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Ebay verkauft Mehrheit: Internet-Legende steigt bei Skype ein

Das Geschäft entbehrt nicht einer gewissen Ironie: Ausgerechnet Marc Andreessen investiert mit seiner jungen Wagniskapitalfirma Andreessen Horrowitz in das Online-Telefon-Unternehmen Skype. Andreessen, der Schweiger. Das menschenscheue Programmier-Genie, das einst Netscape entwarf, den weltweit ersten Internet-Browser erfand und bekannt dafür ist, mit kaum jemand warm zu werden.

Marc Andreessen, das menschenscheue Computer-Genie hinter dem Netscape-Browser, steigt bei Skype ein. Quelle: Reuters
Marc Andreessen, das menschenscheue Computer-Genie hinter dem Netscape-Browser, steigt bei Skype ein. Quelle: Reuters

DÜSSELDORF. Wieviel Prozent Andreessen Horrowitz nun an der Firma hält, die davon lebt, dass Menschen miteinander reden wollen, wurde noch nicht bekannt. Da ihr maximal 50 Mio. an Einzelinvestments erlaubt sind, dürfte der kleinere Teil der Kaufsumme von 1,9 Mrd. Dollar für 65 Prozent an Skype auf sie entfallen. Verkäufer Ebay hält weiter 35 Prozent.

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Aber es scheint sicher, dass Andreessen einer der Strippenzieher des Geschäfts ist. Deshalb rechnen viele im Silicon Valley damit, dass Skype nun einen Gang höher schaltet. Und: Das Web-Telefon-Unternehmen passt perfekt zu einem Rat, den Andreessen einst Josh Schachter gab, dem Gründer der Link-Verwaltung Delicious: "Verkaufe nie, wenn Dein Unternehmen noch wächst."

Wachsen, das tut Skype. Mit rund 450 Mio. Nutzern weltweit ist es eines der größten Internet-Unternehmen. Und jede Woche kommen nach Firmenangaben hunderttausende neuer Kunden hinzu. JP-Morgan-Analyst Imran Khan prognostiziert für 2010 einen Umsatz von 740 Mio. Dollar bei einem Ebitda von 156 Mio. Schon in diesem Jahr werden rund 600 Mio. Dollar Umsatz erwartet. Das Marktforschungsunternehmen Telegeography schätzt Skypes Marktanteil bei internationalen Gesprächen auf acht Prozent - zwei Prozentpunkte mehr als 2006. "Skype ist der größte Anbieter grenzüberschreitender Stimmkommunikation auf der Welt", sagt Telegeography.

Allein: Ebay als Mutterkonzern bremste das Unternehmen. Das sieht sogar Vorstandschef John Donahoe so. "Skype ist alleine ein starkes Geschäft, aber es hat keine Synergien mit unseren E-Commerce- oder Bezahl-Bereichen." Om Malik, der Chef des Branchendienstes Gigaom, wird deutlicher: Die Übernahme durch das Auktionshaus habe Skype "nach einer Serie von Management-Fehlern in eine Jauchegrube der Mittelmäßigkeit und bürokratischer Kleinkriege" verwandelt. "Es beginnt ein neues Kapitel", schreibt Skype-Chef Josh Silverman im Firmen-Blog. Vermutlich wird er an Bord bleiben: Sein Ruf in der Branche ist tadellos.

Kein Wunder, dass die Ebay-Aktien gestern kräftig zulegten, als der Verkauf bekannt wurde. "Ich denke, die Investoren werden sehr glücklich sein, dies ist ein exzellentes Geschäft", lobte Jeffrey Lindsay von Sanford C. Bernstein. Der für 2010 geplante Börsengang hätte Ebay rund 2,5 Mrd. Dollar einbringen können. "Nun haben sie den Spatz in der Hand", sagt Bernstein - und der sei in der Krise besser als eine Taube auf dem Dach. Auch Dan Frommer vom Analysedienst Silicon Alley Insider ist angetan: Die Bewertung sei hoch, gleichzeitig behalte Ebay 35 Prozent "an einer wachsenden und wahrscheinlich profitablen Firma, ohne den Ärger, sie managen zu müssen".

Nur eines bleibt offen: Wie werden sich die Skype-Gründer Janus Friis und Niklas Zennström verhalten? Sie hatten vor einigen Wochen Klage gegen Skype eingereicht. Noch immer hält ihre Firma Joltid die Rechte an der grundlegenden Technologie hinter Skype. Nun wollen sie einen neuen Lizenzvertrag - der dürfte nicht billig werden.

Vom Start-up zum Massengeschäft

Die Anfänge

Skype wird im Jahr 2003 erstmals aktiv. Im Frühjahr lässt das damalige Start-up seine Internetadressen registrieren, im Spätsommer folgt die erste Inbetriebnahme der so genannten Beta-Version im Internet. Zuvor hatte Ende 2002 Draper Investment in das junge Unternehmen investiert.

Millionengeschäft

Im Herbst 2005 übernimmt das Online-Auktionshaus Ebay die Mehrheit an dem Dienst. Später im Jahr folgt die Einführung der Video-Telefonie. Gleichzeitig durchbricht die Zahl der registrierten Nutzer erstmals die dreistellige Millionengrenze. Mehr als 100 Mio. Menschen sind zu der Zeit aktiv.

Immer mehr Nutzer

Skype hat sich weltweit als Möglichkeit, über das Internet zu telefonieren, durchgesetzt. Seit Ende 2005 sind die Nutzerzahlen kontinuierlich gestiegen. Gab es im vierten Quartal 2005 noch etwa 74 Mio. registrierte Nutzer, waren es Ende 2007 276 Mio. und im aktuellen Quartal 443 Mio.

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