Eichborn-Verlag
Käpt'n Blaubär ist pleite

Die beliebten Kartoons von Walter Moers konnten ihn nicht retten: Der börsennotierte Eichborn Verlag muss in die Insolvenz. Ein Partner will die Bücher aber weiter vermarkten.
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Frankfurt/MainDer Frankfurter Eichborn-Verlag hat Insolvenz angemeldet. Dieser Schritt sei notwendig geworden, da der Verlag die erforderliche Sanierung nicht aus eigener Kraft finanzieren könne, teilte das börsenotierte Unternehmen am Donnerstag mit. Versuche, eine Finanzierung von außen zu erlangen, seien nicht erfolgreich gewesen. Die Kooperation mit dem Berliner Aufbau Verlag soll jedoch trotz der Insolvenz fortgeführt werden.

In einer ersten Mitarbeiterversammlung habe der Insolvenzverwalter zugesagt, den Geschäftsbetrieb aufrecht zu erhalten. Vorstand, Betriebsrat und Mitarbeiter hätten ihre Unterstützung zugesichert. Sie seien nach wie vor davon überzeugt, dass der Verlag nach erfolgter Sanierung gute Chancen auf dem Markt habe, hieß es weiter.

Vito von Eichborn und Matthias Kierzek hatten den „Verlag mit der Fliege“ 1980 gegründet. Die Eichborn AG verlegt Bücher aus den Bereichen Literatur, Sachbuch, Humor und Geschenkbücher, zu den bekanntesten Titeln zählen die Cartoonreihen “Käpt'n Blaubär“ und „Das Kleine Arschloch“ von Walter Moers.

Erst am Mittwoch war bekannt geworden, dass der zum 1. Juli geplante Umzug des Verlags von Frankfurt nach Berlin auf Eis gelegt wurde. Der Eichborn-Verlag sollte nach Vorstellungen des Mehrheitsgesellschafters Matthias Koch künftig mit dem Aufbau Verlag in Berlin kooperieren und in die Hauptstadt umziehen. Der Umzug habe sich damit erstmal erledigt, sagte Verlagssprecher Dieter Muscholl. Die Vertriebskooperation mit dem Aufbau Verlag seit dem 1. Juni sei jedoch von der Insolvenz nicht berührt.

„Der Umzug ist vom Tisch“, sagte der vom Gericht eingesetzte vorläufige Insolvenzverwalter Holger Lessing der Nachrichtenagentur dpa. Er kündigte an, nach einer Durchleuchtung der Vermögensbestände Eichborns ein Sanierungskonzept zu entwickeln, um die Geschäfte in einer neuen Gesellschaft fortführen zu können.

 Der Insolvenzantrag sei zu befürchten gewesen, sagte Koch am Donnerstag der Online-Ausgabe der Zeitschrift „Buchmarkt“. „Es ist leider nicht gelungen, den Mitarbeitern zu vermitteln, dass Eichborn in Berlin seine Identität erhalten könnte.“ Koch weiter: „Was jetzt mit dem Verlag geschieht, ist ungewiss.“ Am Mittwoch hatte er noch erklärt, dass er am Umzug Eichborns grundsätzlich festhalte.

Der Geschäftsführer des Aufbau Verlags, Tom Erben, kündigte umgehend an, als vertraglicher Vertriebspartner „das starke Herbst-Programm von Eichborn“ weiter zu verkaufen. „Wir gehen davon aus, dass der Insolvenzverwalter eine Chance auf Fortsetzung des Betriebs sieht, und werden ihm unverzüglich die Fortsetzung des Kooperationsvertrags anbieten“, sagte Erben. „Ich denke, dass ein Verlag wie Eichborn weiter auf diesem Markt bestehen kann uns sollte“, fügte sein Mitgeschäftsführer René Strien hinzu.

Als Folge des geplanten Umzugs war 35 der 48 Mitarbeiter betriebsbedingt gekündigt worden. Da der Grund nun wegfalle, seien die Kündigungen hinfällig, sagte der Verlagssprecher. Acht Mitarbeiter hätten sich bereits neue Jobs gesucht, doch die verbleibenden 40 würden erstmal weiter beschäftigt. Der Sprecher sprach von einem kleinen Lichtblick. „Das gibt uns Mitarbeitern eine gewisse Sicherheit, wenn auch für eine begrenzte Zeit“, sagte er.

Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

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