"Ein dämlicher Drecksack"
Moore-Film kommt zum Unabhängigkeitstag

Michael Moor hat für seinen umstrittenen Film „Fahrenheit 9/11“ einen Verleih gefunden. Unterdessen beklagte sich der Science-Fiction-Autor Ray Bradbury über die enge Anlehnung an seinen Bestsellertitel.

HB LOS ANGELES. Michael Moores Anti-Bush-Film „Fahrenheit 9/11“ hat einen Verleiher gefunden und wird bereits am 25. Juni in US-Kinos kommen. Damit geht Moores Wunsch nach einem symbolträchtigen Start am Wochenende vor dem amerikanischen Unabhängigkeitstag (4. Juli) und zum Höhepunkt der Präsidentenwahl hin nun doch noch in Erfüllung. Derweil bezog der Dokumentarfilmer von seinem Landsmann, dem US-Autor Ray Bradbury (83), verbale Prügel. Bradbury warf Moore (50) vor, seinen Romantitel „Fahrenheit 451“ unerlaubt benutzt zu haben.

In einem am Mittwoch veröffentlichten Telefoninterview mit der Stockholmer Zeitung „Dagens Nyheter“ sagte Bradbury zum Titel von Moores in Cannes preisgekrönten Dokumentarfilm „Fahrenheit 9/11“: „Michael Moore ist ein dämlicher Drecksack. So denke ich über ihn. Er hat meinen Titel geklaut und die Zahlen ausgewechselt, ohne mich jemals um Erlaubnis zu fragen.“

In seinem 1953 erschienen und 1966 von François Truffaut verfilmten Science-Fiction-Roman „Fahrenheit 451“ schildert Bradbury einen Überwachungsstaat, in dem Bücher verboten sind. Der Titel bezieht sich auf die Temperatur, bei der Papier brennt. Moore hat die Zahl durch das Datum der New Yorker Terroranschläge am 11. September 2001 ersetzt - im Amerikanischen wird beim Datum der Monat zuerst und der Tag danach genannt, also 9/11.

Die Firma Lions Gate Entertainment gab am Dienstagabend (Ortszeit) in Los Angeles bekannt, dass „Fahrenheit 9/11“ gemeinsam von dem Verleiher Lions Gate Film, IFC Films und dem neu gegründeten Unternehmen Fellowship Adventure Group auf dem amerikanischen Markt vertrieben wird. Die Fellowship Adventure Group wurde jetzt eigens für die Vermarktung von „Fahrenheit 9/11“ von den Chefs der Produktionsfirma Miramax, Harvey und Bob Weinstein, gegründet.

Der mit der Goldenen Palme von Cannes gekrönte Film setzt sich kritisch mit US-Präsident George W. Bush und seiner Regierung auseinander. Disney-Vorstandschef Michael Eisner hatte der zum Konzern gehörenden Tochterfirma Miramax den Vertrieb des politisch kontroversen Films untersagt. Die Weinstein-Brüder erwarben jetzt privat die Rechte an dem Film, angeblich für sechs Millionen Dollar (fünf Millionen Euro), und können nun über die Vermarktung selbst bestimmen.

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