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02.10.2007 
Unbefriedigende Geschäftslage

Ebay räumt bei Telefontochter Skype auf

von Axel Postinett

Als Ebay im Jahr 2005 den Internet-Telefonanbieter Skype übernommen hat, waren die Erwartungen groß: Ebay versprach sich von steigenden Benutzerzahlen Milliardengewinne. Die Realität sieht mittlerweile etwas nüchterner aus – kaum jemand möchte von Skype mehr als die kostenlosen Basisdienste. Die Muttergesellschaft reagiert nun mit personellen Veränderungen.

Mitbegründer Niklas Zennstroem, rechts im Bild, ist als Chef von Skype zurückgetreten. Foto: apLupe

Mitbegründer Niklas Zennstroem, rechts im Bild, ist als Chef von Skype zurückgetreten. Foto: ap

DÜSSELDORF. Der Skype-Mitbegründer Niklas Zennstrom ist als Firmenchef (CEO) des Internet-Telefonanbieters zurückgetreten und wechselt in den Verwaltungsrat. Das teilte die Muttergesellschaft Ebay am Montag im kalifornischen San Jose mit. Der Grund ist eine unbefriedigende Geschäftslage. Der Internet-Konzern wird für das dritten Quartal des Geschäftsjahres 2007 Kosten von rund 1,4 Mrd. Dollar für Skype verbuchen. Ebay Strategievorstand Michael van Swaaij werde das Unternehmen leiten, bis ein Nachfolger für Zennstrom gefunden sei. Die Ebay-Aktie reagierte an der New Yorker Börse im frühen Handel mit Kurssteigerungen auf die Nachricht.

In der Gesamtsumme sind zwar etwa 530 Mill. Dollar (rund 375 Mill. Euro) erfolgsabhängige Abschlusszahlungen an die früheren Skype-Eigentümer enthalten. Aber selbst diese „Erfolgs“-Zahlung ist letztlich ein Eingeständnis des Scheiterns. Denn wären die bei der Übernahme von Skype 2005 geplanten Ziele erreicht worden, hätten jetzt fast 1,7 Mrd. Dollar Erfolgsprämie an die Altaktionäre fließen müssen. Messlatte waren Ziele bei der Zahl der aktiven Nutzer, Umsatz und Bruttoerlösen für 2008 und Anfang 2009.

Neben den Abschlusszahlungen verbuchte Ebay Abschreibungen auf den Firmenwert in Höhe von rund 900 Mill. Dollar. Sie spiegeln die korrigierten Erwartungen in die langfristige finanzielle Entwicklung in Skype wider, heißt es dazu. Im zweiten Quartal setzte Skype 90 Mill. Dollar um, eine Verdoppelung gegenüber dem Vorjahr. Allerdings verteilen sich die 90 Millionen Dollar auch auf – ebenfalls verdoppelte – 220 Mill. registrierte Nutzer, was den Quartalsumsatz pro Nutzer auf unter fünfzig US-Cents treibt. Zum Vergleich: ein durchschnittlicher Mobilfunkkunde in Deutschland gibt 72 Euro im Quartal aus. Hier zeigt sich, dass das einstige Erfolgsmodell von Skype, kostenloses Telefonieren mit Skype-Nutzern rund um den Globus, längst zum Fallstrick geworden ist. Die kostenpflichtigen Skype-Dienste werden selten genutzt.

Schon länger zeigen sich Analysten besorgt über das Geschäftsmodell. Nicht nur, dass die Festnetzbetreiber weltweit ihre Verbindungspreise in den vergangenen Jahren deutlich gesenkt haben und für nationale Gespräche immer öfter Pauschaltarife anbieten. Auch Internet-Anbieter wie Google (Google Talk), AOL (AIM) oder Web 2.0-Dienste wie Myspace.com untergraben das Businessmodell. Bei sozialen Netzwerken findet die Kommunikation direkt auf der Plattform statt.

Einschließlich der jetzt geleisteten Abschlusszahlungen hat Ebay insgesamt 3,13 Mrd. Dollar für Skype bezahlt. Der Einstieg in das Internet-Telefongeschäft sollte die Abhängigkeit vom Auktionsgeschäft mildern. Gleichzeitig hoffte Ebay-Chefin Meg Whitman Synergieeffekte heben zu können, etwa indem Skype die Kommunikation zwischen Ebay-Kunden und Händlern übernehmen könnten.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Ausfälle verärgern Kundschaft

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