Eigenes Betriebssystem
China arbeitet am Anti-Windows

Die NSA-Affäre hat auch in China für Ärger gesorgt – nun will sich das Land unabhängiger machen: Es plant ein eigenes Betriebssystem als Ersatz für Windows. Hersteller Microsoft droht zudem Ärger mit den Kartellbehörden.
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PekingSchon im Oktober will ein Verband chinesischer Softwareentwickler ein einheimisches Betriebssystem vorstellen, das im Inland den Marktführer Windows von Microsoft ersetzen könnte. „Der Schlüssel zum Erfolg des neuen Produkts liegt in einem Marktklima, das hilft, sich gegen Google, Apple und Microsoft durchzusetzen“, sagt Informatiker Ni Guangnan, der die koordinierten Anstrengungen leitet.

Ni ist eigentlich Forscher an der Chinesischen Akademie für Ingenieurwissenschaften. Im März dieses Jahres hat er in staatlichem Auftrag begonnen, 13 verschiedene Entwicklergruppen, die in China an Betriebssystemprojekten gearbeitet haben, unter ein Dach zu bringen und ihre Anstrengungen auf die Schaffung eines nationalen Betriebssystems zu fokussieren.

Einer der wichtigsten Beiträge kommt von dem Projekt „Qilin“, das unter Ägide des Militärs an der Nationalen Universität für Rüstungstechnik in der zentralchinesischen Stadt Changsha lief. Der Name leitet sich von einem löwenartigen Fabelwesen mit zwei langen, spitzen Hörnern ab. Die Programmierer arbeiten dort bereits seit 2001 an einer chinesischen Alternative zu westlichen Betriebssystemen.

Mehrere Ereignisse haben diesen Bemühungen zuletzt einen neuen Schub gegeben. Erkenntnisse über das Ausmaß und die Dreistigkeit von US-Spionage haben gerade bei der Regierung Sicherheitsbedenken geschürt. Peking hat allen staatlichen Behörden des Landes kurzerhand verboten, die neueste Version des Microsoft-Betriebssystems Windows 8 zu beschaffen. „Das Ende der Unterstützung für Windows XP und der Bann gegen Windows 8 haben Türen für eine einheimische Alternative gehöffnet“, sagt Ni.

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Marktanteile weltweit in Prozent


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Ganz ausgereift scheint das China-OS allerdings noch nicht zu sein. Die Teams kämpfen noch mit Fehlern und Kinderkrankheiten, gab Ni zu. Aber es sei vor allem wichtig, dass das Projekt in die richtige Richtung laufe. China habe allein Dutzende von Gruppen gehabt, aber erst jetzt ziehen alle an einem Strang, so Ni.

Tatsächlich hat sich China jetzt schon im internationalen Vergleich von amerikanischen IT-Anbietern vergleichsweise unabhängig gemacht. Youtube, Facebook, Twitter, Google oder Ebay sind in China praktisch nicht im Einsatz – statt dessen lieben die Nutzer die eigenen, oft besseren Gegenstücke wie Youku, QQ, Sina Weibo oder Baidu. Webnutzer befürchten jedoch, dass das chinesische Betriebssystem im Vergleich dazu eine Enttäuschung wird: Schon die neueste Version von Qilin beruht schlicht auf der weit verbreiten offenen Alternative Linux.

Microsoft hat in diesem Tagen noch zusätzlichen Ärger. Die Kartellbehörden werfen dem US-Konzern dasselbe vor, was die EU bereits mit ihm ausgefochten hat: Das Betriebssystem kommt zwangsweise im Paket mit dem Webbrowser und der Videosoftware. Dazu kommt der Vorwurf allgemeiner Intransparenz der Geschäftspraktiken. Zuvor hatten Beamte die Büros von Microsoft gestürmt und stundenlange Gespräche mit Managern geführt.

Das Klima wendet sich insgesamt in China gegen die westlichen Softwareanbieter. „Immer mehr Organisationen sowohl im Staats- als auch im Privatsektor suchen unabhängige, einheimische Lösungen“, sagt Charlie Dai von Forrester Research. Als Alternative zur weit verbreiteten Büroprogramm-Paket Microsoft gilt in China jetzt schon Kingsoft Office von dem gleichnamigen Anbieter. Das Produkt ist sowohl unabhängig von dem Gratis-Paket Open Office als auch von den US-Herstellern – und in seiner Basisversion kostenlos.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking

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  • Im Informationszeitalter ist die IT die Schlüsseltechnologie. Wer weder Freund noch Feind hacken kann wird den kürzeren ziehen. Die Amerikaner sind im Moment führend. Die Chinesen haben verstanden und agieren.

    Für uns Europäer wird es entscheidend sein nach aussen Regierungsserver, Telekommunikationsserver und Wirtschaftsserver weltweit auszuspähen. Nach innen wäre eine informationswirtschaft wünschenswert, welche die Mittelschicht nicht zerstört sondern als Informationslieferant bezahlt.

    Wen wir das nicht schaffen, wird Europa Wiege und Grab der Demokratie sein. Es gibt keinen anderen Weg als die informationelle Selbstbestimmung. Falls man nicht weiss wie das geht muss man nur schauen was die Chinesen machen.

    Wie hat Kerry so schön gesagt: "wir spionieren die anderen aus, weil es einfach Spaß macht".

  • "Die" Europäer haben noch nichteinmal eine Idee von sich selbst.
    Wie sollte es ihnen da gelingen ein ein standardbewußtes Betriebssystem aufzusetzen?

    Europa ist ein weit gestecktes Ziel: jeder Europäer weiß das.

  • Letzlich sollte auch die EU ein eigenes Betriebssystem, Google, Facebook, EU-Phone etc. Entwickeln. Die Quasimonopole führen zu wenigen Superreichen und werden die Mittelschicht in unserer Gesellschaft ausradieren. Was dann mit dr Demokratie - speziell in Deutschland - passiert ist klar: sie wird überflüssig. Weshalb sollte auch eine Mehrheit Armer die sich wenigen Superreichen gegenübersieht, dieses System am Leben halten.

    Die Möglichkeit zwischen verschiedenen Softwarsystemen der einzelnen Wirtschaftsräume zu wählen würde auch bedeuten, dass man sich aussuchen kann von wem man ausspioniert wird bzw. wer die persönlichen Daten klaut um damit Milliarden zu verdienen.

    Sollten die europäischen Regierungne noch nicht so verkommen sein wie die amerikanische oder chinesische bestünde bei einer Eigenentwicklung die Möglichkeit das Internet in den Dienst der Bürger Europas zu stellen und nicht als Datenquelle für Megadatendiebe, die wertvolle Informationen für null abgreifen um damit Milliarden zu verdienen - und dies natürlich ohne Steuern zu zahlen.

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