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02.05.2008 

Genau davon profitieren die Berater. "Mittlerweile wird mit der Zwangslage des Konzerns Geschäft gemacht", sagt ein Justizexperte. Die Kanzleien machten das Damokles-Schwert, das über Siemens schwebe, größer, als es in Wirklichkeit sei. "Das ist schon eine Amerikanisierung der Verhältnisse, wenn solche Unsummen für Anwälte ausgegeben werden."

Deutlich sinken dürften die Ausgaben wohl erst, wenn Siemens eine Einigung mit der SEC über einen Vergleich erzielt hat. Danach wird der Konzern möglicherweise für eine Bewährungszeit weiter unter besonderer Beobachtung stehen, der Aufwand wird aber zurückgefahren werden können.

Allerdings gestalten sich die Verhandlungen mit der SEC schwierig. Die ersten Kontakte gab es über die US-Anwälte von Siemens - schon dafür benötigt der Konzern Experten vor Ort. Im vergangenen Dezember reisten Vorstandschef Peter Löscher und der Aufsichtsratsvorsitzende Gerhard Cromme dann erstmals zu einem Spitzengespräch nach Washington.

Im Januar verkündete Cromme einen Durchbruch. Die SEC und das Justizministerium hätten "ihr Einverständnis erklärt, in Kürze mit uns Gespräche zu führen mit dem Ziel eines umfassenden und fairen Vergleichs". Die Gespräche könnten hoffentlich noch im Februar beginnen, sagte er auf der Hauptversammlung. Die Aktionäre applaudierten erleichtert.

Jetzt ist aber offenbar Sand ins Getriebe geraten. "Ich gehe davon aus, dass sich die Gespräche mit der SEC über viele Monate hinziehen werden", sagte am Mittwoch Rechtsvorstand Peter Solmssen. In Branchenkreisen wird spekuliert, dass der direkte Draht zwischen Siemens und der SEC abgerissen sein könnte. Möglicherweise sei die Behörde auch verärgert, dass Cromme zu forsch an die Öffentlichkeit gegangen sei, hieß es. Bei Siemens will man sich jedenfalls nicht mehr auf Zeitpläne festlegen.

Dass die ganze Affäre solche Ausmaße annimmt, überrascht nicht zuletzt den seit vergangenem Sommer amtierenden Konzernchef Löscher. "Ich hatte dieses Ausmaß und die Breite nicht vor Augen", sagte er am Mittwoch. Einmal pro Woche bekommt der Manager die neuesten Ermittlungsergebnisse vorgelegt.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Der Skandal im Überblick

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