Düsseldorfer Terrassengespräch
Die neue Lust des Entdeckens

Die Digitalisierung zwingt zum Umdenken: Beim Düsseldorf Terrassengespräch war Gruner+Jahr-Chefin Julia Jäkel zu Gast. Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart diskutierte mit ihr über das Medienhaus der Zukunft.

DüsseldorfEs ist beinahe unmöglich, dieser Tage einen Diskussionsabend zu verbringen und nicht das Thema Flüchtlinge anzuschneiden. So erging es auch den Gästen und Podiumsteilnehmern des vierten Düsseldorfer Terrassengesprächs zum Thema „Wie sieht das Medienhaus der Zukunft aus?“, das am Mittwochabend auf der Dachterrasse des Verlagshauses stattfand.

Julia Jäkel, CEO des Verlagshauses Gruner + Jahr, machte an diesem spätsommerlichen Abend aus ihren Gefühlen keinen Hehl, als sie sagte: Sie könne sich nicht erinnern, wann sie jemals in ihrem Leben ein Foto so sehr berührt habe, wie das des auf der Flucht ertrunkenen kleinen Jungens am Strand, das vorige Woche veröffentlicht wurde.

Die Verlagschefin berichtete von spontanen Hilfsangeboten ihrer Kollegen, von Kochaktionen der Redaktion „Essen & Trinken“. Gabor Steingart, Herausgeber der Verlagsgruppe Handelsblatt, begrüßte die Willkommenskultur in Deutschland. Sie sei als erste Reaktion „nicht nur richtig, sondern geboten“. Und doch ersetze sie am Ende nicht die Politik.

Steingart forderte vielmehr eine „Wirklichkeitskultur“: „Wir sollten einen Beitrag leisten, dass in den Ländern lebenswürdige Umstände entstehen.“ Der Journalist und Verlagsgeschäftsführer sieht bereits die nächste Welle der Berichterstattung kommen: „Wie sieht es eigentlich auf dem Balkan aus, ohne die jungen Aktiven, die wir jetzt alle hier begrüßen?“

Götz Hamann, Redakteur der Wochenzeitung „Die Zeit“, moderierte den inspirierenden Abend, der rund 130 Teilnehmer – darunter Evonik-Vorstandschef Klaus Engel und Lambertz-Inhaber Hermann Bühlbecker – nach Düsseldorf lockte.

Dass sich Medienhäuser wandeln müssen, ist unbestritten. Die Digitalisierung und die daraus resultierende veränderte Mediennutzung der Menschen zwingen die Verlage zum Umdenken. Dabei wählt jedes Unternehmen seine eigene Strategie. Gruner+Jahr-Chefin Jäkel zeigte dies exemplarisch am Beispiel der Zeitschrift „Schöner Wohnen“ auf: „Über Jahre hinweg wollte man klassische Berichterstattung über Trends haben. Heute sind wir im Living Content in Print wie auch in Online sehr stark. Wo wir aber nicht sehr stark sind: ,Wo bekomme ich diese Lampe, die ich dort sehe, eigentlich her?’ Und diese Frage muss ein Verlag, aus unserer Sicht, zukünftig beantworten können. Deswegen werden wir, da wo es sinnvoll ist, in Zukunft Plattformen und Möglichkeiten des Erwerbs anbieten.“

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