Ein Blick in die Zukunft Willkommen bei der Google-Bank!

Es ist bisher nur ein Gedanke: Was, wenn Google eine Bank gründet? Das Rüstzeug dazu hätte der Internetkonzern allemal: Kunden, Technologie, Kapital. Wie der Schreck der Finanzbranche aussehen könnte – ein Szenario.
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Bezahlen mit Google: In einigen US-Städten ist das schon möglich. Doch der Internetkonzern hat größere Ambitionen. Quelle: dpa

Bezahlen mit Google: In einigen US-Städten ist das schon möglich. Doch der Internetkonzern hat größere Ambitionen.

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DüsseldorfDeutsche Bank, Commerzbank, Targo-Bank, Google-Bank: Die Aufzählung ist für Kunden ungewohnt, für die Branche ein Graus – aber möglicherweise schon bald die Realität. Denn die Finanzwelt fürchtet, dass der Internetkonzern Google und seine Konkurrenten wie Apple und Microsoft das Geschäft mit dem Geld aufrollen könnten.

„Diese Unternehmen wissen aufgrund ihrer riesigen Datenbasis viel mehr über die Bedürfnisse ihrer Kunden, als Banken es jemals erfahren werden, und können dadurch Dienstleistungen sehr gezielt anbieten“, sagte etwa Jürgen Fitschen, Co-Chef der mächtigen Deutschen Bank, der „Börsen-Zeitung“. Ähnlich klingt es bei Henri de Castries, Chef des französischen Versicherers Axa: „Google weiß schon so viel über die Menschen, damit könnte es auch Finanzdienstleistungen anbieten“, sagte er der „Süddeutschen Zeitung“. Und hinter vorgehaltener Hand äußern sich viele Banker noch ängstlicher.

Tatsächlich googeln viele Kunden erst einmal, bevor sie eine Versicherung abschließen oder ein halbwegs einträgliches Festgeldkonto suchen. Millionen bezahlen mit dem Smartphone schon Apps, Musik und Magazine. Und Google hat auch eine Lizenz für digitale Bankdienstleistungen. Was also, wenn der Konzern seine Suchmaschine zur Onlinefiliale umbaut? Sein Bezahlsystem für Smartphones zu einem mobilen Bankterminal aufrüstet? Und seine großen Reserven nutzt, um Kredite zu vergeben?

Ein Gedankenexperiment über die Google-Bank – fiktiv, aber nicht komplett abwegig.

Juni 2014: Weltweit bezahlen mit Google Wallet

Die Ankündigung ist selbstbewusst: „Das Portemonnaie können Sie jetzt zu Hause lassen“, erklärt Google-Chef Larry Page, als er bei der Entwicklerkonferenz Google I/O die internationale Einführung des Bezahldienstes Google Wallet bekannt gibt. Nutzer in aller Welt sollen mit ihren Android-Smartphones bezahlen, ob im Kaufhaus, Kino oder Kiosk – sofern der Händler ein passendes Lesegerät hat. Bislang testete der Konzern die Lösung nur in einigen US-Städten, allerdings mit durchwachsenem Erfolg.

Um viele Nutzer zu erreichen, sucht sich Google Verbündete und kooperiert mit Kassenherstellern und Technologie-Anbietern. In Deutschland geht die Telekom eine Allianz mit dem US-Riesen ein. „Intelligente Bezahldienstleistungen bieten erhebliches Wachstumspotenzial“, sagt Telekom-Chef Timotheus Höttges. Der Telekommunikationskonzern vermarktet die Lesegeräte in seinen Geschäften.

Gleichzeitig rüstet Google die virtuelle Brieftasche auf. Bisher konnten Nutzer damit Apps und Musik kaufen sowie bei einer Handvoll Onlinediensten bezahlen. Jetzt bietet der Konzern allen Onlineshops an, deren Bezahlungen abzuwickeln, wenn Nutzer auf den „Wallet“-Button klicken. Nach der Ankündigung bricht der Börsenkurs der Handelsplattform Ebay um 5 Prozent ein – die Anleger befürchten, dass deren Tochter Paypal, die ebenfalls Onlinezahlungen abwickelt, Kunden verliert. Zumal auch Apple mit dem Dienst Passbook das iPhone zum Portemonnaie machen will.

Der Google-Dienst Wallet verwaltet außerdem Gutscheine. Ein praktischer Nebeneffekt: Der Internetkonzern kann einen weiteren Werbeplatz vermarkten. Kunden, die bereits in der Suchmaschine Anzeigen schalten, bieten mit einem zusätzlichen Klick auch Coupons an.

In den Geschäftsbedingungen lässt sich Google gestatten, Informationen über die Einkäufe der Nutzer für gezielte Werbung zu nutzen. Deutsche Datenschützer schlagen Alarm. „Die Verknüpfung der Daten macht den Nutzer immer gläserner“, warnt Thilo Weichert, Datenschutzbeauftragter von Schleswig-Holstein. Der Verbraucher verliere den Überblick, was das Unternehmen über ihn wisse. Zudem müsse er damit rechnen, dass der amerikanische Geheimdienst NSA darauf zugreife. Daher sein Rat: „Hände weg von Google Wallet.“

Die Nutzer beeindruckt diese Warnung indes wenig. Sie verwenden den Dienst ohne Bedenken. Besonders beliebt wird eine Zusatzfunktion, mit der Nutzer anderen innerhalb von Sekunden Geld überweisen können, sofern beide Seiten ein Google-Konto haben. So lassen sich gleich nach dem Junggesellenabschied oder dem Restaurantbesuch die Schulden begleichen, ganz ohne Kleingeld. Zumindest so lange der Akku hält.

Mai 2015: Versichert mit Google Protect
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21 Kommentare zu "Ein Blick in die Zukunft: Willkommen bei der Google-Bank!"

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  • Danke für den interessanten Beitrag. Das Szenario liegt gar nicht so fern in der Zukunft, wenn man bedenkt, dass Google bereits über viele der Voraussetzungen zur Bank-Gründung verfügt. Trotzdem stellt sich die Frage, ob eine Bank für Google als ergänzendes Geschäftsmodell interessant ist, oder ob nicht Transferzahlungen zu bestehenden Banken lukrativer sind. Im März 2013 habe ich dazu einen Vortrag von Google auf einer Konferenz gehört und einen Blogbeitrag dazu geschrieben: Finance 2.0: Wenn Google eine Bank wäre: http://finanz-marketing-blog.de/2013/04/finance-2-0-finanzdienstleister-der-naechsten-generation/

  • Warum marissa? Sie ist yahoo CEO...

  • # Krähe...
    Sie haben nicht Unrecht. Aber die Anonymität bleibt gewahrt.

  • @LongJohnSilver
    Genau. Wozu braucht man noch print und online Zeitungen? Alles ist sowieso googlebar. Ich frage mich nur, woher Google alle seine Info hernehmen soll? Recherchiert inzwischen auch Google selbst?

  • ... Ergo sind "die Türken" schlau, und alle die Ihre vorgenannten Visionen toll finden folglich...? :D

  • @Jamshed
    Eine Bank braucht wenig eigenes Kapital, vielleicht 2%. Der Rest kommt von EZB oder FED usw, ganz billig, versteht sich.

  • Endlich wurde auch Zeit !!! Es gibt weltweit einfach zu viele Banken und das auch noch mit unsinnigen Geschäftsmodellen. Es gibt Banker die haben in Ihren Elfenbeintürmen noch nie einen Kunden gesehen und die stören auch nur. In Rekordzeit könnte auch gleich dieser unsinnige Frequenzhandel überholt werden, den Google weis ja im "predictive forcast" exakt wie es um die Konsumentenlaune bestellt ist.Sie haben auch die beste Transparenz wie solvent Ihre Kunden sind und können Ihnen massgeschneiderte Produkte anbieten. Die Google Bank wird auch höchst effizient arbeiten, denn sollten Kunden einmal Probleme haben, können Sie sich im praktischen Googleforum einfach selbst helfen. Praktischerweise braucht die NSA dann auch nicht Datenschnittstellen programmieren und Datenbanken zusammenführen, alles ist logisch miteinander verknüpft und transparent. Für den Handel brechen dann goldene Zeiten an, da die Verkäufer via Google Glass direkt sehen können um welchen Kunden man sich intensiv kümmern sollte. Einfach Klasse! "Google die Bank für Menschen" :)

  • Genau!

    Bauen Sie doch mal eine Findemaschine; das Suchen haben wir jetzt alle drauf.

  • Ja, und die Stasi war eine der besten Erfindungen in der Ostzone! Je mehr das System über seine Bürger weiß, desto wackeliger wird es doch.

  • Was für ein Schmarrn. Genau deswegen darf eine Bank ja nicht so viele Kundendaten sammeln, wie sie beispielsweise Softwareriesen haben - Entsprechend wird also auch kein Softwareriese eine Bank gründen können; so würde man ja das System von hinten mit der Brust durchs Auge unterlaufen.

    2. Google - auch wenn sie's inzwischen nicht mehr wahrhaben wollen - wurde mit und durch meine Generation groß, weil wir damals auf Yahoo Search, Lycos, Altavista, AOL und co verzichteten, weil Googles Suchergebnisse umfassender waren und damit schlicht mehr Auswahl boten, also neutral waren. Wenn Sie DAS nicht mehr sind, dann wird der nächste groß; das geht im Netz ganz schnell.

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