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26.05.2008 
Siemens

Ein Fall für den Privatdetektiv

von Joachim Hofer

Die Zahlen sprechen Bände: Ein halbes Dutzend Staatsanwälte hat die Münchener Justiz darauf angesetzt, den Korruptionsskandal von Siemens aufzuklären. Der Münchener Traditionskonzern selbst setzt ebenfalls ein halbes Dutzend ein – aber nicht Köpfe, sondern unterschiedliche Kanzleien.

MÜNCHEN. Ganze Teams von hochspezialisierten Anwälten und Wirtschaftsprüfern durchleuchten den Konzern seit fast anderthalb Jahren und übernehmen damit eine Arbeit, die landläufig noch immer Polizei und Staatanwaltschaft zugeschrieben wird. Doch das Beispiel Siemens zeigt: Die Ermittlungen wurden längst privatisiert. "Das kostet die Behörden keinen Pfennig", unkt Anwalt Markus Rieder, Partner der Kanzlei Shearman & Sterling.

Es hat allerdings seinen Grund, dass Siemens die Aufklärung des Skandals nicht allein den deutschen Behörden überlässt und stattdessen selbst Millionen dafür ausgibt. Dem Technologiekonzern droht eine Milliardenstrafe der amerikanischen Börsenaufsicht, weil das Unternehmen in New York notiert ist. Damit untersteht Siemens auch amerikanischem Recht. Um Sanktionen wie dem Ausschluss von öffentlichen Aufträgen zu entgehen, tun Firmen wie Siemens gut daran, sich an US-Gepflogenheiten anzupassen. Dazu gehört seit einigen Jahren, private Ermittler ins Haus zu holen. Die wiederum stammen hauptsächlich aus den USA, wo das Thema schon seit Jahren aktuell ist. "Nur wer sich laufend bei den US-Behörden meldet, wird als kooperativ gewertet", sagt Rieder.

"Wir sind ein großer Spieler auf dem US-Markt", betont Andreas Pohlmann, der neue Chief Compliance Officer von Siemens. "Deshalb müssen wir das amerikanische Rechtssystem respektieren."

Mit 50, teilweise sogar bis zu 100 Anwälten zieht alleine die New Yorker Kanzlei Debevoise & Plimpton durch die Siemens-Büros weltweit und hat dabei bisher schon mehr als 1 000 Gespräche mit Angestellten geführt. Mehrere Millionen Dokumente haben die Juristen unter die Lupe genommen, 65 Länder waren direkt betroffen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Das Zeitalter der Anwälte.

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