Durch weitere Kostensenkungen
SAP peilt höhere Rendite an

Nach einem unerwartet schwachen Lizenzgeschäft im abgelaufenen Quartal sieht Europas größter Softwarekonzern SAP noch keine Anzeichen für eine anziehende Nachfrage nach Unternehmens-Software. Mit Hilfe weiterer Kostensenkungen soll die operative Rendite 2003 aber stärker steigen als bisher geplant.

Reuters WALLDORF/NEW YORK. Zum Handelsauftakt gab die SAP-Aktie um mehr als fünf Prozent nach und fiel als größter Kursverlierer im Deutschen Aktienindex (Dax) auf rund 103 Euro.

Der als Wachstumstreiber wichtige Software-Lizenzumsatz sank bei SAP in den drei Monaten April bis Juni um 13 % auf 431 Mill. €, wie das Walldorfer Unternehmen am Donnerstag vor seiner Halbjahres-Pressekonferenz in New York mitteilte. Er ging damit weitaus stärker zurück als die meisten Analysten erwartet hatten. Auch ohne den Einfluss des schwachen US-Dollar wäre das Softwaregeschäft um fünf Prozent geschrumpft.

Kagermann: Haben uns besser geschlagen als die Konkurrenz

„In einem schwierigen ökonomischen Umfeld haben wir uns besser behauptet als die meisten unserer Wettbewerber“, wertete Vorstandssprecher Henning Kagermann die Zahlen. SAP habe seinen Weltmarktanteil im Vergleich zu den fünf größten Konkurrenten, bezogen auf die letzten vier Quartale, auf 55 % ausgebaut. Vor Jahresfrist lag er noch bei 45 Prozent.

Das bereinigte operative Ergebnis von SAP stieg im zweiten Quartal um 20 % auf 388 Mill. € und lag damit am oberen Ende der Erwartungen der von Reuters befragten Analysten. Nach Steuern kehrte SAP mit 219 Mill. € in die Gewinnzone zurück, vor einem Jahr hatten Abschreibungen auf die Internet- Tochter Commerce One den Konzern mit 232 Mill. € in die roten Zahlen geführt. Der weltweite Umsatz sank um acht Prozent auf 1,6 Mrd. €, ohne Wechselkurseffekte stieg er um zwei Prozent.

Neben den Marktanteilszuwächsen soll auch das vor einem Jahr gestartete Kostensenkungsprogramm die Umsatzrendite von SAP nach oben treiben. Bis zu 24,2 (2002: 22,7) Prozent seien - abgesehen von Kosten für Zukäufe und aktienorientierte Bonusprogramme - im laufenden Jahr zu erwarten. Bisher hatte der Softwarekonzern mit 23,7 Prozent gerechnet. Im zweiten Quartal lag die Umsatzrendite bereits bei 24 Prozent, sechs Prozentpunkte höher als vor einem Jahr. Die Erwartungen seien bisher vorsichtig formuliert worden, sagten Analysten. „Ich hatte die operative Marge ohnehin höher geschätzt, bei 25 Prozent glatt“, sagte Torsten Schellscheidt von WestLB Panmure. Er warnte jedoch davor, dass SAP bei den Kosteneffekten am Ende der Fahnenstange angekommen sein könnte.

Der Konzern hat Marketingkosten gekürzt und bei Reisekosten gestrichen, sich von externen Arbeitskräften getrennt und einen Einstellungsstopp verhängt, auf Entlassungen jedoch verzichtet. Ende Juni waren 28 961 Menschen bei SAP beschäftigt, knapp 400 weniger als ein Jahr zuvor.

Dollar-Kurs lässt Umsatz schwächer aussehen

Beim Umsatz machte sich der für das Unternehmen ungünstige Wechselkurs des Dollar weiter bemerkbar. Allein in Amerika ging der Umsatz in Euro gerechnet um 15 Prozent zurück, ohne Währungseinflüsse wäre er um sechs Prozent gestiegen. Damit sei SAP weiter Nummer eins auf dem US-Markt und habe auch dort Marktanteile gewonnen. In Deutschland setzte SAP im zweiten Quartal ein Prozent weniger um. Im ersten Halbjahr 2003 lag der Konzernumsatz weltweit bei 3,2 (3,4) Mrd. €, das operative Ergebnis bei 692 (562) Mill. €.

SAP-Chef Kagermann kündigte an, die Ausrichtung auf Kunden an „die sich verändernden Rahmenbedingungen in unserer Branche anzupassen“. Er wollte sich am Nachmittag in New York zum ersten Halbjahr äußern. Analysten sehen SAP bereits als Gewinner im Streit der Konkurrenten Peoplesoft und Oracle über das feindliche Übernahmeangebot an die Peoplesoft-Aktionäre. Das werde sich aber frühestens im Herbst zahlenmäßig bemerkbar machen, hieß es.

Analysten und Börsenhändler sprachen am Morgen mit Blick auf das SAP-Zahlenwerk von einem gemischten Bild. Zunächst werde die Enttäuschung über den Lizenzumsatz überwiegen. „Man darf nicht vergessen, dass die SAP-Aktie in den vergangenen Wochen sehr gut gelaufen ist“, gab ein Händler zu bedenken. „Da entscheiden sich offenbar viele, jetzt Gewinne mitzunehmen, obwohl die Zahlen so schlecht auch nicht waren.“ Der SAP-Kurs hat seit Mitte März um rund 58 Prozent zugelegt.

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