E-Book-Markt
E-Book-Plattform Libreka polarisiert Verleger

Die E-Book-Plattform Libreka, eine Tochter des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, ist wegen angeblich schlechter Verkäufe unter Druck geraten: Gerade einmal 32 E-Books sollen im Monat September verkauft worden sein. Dabei hat Libreka eigentlich ein ehrgeiziges Ziel: die beherrschende Marktstellung von Internethändler wie Amazon im E-Book-Markt verhindern.

FRANKFURT. Die E-Book-Plattform Libreka polarisiert die Verlagsbranche wegen angeblicher mangelnder Wirtschaftlichkeit. Die Tochter des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels verteidigt sich gegen Kritik aus den eigenen Reihen. Angeblich seien im Monat September nur 32 E-Books an Endkunden verkauft worden, heißt es in einem anonymen Schreiben. Um sich selbst zu finanzieren, müssten täglich mehrere tausend elektronische Bücher verkauft werden. „Wir veröffentlichen keine Zahlen zu Libreka. Es ist aber klar: Der Markt steht in Deutschland ganz am Anfang“, sagte Libreka-Geschäftsführer Ronald Schild dem Handelsblatt am Wochenende. Im Detail wollte der frühere Manager des Internethandelskonzerns Amazon zu angeblichen Mängeln bei Technik und Vertrieb keine Stellung nehmen.

Libreka ist für die deutsche Verlagsbranche von höchster Bedeutung. Der Börsenverein hatte im Frühjahr dieses Jahres die Handelsplattform gestartet, um das Geschäft mit elektronischen Büchern anzuschieben. Derzeit vertreibt Libreka 14 000 E-Books. 108 000 Bücher sind im Volltext durchsuchbar. Damit will der Verband der Buchhändler und Verlage eine beherrschende Marktstellung von Internethändler wie Amazon im E-Book-Markt verhindern. „Libreka ist ein geeignetes Mittel, um ein Monopol einzelner Anbieter entgegen zu wirken, weil es gerade die Aufgabe von Libreka ist, den gesamten Buchhandel in den E-Book-Markt einzubinden“, sagt Libreka-Chef Schild. Doch offenbar haben sich die hohen Erwartungen an die Handelsplattform bislang noch nicht erfüllt.

„Ich glaube nicht, dass ein Verband eine erfolgreiche E-Book-Plattform im Markt etablieren kann“, sagt ein Verlagsgeschäftsführer, der ungenannt bleiben wollte. Auch bei Schwergewichten der Branche herrscht gegenüber der Börsenvereins-Tochter Libreka Zurückhaltung. „Libreka ist für uns nicht so wichtig“, sagt Thomas Schierack, Geschäftsführer des Familienunternehmens Lübbe. Der größte Verlag in Nordrhein-Westfalen setzt vor allem auf die Partnerschaft mit amerikanischen Internetkonzernen. „Wir sind derzeit in Gesprächen mit Amazon und Google“, sagte der Lübbe-Chef auf der Frankfurter Buchmesse. Genauere Angaben zu den Kooperationsplänen wollte der gelernte Jurist nicht machen.

Die Kritik an der Verbandstochter lässt der Börsenverein unterdessen nicht gelten. „Die gerade durchgeführte Frankfurter Buchmesse ist ein herausragendes Beispiel, dass auch die Tochter eines Verbandes wie dem Börsenverein wirtschaftlich funktionieren kann. Das gleiche gilt für Libreka“, sagte Schild. Börsenvereins-Vorsteher Gottfried Honnefelder stärkt der Verbandstochter trotz der Kritik auf Anfrage demonstrativ den Rücken. Vor allem kleinere Verlage stehen zu Libreka. „Wir wollen uns doch nicht komplett von Amazon abhängig machen“, sagte ein bayerischer Verleger am Wochenende, warum er seine elektronischen Bücher über Libreka vertreibt.

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