E-Books
Apple wegen illegaler Absprachen vor Gericht

Mit dem iPad hat Apple im Jahr 2010 das E-Book-Geschäft umgekrempelt. Doch die Deals mit den Verlagen sollen die Preise in die Höhe getrieben haben. Im Mittelpunkt des Falles stehen E-Mails von Steve Jobs.
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New YorkApple muss sich seit Montag wegen des Vorwurfs illegaler Preisabsprachen bei E-Books vor einem New Yorker Gericht verantworten. Nach Einschätzung des amerikanischen Justizministeriums haben Apple und fünf US-Verlage zum Start des iPad-Tablets künstlich und zum Schaden der Verbraucher höhere Preise für digitale Bücher durchgesetzt. Die Verlage gingen inzwischen millionenschwere Vergleiche mit der US-Regierung ein, nur Apple will weiterkämpfen. Der Konzern weist jede Schuld von sich. Das Verfahren ist auf rund drei Wochen angesetzt. Der Fall wird nicht von Geschworenen, sondern von Richterin Denise Cote entschieden.

Als Apple 2010 mit seinem iPad herauskam, dominierte Amazon das Geschäft mit digitalen Büchern. Der weltgrößte Online-Einzelhändler verkaufte dabei aktuelle Bestseller für seine Kindle-Lesegeräte besonders günstig zum Preis von 9,99 Dollar. Dabei zahlte Amazon den Verlagen beim Einkauf der Titel einige Dollar pro E-Book mehr, wie aus Unterlagen zum Verfahren bekanntwurde. Die Buchbranche war dennoch unzufrieden, weil sie die Preisvorstellungen der Leser unter Druck sah.

Staatsanwalt Lawrence Buterman sagte am Montag in New York, der verstorbene Apple-Gründer Steve Jobs habe persönlich für eine Anhebung der Preise auf 12,99 und 14,99 Dollar hingewirkt. Er werde als Beweise Briefe und E-Mails präsentieren, die Jobs Aktivitäten zur Kontrolle der E-Book-Preise belegten, als Apple die Einführung seines iPads vorbereitete. Apple habe Preise erreichen wollen, die einen Gewinn von 30 Prozent ermöglichen. Die US-Verbraucher hätten daher Hunderte von Millionen Dollar mehr für E-Books ausgeben müssen.

Deshalb sahen die Verlage den Markteintritt von Apple als Chance auf einen Gegenpol zu Amazon. Unter der Regie von Apple-Gründer Steve Jobs einigte sich der Konzern mit den US-Verlagen auf ein sogenanntes „Agentur-Modell“ – ähnlich der deutschen Buchpreisbindung. Dabei bestimmen die Verlage den Preis. Apple sicherte sich die übliche Kommission von 30 Prozent. Damit verdienten die Verlage zunächst zwar teilweise weniger als bei den Geschäften mit Amazon, hatten aber die Aussicht auf langfristig höhere Preise. Denn zugleich gab es eine Klausel, dass kein anderer Händler die Bücher günstiger bekommen konnte als Apple. Damit musste auch Amazon schnell auf das neue Modell wechseln.

Das US-Justizministerium und Staatsanwälte von mehr als 30 US-Bundesstaaten gingen im vergangenen Jahr gegen die Praxis vor. Sie argumentieren, dass US-Verbraucher deswegen Millionen Dollar mehr für elektronische Bücher bezahlt hätten. Die besonderen Konditionen in den Deals zwischen Apple und der Buchbranche wurden inzwischen abgeschafft.

Nach und nach gingen alle betroffenen Verlage Vergleiche mit den Behörden ein, zuletzt erklärte sich Penguin im Mai zur Zahlung von 75 Millionen Dollar bereit. Apple-Chef Tim Cook lehnt diesen Weg jedoch strikt ab. Apple habe nichts falsch gemacht und stattdessen für mehr Wettbewerb gesorgt, erklärt er.

Apple-Anwalt Orin Snyder wies die Regierungsvorwürfe zurück. Apple habe den Wettbewerb gestärkt. Apple sei 2010 in einen E-Book-Markt eingetreten, „der kaputt war, dem Innovationen und Wettbewerb fehlten und der in keiner guten Richtung unterwegs war“.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur

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