger's Einführung der Telekom-Frauenquote von 30% vor einigen Jahren als bahnbrechende "Personal-Innovation" der Telekom war eine "Mogelpackung" für Unbedarfte und diente nur SEINER IMAGEPFLEGE - denn der Deutsche Telekom-Konzern hatte schon damals eine (für DAX-Konzerne) überdurchschnittliche Frauenquote im Mangement von ca. 20% und sollte von dem damaligen schlechten "Datenschutz-Image" und den "Spitzelei-Affären" der Telekom öffentlichkeitswirksam ablenken...auch die Einführung des (verbraucherschutzfeindlichen) "schlecht lesbaren Kleingedruckten" (mit den wesentlichen Bedingungen) in Kundenverträgen hat die Telekom ja "vorgemacht... Kurzum, Vorsicht Telekom steht heute für Tschernobyl - allgemeingefährlich!

  • Die der "Drosselung" der Telekom zugrunde liegenden Ursachen (unterbliebener Netzausbau) sind ja eigentlich schon sehr lange bekannt. Die Telekom investierte lieber in ihre Kapitalmarktpflege (zu hohe Dividende für die Aktionäre) und vernachlässigte zunehmend den erforderlichen qualitativen und quantitativen Kapazitätsausbau zu Lasten der Kunden - auch um "politisch Druck" zu erzeugen (Bundesnetzagentur). Insider "befürchten/befürchteten" einen "Telekom-Netzcrash" ca. 2014 - dies hätte fatale Folgen für bestehende Kundenverhältnisse. Auch ist bezeichnend, dass Obermann JETZT die Telekom verläßt und auch ausgerechnet zu einem kleinen niederländischen Kabelnetzbetreiber (= ein "Technologie-Rivale" der klassischen Telekommunikation) geht - also traut er der Technologie & Strategie der Kabelnetzbetreiber (mit Mobilfunk) mehr Zukunftsfähigkeit zu, als seinem bisherigem klassischem Telekommunikations-Refugium. Bezeichnend auch, daß die für Telekom-Kunden und die "Netz-Community" "dramatische Nachricht" vier Wochen VOR der Telekom-Hauptversammlung und seinem (sicheren) Abgang publiziert wird - diese undankbare ("Kärner-") Aufgabe konnte nur er als "Management-Ausscheidender" verkünden - um nicht seine Nachfolger zu belasten (=reinen Tisch machen). Jedenfalls wird damit der Öffentlichkeit umso mehr und deutlicher gewahr, in welchen vielfältigen (!!!) komplexen Dilemmas die Telekom aktuell steckt - gewaltiger Gewinneinbruch, Umsatzeinbruch, fehlende Kapazitäten für das zukünftige Geschäft, zunehmende Betriebskosten ( u.a. 1 Mrd. Euro (steigend) für den sogenannten "Personalumbau" (!!!??) durch mangelhaftes Personalmanagement (siehe teuere Prozesslawinen vor deutschen Arbeits- und Verwaltungsgerichten), fehlende harmonische Integration des erfahrenen hochqualifizierten Bestandspersonal mit billigen, unerfahrenen Neuzugängen und völlig unfähigem und überfordertem Management auf allen Ebenen,....

  • Entscheidend ist nicht ob der Kunde den Anschluss privat oder gewerblich nutzt sondern ob er einen privaten oder gewerblichen Tarif nutzt, diese sind bei allen Carriern auch aktuell mit separaten AGB´s und Preisen hinterlegt.

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