Ebola, Bitcoin und die Ikea-Garantie Die vergessenen Nachrichten 2014

Erst heiß diskutiert, dann vergessen: Einige Themen sind 2014 aus den Schlagzeilen gefallen. Was ist mit dem Prunkbischof und dem Höhlenforscher? Ebola und der lebenslangen Ikea-Garantie? Und wo steht der Bitcoin-Kurs?
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Zurück in den Laden: Ikea bietet eine lebenslange Garantie – zumindest ein bisschen. Quelle: dpa

Zurück in den Laden: Ikea bietet eine lebenslange Garantie – zumindest ein bisschen.

(Foto: dpa)

Das Nachrichtengeschäft ist schnelllebig. Was heute noch für Schlagzeilen sorgt, ist übermorgen schon wieder vergessen. Dabei lohnt ein Blick zurück – er lässt uns innehalten oder Einsichten gewinnen, schaudern oder schmunzeln. Wissen Sie zum Beispiel, was aus der lebenslangen Garantie geworden ist, die Ikea wieder einkassiert hat? Wie sich der Bitcoin nach der Pleite der Handelsplattform Mt. Gox entwickelt hat? Mit wie viel Geld der frühere Prunkbischof Tebartz-van Elst auskommen muss? Was mit den Sportanlagen der olympischen Winterspiele in Sotschi passiert? Nein? Dann lesen Sie unseren alternativen Jahresrückblick.

Garantie auf Ikea-Produkte: Wie lang ist lebenslang?

Die beste PR-Aktion zum 40. Geburtstag in Deutschland schenkte sich Ikea selbst – und den perfekten Shitstorm gleich dazu. Vollmundig kündigte das Möbelhaus mit den weißen Einheitsmöbeln an, künftig tausche Ikea jede Ware, auch gebrauchte, nach Vorlage des Kassenzettels um. Lebenslang. Die Kunden jubelten, einige dürften wohl schon in ihren Schuhkartons nach ihren Bons für die 20 Jahre alte Küche gesucht haben.

Doch mit dem Jubel war es schnell vorbei. Denn „lebenslang“ ist bei Ikea offenbar nicht „lebenslang“. Nur zwei Monate nach der Verkündung ließ Deutschlandchef Peter Wetzel wissen, dass das Angebot nicht für alte, abgenutzte Möbel gelte. Wer 15 Jahre lang seine Küche behalten hätte, der könne sie nicht einfach zurückgeben. „Das Geschäftsmodell hält auch Ikea nicht aus.“ Da gehe es auch um gesunden Menschenverstand.

Menschenverstand, schön und gut, das Kundenverständnis jedoch – weg. Im Netz schimpften die Konsumenten in den sozialen Netzwerken über den Rückzieher, Ikea habe die Kunden „sauber angelogen“, das sei ein „Vertrauensbruch“, „mehr als frech“.

Früher schmeckten die Hotdogs besser
40 Jahre Ikea Deutschland
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Als Ikea im Jahr 1974 in Eching bei München startete, hieß das Restaurant noch „Zum Elch“ und der schwedische Konzern nannte sich selbst „das ummögliche Möbelhaus“. 40 Jahre später gilt Ikea als beliebtester Möbelhändler in Deutschland. Unsere Leser und die Handelsblatt-Redakteure haben in ihren Erinnerungen gekramt und ihre Geschichten zu Ikea aufgeschrieben. Nicht alle davon sind positiv.

Ikea Gründer Ingvar Kamprad
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Wie Ikea meine Liebe zu Schweden entfachte

Ich bin quasi mit Ikea groß geworden, habe es schon geliebt, als ich 1974 acht Jahre alt noch kein Kinderparadies nutzen konnte. Es war immer ein Highlight, ein aufregender Familienausflug.

Heute bin ich 46 und es hat sich nichts geändert ... außer, dass ich mit meiner Familie ins „Ikealand“ ausgewandert bin. Alles hat angefangen, weil ich wissen wollte, ob das „Originalikea“ genauso ist und funktioniert wie das deutsche. Es folgten Urlaube und daraus entstand eine weitere Liebe zu Land und Leuten. 2009 dann die Auswanderung nach Schweden.

Herrn Kamprad [Bild, Anm. d. Red.] kann man wohl nur bewundern. In „Skandale“ sind wohl viele Menschen dieser Größenordnung verwickelt gewesen, zu Bedenken gibt es, was er positives bewirkt hat, angefangen bei der Arbeitsplatzbeschaffung.  

Ich bin und bleibe ein Bewunderer und genieße die Kanelbulle (= Zimtschnecke) und den guten Kaffee!

Andrea Engmann, Stockholm

Limmaland
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Aus Ikea-Möbeln mache ein Start-up

Schon seitdem wir in den 1990ern unser erstes Teenagerzimmer und später unsere Studentenbuden einrichten durften, sind wir beide Ikea-Fans. Wir lieben die skandinavischen Designs und die funktionale Ausrichtung der Möbel, aber uns stört, dass man die gleichen Möbel in fast jedem Haushalt sieht. Dabei wollen alle doch eigentlich so viel Individualität wie möglich in ihren vier Wänden. Kein Wunder also, dass es immer mehr Ikea Hacker gibt, die die bekannten Möbel individualisieren und erweitern.

Auch unsere Kreativität wurde durch die Ikea Hacker Szene geweckt und wir überlegten, welche Ikea-Klassiker sich in Spielmöbel für Kinder verwandeln lassen. Unsere Ideen stießen auf so viel positive Resonanz bei Freunden und Bekannten, dass wir Ende letzten Jahres beschlossen diese professionell herzustellen und ein Unternehmen zu gründen. Ikea ist somit Grundstein für unsere Geschäftidee gewesen. Wir verkaufen seit Ende August passgenaue Wand- und Möbelfolien als Zubehör für Ikea-Möbel. So entsteht im Handumdrehen ein Puppenhaus aus einem Bücherregal oder ein Spieltisch aus einem Tisch.

Rabea Knippscheer und Stefanie Gärtner, Köln

40 Jahre Ikea Deutschland
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Warum der Katalog nur noch billige Werbung ist

Ich habe kürzlich eine Beschwerde-Mail an Ikea geschickt. Typisch für Ikea wurde diese Mail zwar bestätigt, aber nicht beantwortet. Der Inhalt:

Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit möchte ich Ihnen meine absolute Unzufriedenheit mit Ihrem derzeitigen Katalog mitteilen.

Früher war Ihr Katalog eine gute Einkaufs- und Planungshilfe. Bei der Überlegung, Billy Regale zu kaufen, muss ich jetzt aber feststellen, dass im Katalog keine Informationen mehr über die Komponenten des vollständige Programms enthalten sind. Das Gleiche gilt für Kleiderschränke und andere Regale...

Das heißt, Ihr Katalog ist keine Verkaufshilfe mehr, sondern nur noch ein umfangreicher Werbeprospekt, der bei mir gleich in den Papierkorb wandert!

Im Internet gibt es zwar mehr Informationen, aber auch diese sind nicht vollständig, sodass ich nach wir vor keinen Überblick über das vollständige Billy-Programm habe.

Gleichzeitig musste ich feststellen, dass für Internetkäufe bei Ihnen nach wie vor nur Zahlung per Nachnahme möglich ist. Das ist absolut antiquiert und lächerlich. Ich habe deshalb schon zwei mal Bestellvorgänge abgebrochen.

Außerdem möchte ich meine Unzufriedenheit über die Qualität der Billy Regale äußern. Meine Tochter hat vor zwei Jahren diese Regale gekauft und trotz normaler Belastung hängen die Regalbretter alle durch. Was nützt es mir, wenn Sie einen Preis optisch niedrig halten und dafür die Qualität ständig verschlechtern.

Früher war Ikea für mich ein Vorbild für Dynamik und Progressivität. Aber Sie kleben an Ihrem nicht mehr zeitgemäßen Erfolgsmodell und verpassen die Zukunft. Dagegen hilft auch keine Verzweiflungsaktion wie eine lebenslange Rücknahmegarantie!

Tonio Th. Fruehauf

Ikea erneut mit Rekordumsatz
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Die tiefgekühlten Flachtorten rechtfertigen Ikeas Dasein

Wer hat denn Ikea schon in seinem Werdegang auslassen können? Es war hipp und heute ist es Standard! Ich habe meine ersten Teile kurz nach der Gründung (1977) gekauft und bin kläglich am Zusammenbau gescheitert. Ich habe geflucht und meine Altvorderen haben gelacht und gemeint, das sei halt modernes Glumpert und es steckt eben noch in den Kinderschuhen.

Der zweite Versuch war Jahre später, aber auch da habe ich die Reibflächen der Laden mit Seife eingeschmiert, damit sie nicht immer geeckt haben. Aufgebaut hat bereits der mir angetraute Mann, ohne zu fluchen. Der war Alleskönner.

Doch nach der Scheidung (von wegen alles im Griff haben) habe ich mir dann aus Kostengründen noch eine Küche zusammengestellt. Da habe ich für das Zusammenstecken bereits bezahlt. Die Qualität hat sich gebessert und Preis-Leistung stimmt. Und die tiefgekühlten schwedischen Flachtorten mit den Wahnsinnskalorien werde ich mir immer wieder holen, auch wenn ich jetzt nur mehr als Träger und Unterhalterin der nachkommenden Generation durch die Ikea Schlangenlinien latsche. Denn die [Torten] sorgen für kurzen, aber treffsicheren Genuss und alleine das rechtfertigt Ikeas Dasein.

Silvia Graser, Facebook-Fan von Handelsblatt Online

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Ein Hotdog aus der Kindheit

Meine Geschichte beginnt an einem freundlichen Vormittag in diesem Jahr. Kaum aus dem Auto, eilte ich direkt zum Ausgang, ging hindurch und kredenzte 3 Hotdogs. Nach dem Verzehr realisierte ich, das sie in meinen Kindheitserinnerungen besser geschmeckt haben. Ende.

Dominik Dreifufzich, Facebook-Fan von Handelsblatt Online

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Bloß keine Servietten! Und keine Teelichter!

Eins vorweg, ich bin Ikea-Fan. Vor allem die Deko-Artikel haben es mir angetan. Mindestens ein Mal im Jahr dekoriere ich um, es kostet ja nicht viel. Dieses Jahr war es eine Mischung aus Lila und Bordeauxrot, die es mir angetan hatte. Vasen, Teelichter, eine Schale, Wolldecken für kühle Abende auf der Terrasse und natürlich: Kerzen und Servietten.

An Letzteren kann ich einfach nicht vorbeigehen. Leider auch dann nicht, wenn ich eigentlich nur schnell einen zusätzlichen Einlageboden kaufen will oder neue Aufbewahrungsboxen. Jedes Mal, wenn ich bei Ikea bin, laden Servietten in den neuesten Mustern und Farben im Einkaufswagen. Auch vor den vielen schöne Kerzen kann ich nicht Halt machen. Teelichter, kleine oder größere Windlichter samt Kerze, große Kerzen, kleine Kerzen, duftende Kerzen – alles muss mit.

Dabei habe ich jedes Mal die allerbesten Vorsätze. Nur schmeiße ich die regelmäßig über Bord, wenn ich durch die Gänge laufe und die hübschen Deko-Gegenstände erblicke. Manchmal schaffe ich es, nur Servietten oder nur Kerzen zu kaufen. Ein kleiner Erfolg, immerhin.

Ganz schlimm, wenn meine Mutter oder eine Freundin mich bitten, ihr Servietten oder Teelichter mitzubringen. Dann habe ich keine Chance.

Zum Glück sind die Artikel relativ günstig, der finanzielle Schaden hält sich also in Grenzen. Vielleicht fahre ich am Wochenende mal wieder zu Ikea und schaue nach einer hübschen Deko für die Wintermonate – natürlich brauche ich dann auch wieder Kerzen und Servietten.

Jessica Schwarzer, Leiterin des Finanzressorts bei Handelsblatt Online

Aber Ikea, nun schon erfahren im Thema Rückzug, nahm auch die Worte des Deutschlandchefs wieder zurück – durch die des stellvertretenden Deutschlandchefs. Michael Mette stellte „klar“: Für alles, was seit dem Tag der Verkündung des ursprünglichen Rückgaberechts – also des lebenslangen – gekauft worden sei, gelte eben jenes Rückgaberecht auch. Nur eben für die gebrauchten Möbel von vor zehn Jahren, die in der ursprünglichen Aussage mitinbegriffen gewesen wären, könne man nicht versprechen, den vollen Preis zurückzuzahlen. Man werde sich aber „kulant“ zeigen.

Was aus dem Thema geworden ist? Um es kurz zu machen: Wenig. Den Kunden scheint Ikeas Rückzug vom Rückzug inzwischen herzlich egal zu sein. Zumindest den Reaktionen der Facebook-Seite zufolge. Der Shitstorm dort hat sich auf das Normalmaß zurückgebildet – Beschwerden über vier Monate Wartezeit auf eine Küche; die Zitronenlimonade, die wie Mineralwasser schmeckt; Möbel für 400 Euro, die direkt reklamiert werden mussten. Der Ärger über das lebenslange, nicht lebenslange, teils lebenslange Rückgaberecht ist längst verflogen. (Lisa Hegemann)

Kein Support mehr für Windows XP: Ewig langer Abschied

Es lief und lief und lief. Windows XP gehörte wohl zu den langlebigsten Betriebssystemen der Technologiegeschichte. Als Microsoft 2001 das System einführte, tippten erste Manager und Banker auf Blackberrys herum, während Apple letzte Hand an den iPod legte. Im April 2014, und damit eine gefühlte Ewigkeit später, sagte der Software-Hersteller „Bye bye“ – und stellte die Produktpflege für XP ein. Nutzer bekommen seitdem keine Updates mehr. Auch Sicherheitslücken bleiben damit offen.

Nach dem in der Öffentlichkeit groß diskutierten Abschied ist es ruhig um Windows XP geworden. Viele Nutzer und Unternehmen haben tatsächlich das Upgrade auf ein anderes Betriebssystem vorgenommen, der Marktanteil halbierte sich weltweit auf knapp 14 Prozent, in Deutschland auf gut 6 Prozent. Cyberkriminelle können also noch immer reiche Beute machen, wenn sie Schwachstellen des alten, aber beliebten Systems ausnutzen.

„Die Großunternehmen haben alle längst von Windows XP umgestellt, aber neben den Privatleuten bereiten uns die kleineren Firmen weiterhin Sorgen“, sagt Oliver Gürtler, der bei Microsoft das Windows-Geschäft in Deutschland verantwortet. Auch einige Behörden brauchten länger für die Umstellung – der Bundestag muss deswegen knapp 120.000  Euro für zusätzliche Schutzmaßnahmen ausgeben.

Ein paar Schlagzeilen wird das Betriebssystem aber womöglich auch noch 2015 machen. Zum einen, wenn Firmen und Organisationen endlich den Absprung gemacht haben – in der Bundeswehr kommen noch Tausende Rechner mit XP zum Einsatz. Zum anderen, wenn Hacker die Schwachstellen ausnutzen. (Christof Kerkmann)

Bitcoin stürzt ab, ein Höhlenforscher taucht wieder auf
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