Durch die Sanierung im Planverfahren gehen die Gläubiger nicht leer aus
Dolphin überlebt in der Verlustzone

Der Fall Dolphin Deutschland Telecom GmbH hat es Insolvenzverwalter Hans-Gerd Jauch angetan. „Es ist schon spannend, auf legale Weise ein Unternehmen fortzuführen, das Verluste schreibt und eigentlich nicht fortführungsfähig ist – und dann auch noch Quoten für die Gläubiger rauszuholen“, sagt der Partner der Kölner Kanzlei Görg Rechtsanwälte, der gerade das Unternehmen saniert. Das Planverfahren nach der Insolvenzordnung von 1999 macht’s möglich.

KÖLN. Jurist Jauch zählt eigentlich zu den Kritikern der neuen Insolvenzordnung. Doch Dolphin ist für ihn eine Ausnahme. „Dolphin ist der klassische Fall eines Unternehmens, das einen Tag nach Eröffnung des Verfahrens geschlossen werden müsste“, sagt er. Die Erhaltung des Unternehmens als Ganzes – sprich: des Rechtsträgers – sei aber der einzige Weg, um für die Gläubiger noch etwas herauszuholen. Und das ist schließlich Ziel des Insolvenzverfahrens. Im Fall Dolphin sollen sie vorab eine Quote von 10 % erhalten.

Dolphin betreibt ein analoges Bündelfunknetz und hat in diesem Geschäft einen Marktanteil von 95 % in Deutschland. Mit dem Netzbetrieb machte Dolphin 33,2 Mill. Euro Umsatz und arbeitete, wie Jauch betont, kostendeckend. Bei Liquidation oder Übertragung des Betriebs auf ein anderes Unternehmen wäre die Funkbetriebslizenz erloschen. „Die Lizenz, die an den Rechtsträger gebunden ist, stellt aber den Wert des Unternehmens dar“, sagt Jauch. Hinzu kommen die rund 1 500 Mietverträge und Optionsverträge für Antennen auf Privathäusern, über 13 000 Verträge mit Kunden sowie reichlich 500 Stromversorgungsverträge. All diese Abkommen müssten bei einem Verkauf des Unternehmens mit Zustimmung der Betroffenen einzeln auf eine neue Gesellschaft übertragen werden. Eine Liquidation hätte nur die Antennen als entsorgungspflichtigen Elektroschrott übrig gelassen.

Zum Zeitpunkt der Insolvenz im Sommer 2001 übernahm Jauch ein Unternehmen, das monatlich 2,6 Mill. Euro Verlust machte. Er schaffte es, die Kosten auf 383 000 Euro im Monat zu drücken. „Es herrschte große Unsicherheit bei Dolphin“, erinnert sich der kaufmännische Leiter Ralph Hartwig. „Wir wussten nicht, wie es weitergeht, aber wir glaubten fest an die Zukunft des Unternehmens.“ Davon überzeugte die Dolphin-Mannschaft auch Verwalter Jauch.

Die Misere des Kölner Unternehmens hatte begonnen, als es ein digitales Funknetz nach dem weltweiten Standard Tetra aufbaute, um wettbewerbsfähig zu bleiben. „Die analoge Technologie muss auf den digitalen Standard gehoben werden“, erläutert Hartwig, „um beispielsweise eine bessere Sprachqualität zu erreichen“. Geplant waren 1 750 Funkstationen. Investitionsbedarf: mehr als eine Milliarde Euro. Finanziert wurde das Projekt vor allem von der damaligen Muttergesellschaft, der kanadischen Telesystem International Wireless Inc. (TIW).

Der Pilotbetrieb begann Ende Juni 2001. Doch dann zog der Zusammenbruch der Technologie-Börsen die TIW-Aktie von einem Höchstkurs von 129,75 $ auf 2,15 $ im August 2001 in die Tiefe. Der Geldfluss aus Montreal versiegte. So blieb Dolphin Deutschland auf den Kosten für den Netzausbau sitzen und rutschte in die roten Zahlen. Am 26. Juli 2001 hatte sich die Lage so zugespitzt, dass der Vorstand zum Insolvenzgericht gehen musste.

Für die Insolvenzplansanierung brauchte Jauch dringend einen Geldgeber, der Mittel für den Aufbau des Digitalnetzes einschoss. Denn Planverfahren funktionieren nur, „wenn man es schafft, einen Investor ins Boot zu holen, der die Umsetzung finanziert“, bestätigt auch Insolvenzverwalter Eberhard Braun.

Jauch setzte all sein Verhandlungsgeschick ein, um den neuen Geldgeber davon zu überzeugen, „dass durch die Digitalisierung am Ende Geld zu verdienen ist“. Genannt werden will der Investor nicht. Doch Dolphin-Manager Hartwig sieht hoffnungsfroh in die Zukunft: „Wir haben einen guten Kundenstamm für unser analoges Netz und sind vom Geschäftsplan für die Digitalisierung überzeugt.“ Nun muss die Gläubigerversammlung noch zustimmen. Doch daran glaubt Insolvenzverwalter Jauch fest.

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