Duell der TV-Giganten
Die Rückkehr von CNN

Der US-Sender CNN erlebt im Wahljahr ein furioses Comeback. Zum ersten Mal seit sieben Jahren liegt er in der Zuschauergunst vor seinem größten Konkurrenten Fox News. CNN besinnt sich auf seine alten Stärken: Nachrichten.

ATLANTA. Auf dem Fernsehschirm wirkt der Raum groß und geräumig. In Wirklichkeit ist er eher klein und voll gestopft. Auf grauem, fleckigem Teppichboden stehen Schreibtische eng nebeneinander. Produzenten, Redakteure und Moderatoren sitzen hier zusammengepfercht. Augen fliegen über die Computerbildschirme, über leuchtende Buchstaben und Zahlen, Finger über Tastaturen. Auf Regalen stapeln sich Papiere und Pizzakartons. Kräne, an die Kameras montiert werden, lehnen an den Wänden. Eilige Schritte, gedämpfte Stimmen.

Das ist er, der Newsroom des US-Senders CNN in der Konzernzentrale in Atlanta. Er ist mehr als ein gewöhnliches Fernsehstudio. Er ist das Herz des größten und schnellsten Nachrichtensenders der Welt. Und noch mehr: Er ist derzeit für die meisten Amerikaner das Zentrum des politischen Geschehens in ihrem Land.

Denn CNN erlebt im Wahljahr 2008 ein furioses Comeback. Vorbei die Zeiten der sinkenden Quoten, der schrumpfenden Gewinne und bröckelnden Marktanteile. CNN ist zurück auf der Medienbühne mit dem, was der Sender am besten kann: Nachrichten verkaufen.

Zum ersten Mal seit 2001 hat CNN in diesem Frühjahr seinen größten Konkurrenten Fox News Channel auf einen hinteren Platz verbannt: Im April erreichte CNN knapp 62 Millionen Zuschauer, Fox 50 Millionen. Für CNN ist das im Vergleich zum Vorjahr ein Quotenanstieg von 17 Prozent in der Hauptsendezeit. „CNN ist mit seiner Wahlberichterstattung allen anderen Nachrichtensendern weit überlegen“, sagt Joe Cutbirth, Journalismus-Professor an der Columbia University in New York.

Fox News, der zur News Corporation des australisch-amerikanischen Medienmoguls Rupert Murdoch gehört, propagiert dagegen Meinung statt einer umfassenden Berichterstattung über den Wahlkampf. Und das heißt bei Fox vor allem: die Meinung der aktuellen Regierung.

Wäre Fox News nicht gewesen, hätte George Bush die Wahlen im Jahr 2000 wohl nicht gewonnen, haben Ökonomen nachgewiesen. Der Sender habe sich ganz klar dem rechten Flügel der Republikaner verschrieben, sagt auch Medienwissenschaftler Cutbirth. „Fox ist mehr ein Anwalt der Bush-Regierung als ein Nachrichtensender. Jetzt sinkt das politische Schiff – und Fox sinkt mit.“

Im Wahljahr 2008 jedenfalls haben die Amerikaner offenbar das gesamte Politikspektrum wiederentdeckt. Und CNN, die globale Nachrichtenmaschine, die dem Medienriesen Time Warner gehört, hat sich an die Spitze dieses Trends gesetzt.

Fast alle Sendungen zur Wahl werden in den hochmodernen CNN-Studios im Time-Warner-Gebäude in New York produziert, dort befindet sich auch das CNN Election Center – mit der patriotischen Studiodekoration in Blau, Weiß, Rot. Dort sind riesige Videowände und Sensorbildschirme für interaktive Grafiken aufgebaut, die Joe Cutbirth an „überdimensionale iPhones“ erinnern. Alles wirke „jung, hip, schnell“ – genau wie das Publikum, das CNN ansprechen will. Im New Yorker Studio arbeiten auch die meisten Moderatoren – darunter Nachrichtenveteran Wolf Blitzer und der smarte Shooting-Star Anderson Cooper.

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