Durchbruch von der Fußball-WM erwartet
Satellitenbetreiber SES erwartet Umsatzschub durch HDTV

Europas größter Satellitenbetreiber SES Astra schöpft trotz schwieriger Marktbedingungen wieder Zuversicht. Die Luxemburger versprechen sich vom Start des hochauflösenden Fernsehens (HDTV) neue Impulse.

LUXEMBURG. „Wir erwarten uns von der Einführung des HDTV in Europa einen Wachstumsschub“, sagte Ferdinand Kayser, Präsident von SES Astra, dem Handelsblatt. Derzeit führt das HDTV in Europa allerdings nur ein stiefmütterliches Dasein. Lediglich der belgische Kanal „Euro 1080“ sendet ein regelmäßiges Programm in hoch auflösender Technik an. „Wir gehen davon aus, dass es noch vor Ende dieses Jahres erste HDTV-Programme geben wird“, sagte Kayser, früher Chef des Bezahlsenders Premiere.

Derzeit verhandeln die Luxemburger mit mehreren deutschen TV–Unternehmen über eine Ausstrahlung von HDTV-Programmen. Marktführer RTL sei allerdings zurückhaltend, berichten Brancheninsider. Bei der Konkurrenz, der Pro Sieben Sat 1, ist die Begeisterung offenbar größer. Um für Fernsehsender den Einstieg ins HDTV-Geschäft zu erleichtern, werde SES Astra in der Einführungsphase „deutliche Preisnachlässe“ für die Satellitenübertragung gewähren. In Unternehmenskreisen ist von einem jährlichen Preis von mehr als 2 Mill. Euro für einen Übertragungskanal die Rede. Zum Vergleich: Ein herkömmliches TV-Programm per Satellit kostet rund 6 Mill. Euro.

Während unter den deutschen Fernsehstrategen noch diskutiert wird, macht das britische Pay-TV-Unternehmen BSkyB bereits Nägel mit Köpfen. Am Mittwoch kündigte der Bezahlsender an, bereits 2006 verschiedene HDTV-Kanäle anbieten zu wollen. Vor allem mit Sportübertragungen will der von Rupert Murdoch beherrschte Konzern den Massenmarkt erobern. In Luxemburg war die Freude über den europaweit einmaligen Vorstoß groß. „Damit bekennt sich das innovativste Pay-TV-Unternehmen zum HDTV“, frohlockte SES-Sprecher Yves Feltes. Auch in Deutschland soll König Fußball dem hoch auflösenden Fernsehen zum Erfolg verhelfen. Kayser ist sich sicher: „2006 wird HDTV in Deutschland dank der Fußball-WM den Durchbruch schaffen.“

Damit HDTV ähnlich wie bereits in den USA ein Millionenpublikum erreicht, müssen allerdings noch zahlreiche Steine aus dem Weg geräumt werden. Das größte Hindernis: Nur die Hälfte aller Plasma-Bildschirme sind derzeit überhaupt für HDTV geeignet. Das soll sich laut SES bald ändern. „Zusammen mit den Herstellern und dem Handel diskutieren wir derzeit über eine klare Kennzeichnung für Bildschirme, die die Zukunftstechnologie HDTV bereits benutzen können", kündigt der SES-Astra-Chef an. Ein weiteres Hindernis sind die hohen Kosten für HDTV-fähige Receiver (Set-Top-Boxen)von zwischen 300 und 500 Euro.

Für Verwirrung sorgt zudem das terrestrische Digital-Fernsehen (DVB-T). Vor allem die ARD treibt das digitale Antennenfernsehen voran. „Nach Schätzungen von Händlerorganisationen ist bereits rund eine halbe Million DVB-T-Empfangsgeräte verkauft worden – ein erstaunlicher Erfolg“, freute sich ARD-Chef Jobst Plog am Dienstag. Die Alternative zu Satellit und Kabel ist derzeit nur in Ballungsräumen wie Berlin, Köln, Hannover und Bremen zu empfangen. Bei SES hält man daher vom Lieblingskind der deutschen Medienpolitik wenig: „Wir gehen nicht davon aus, dass DVB-T in Zukunft eine wichtige Rolle spielen wird.“ Konzernintern wird mit einem Marktanteil von maximal 5% gerechnet.

SES Astra ist eine 100 %ige Tochter des weltgrößten Satellitenbetreibers SES Global. Im letzten Jahr erzielte SES Astra einen Umsatz von 661 Mill. Euro und einen operativen Gewinn von 356 Mill. Euro. Beim Mutterkonzern SES Global belief sich der Umsatz auf rund 1,21 Mrd. Euro und der Reingewinn auf 205 Mill. Euro.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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