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Eigener Browser: Googles Frontalangriff auf Microsoft

Mit dem eigenen Browser "Chrome" attackiert der Internetkonzern Google überraschend den Marktführer Microsoft. Der Konzern will sogar Betriebssysteme bald überflüssig machen. Für Google kommt der Angriff nach einem bisher schwachen Geschäftsjahr zum richtigen Zeitpunkt, für Microsoft dagegen genau zum falschen.

Screenshot aus dem Google-Comic, der den neuen Browser Chrome erklärt. Quelle: google.com
Screenshot aus dem Google-Comic, der den neuen Browser Chrome erklärt. Quelle: google.com

DÜSSELDORF. Google startete in der Nacht zu Dienstag überraschend seine womöglich entscheidende Attacke auf Microsoft. Mit einem eigenen Web-Browser namens "Chrome" bricht der Internetkonzern ins Kerngeschäft des schärfsten Konkurrenten ein. Seit Dienstag können Nutzer in 100 Ländern das Programm gratis herunterladen.

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"Chrome ist ein Frontalangriff auf Microsoft", sagt Veit Siegenheim, Geschäftsführer Kommunikation und High Tech bei der Unternehmensberatung Accenture. Sind Browser bisher nur Programme, mit denen man Internetseiten betrachten kann, bekommen sie künftig zentrale Bedeutung: "In einigen Jahren wird der Browser für viele Menschen das einzige Betriebssystem sein, das sie benutzen", sagt Andy Butler, Analyst des IT-Beraters Gartner. Entsprechend war die Reaktion an der Börse: Der Google-Kurs stieg im frühen New Yorker Handel am Dienstag um rund drei Prozent.

Datenleitungen werden immer schneller und günstiger, auch der Preis für Speicherplatz sinkt. Daher verlagern Nutzer Funktionen, die früher auf ihren eigenen Computern abliefen, auf Onlinedienstleister. Auch klassische Bürosoftware wie Schreibprogramme oder Tabellenkalkulation ist längst vollständig online zu bekommen.

Wer den Browser-Markt beherrscht, kann Nutzer zu den Diensten leiten, die ihm genehm sind, oder die entsprechenden Links vorinstallieren. Und genau darauf basiert das Geschäftsmodell Googles: Der Konzern will möglichst viele Nutzer auf möglichst vielen Seiten seiner Angebote bringen, um ihnen dort seine Werbung zu präsentieren - die ist praktisch die einzige Einnahmequelle des Unternehmens.

Doch das Geschäft lief zuletzt nicht mehr so gut. Die Zahlen für das zweite Quartal waren eine Enttäuschung: Zwar stieg der Umsatz noch um 39 Prozent auf 5,4 Mrd. Dollar, der Nettogewinn stieg um 35 Prozent auf 1,2 Mrd. Dollar. Doch Analysten hatten deutlich mehr erwartet. Schlimmer noch: Vorstandschef Eric Schmidt sagte, das wirtschaftliche Umfeld sei "eine größere Herausforderung", und gab damit erstmals zu, dass sein Unternehmen sich nicht völlig von der Konjunktur abkoppeln kann. Folge: Die Aktie fiel nach Bekanntgabe dieser Zahlen im Juli so stark wie nie zuvor seit dem Börsengang vor vier Jahren.

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