Duell mit der Telekom

1&1 legt im Werbestreit nach

Das Duell, das die Telekom und 1&1 über die Fernsehwerbung austragen, geht weiter. Die United-Internet-Tochter veräppelt die Bonner in einem neuen Spot. Schießt sie damit übers Ziel hinaus?
Die Telekom und 1&1 streiten sich. Quelle: dpa
Deutsche Telekom

Die Telekom und 1&1 streiten sich.

(Foto: dpa)

DüsseldorfWeit mehr als 100.000 Zuschauer haben in den vergangenen Monaten dabei zugesehen, wie sich die Deutsche Telekom und ihr Konkurrent 1&1 sich mittels Werbespots in der Frage um das beste Netz duellieren. Alleine das Video der letzte Retourkutsche der Telekom wurde über den Youtube-Kanal der Telekom mehr als 280.000 Mal angeklickt.

Der Streit hatte seinen Anfang genommen, als 1&1 vom Branchenmagazin „Connect“ für das beste Festnetz ausgezeichnet wurde. Dieser Sieg kam für alle überraschend, selbst die Tester – hat doch die Tochter von des United-Internet-Konzerns fast kein eigenes Netz, sondern mietet Kapazitäten der Wettbewerber. Jedoch werden diese so clever zusammengeschaltet, dass das angebotene Netz besser ist als das der Konkurrenz, so das Urteil.

Diesen Sieg feierte 1&1 genüsslich in einem Werbespot, in dem es bei einer Preisverleihung an dem vermeintlichen Vertreter der Telekom vorbeizieht, der sich verdattert wieder hinsetzen muss. Die Bonner revanchierten sich, in dem sie in einem Werbespot ein Mädchen erfolglos nach Empfang suchen lässt, was von einem Jungen mit dem Satz „Bist du bei 1&1 oder was?“ kommentiert wird, bevor er sich mit einem „uäh“ zweifelnd abwendet.

Nun wiederrum sah sich offensichtlich 1&1 wieder am Zug. Ein neuer Spot zeigt die After-Show-Party nach der Preisverleihung. Der vermeintliche Telekomvertreter will jemandem in der Zentrale per Handy mitteilen, dass 1&1 gewonnen hat – jedoch hat er Verbindungsschwierigkeiten.

Damit hat der Wettbewerber in der Auseinandersetzung nach Meinung von Handelsblatt-Lesern den Bogen jedoch überreizt. Wurde der Streit bisher interessiert-amüsiert wahrgenommen, kippt die Stimmung. Der Kommentar einer Facebook-Nutzerin auf eine Handelsblatt-Umfrage, was von dem Spot zu halten sei, fasst die große Mehrheit der Nutzermeinungen zusammen: „Lächerlich. Netz kaufen und albern nachtreten.“ Die meisten hängen sich daran auf, dass 1&1 kein eigenes Netz hätte.

Das Unternehmen jedoch erklärt: „1&1 nutzt für die Realisierung von DSL-Komplettanschlüssen sein eigenes Glasfasernetz und arbeitet zusätzlich mit verschiedenen Netzpartnern zusammen.“ Telefonie-Leistungen würden über eine eigens entwickelte „Voice-over-IP“-Plattform realisiert. Die Erfahrung im Aufbau und Betrieb dieser Plattform schlage sich eins zu eins im Testergebnis und am Anschluss der Kunden nieder. Zudem pflege man eine enge Zusammenarbeit mit dem Routerhersteller AVM, um sie speziell auf ihre Netzsituation abstimmen zu können. „Dabei ist zu beachten, dass die Hardware von der Connect als ein entscheidender Faktor für den Test genannt wurde“, heißt es von 1&1.

Wie sich die Telekom-Konzerne an die Gurgel gehen
O2 gegen Telekom und Vodafone
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2012 wirbt die Telefónica-Marke O2 mit einem Testurteil von „Focus Money“, wo sie ein „Sehr gut“ im Preis-Leistungsverhältnis bekommen hat. Sie macht bei der Werbung keinen Unterschied zwischen Vodafone und Telekom. Beide werden gleich übersprüht.

Vergleichende Werbung ist Deutschland seit dem Jahr 2000 unter Beachtung einiger Richtlinien erlaubt.

Vodafone gegen Telekom
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Der britische Telekommunikationskonzern Vodafone beruft sich 2013 auf eine bessere LTE-Netzabdeckung. Die Qualität des Netzes ist ein beliebter Vergleich bei Werbung, die gegen die Wettbewerber zielt.

Vergleichende Werbung muss sich auf das gleiche Produkt oder Dienstleistung für denselben Bedarf oder die gleiche Zweckbestimmung beziehen.

Telekom gegen O2
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Der Bonner Konzern betont immer wieder, das beste Netz zu haben. 2011 versucht die Telekom mit drei Testurteilen Kunden von Telefónica abzuwerben.

Telekom gegen O2 – zum Zweiten
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Später nahm die Telekom auch den Werbespruch von O2 aufs Korn. Aus „O2 can do“ machte sie kurzerhand „O2 can’t do“. Werbeexperten erklären, die Grenze zwischen erlaubter und unlauterer vergleichender Werbung ist sehr eng. Das Produkt oder das Angebot des Wettbewerbers darf nicht abgewertet werden.

Telekom gegen Vodafone – vor Gericht
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2011 erwirkten die Telekom eine einstweilige Verfügung gegen Vodafone: In einem Werbespot warb das Konkurrenz-Unternehmen damit, „schneller“ zu sein. In der korrigierten Version des Sports, die beinah umgehend viral verbreitet wurde, hieß es dann statt „ Ich will schneller sein“ schlicht „Ich will schnell sein“.

1&1 gegen Telekom
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2015 weidete 1&1 seinen Sieg über die Telekom in einem Werbespot genüsslich aus.

Hinter den Kulissen tobt derweil offenbar ein Rechtsstreit, obwohl vergleichende Werbung in Deutschland unter Einschränkungen erlaubt. Doch sowohl der ursprüngliche Spot von 1&1, als auch die Retourkutsche der Telekom wurden nach der Veröffentlichung verändert. So fehlt etwa im Video auf dem Youtube-Kanal der Telekom der „Bist du bei 1&1 oder was“-Kommentar, in dem von 1&1 wurde unter anderem die Szene, in der der vermeintliche Telekomvertreter ein Victory-Zeichen macht, herausgeschnitten.

Daher könnte es sein, das auch der neue Spot in der Form nicht mehr lange gezeigt wird. Stein des Anstoßes zwischen den Unternehmen ist wohl unter anderem, dass 1&1 nicht deutlich genug erklärt, dass der Testsieg nur für das Festnetz gilt – und nicht für das Mobilfunknetz. Der angebliche Telekomvertreter jedoch hat Probleme mit seinem Handy – das könnte den Zuschauer auf eine falsche Fährte locken. 

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