Einbruch auf dem PC-Markt
Enttäuschende Zahlen für Hewlett-Packard

Umsatzrückgang bei HP: Der Trend zu Tablett und Smartphone macht dem früheren PC-Branchenriesen zu schaffen. Nachbörslich gaben die Aktien um acht Prozent nach. Konzernchefin Whitman lässt Köpfe rollen.
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Palo AltoHewlett-Packard (HP) muss im Kampf gegen die PC-Krise schmerzhafte Rückschläge einstecken. Das von Chefin Meg Whitman für die Wiederbelebung des Konzerns als zentral eingestufte Geschäft mit Servern und Software verbuchte einen kräftigen Umsatzrückgang. Ein neuer Manager soll die IT-Service-Sparte nun auf Kurs bringen. Auch sonst lief es im vergangenen Quartal nicht rund. Die Gesamterlöse sanken überraschend kräftig um acht Prozent auf 27,2 Milliarden Dollar. Whitman verabschiedete sich daher von dem Ziel, den Umsatz im kommenden Geschäftsjahr zu steigern. Anleger zeigten sich schwer enttäuscht von der Entwicklung: Die Aktie brach nachbörslich acht Prozent ein.

Die schwache Nachfrage nach herkömmlichen Computern im Zuge des Trends zu Tablets und Smartphones macht HP ebenso zu schaffen wie seinem Erzrivalen Dell, der erst vergangene Woche erneut einen Gewinneinbruch vermelden musste. Branchenexperten zufolge schrumpft der PC-Markt in diesem Jahr um sieben Prozent und 2014 um weitere 4,5 Prozent.

Nutznießer der Probleme der beiden US-Konzerne ist der chinesische PC-Riese Lenovo : Der neue Weltmarktführer, der vor Jahren das PC-Geschäft von IBM übernommen hatte, reagierte schneller auf den Wandel der Branche und fuhr zuletzt auch dank seiner riesigen Kundenbasis daheim das zweitbeste Ergebnis seiner Geschichte ein. Dell soll dagegen nach den Plänen des Firmengründers von der Börse genommen und in Ruhe saniert werden.

Whitman will den einstigen PC-Primus stärker auf Angebote abseits des klassischen Rechnergeschäfts ausrichten. Nach dem Vorbild von IBM - mittlerweile der weltgrößte IT-Dienstleister - soll sich auch HP stärker auf das einträglichere Service-Geschäft für Unternehmen konzentrieren. Der radikale Ansatz von Whitmans Vorgänger Leo Apotheker, das PC-Geschäft ganz aufzugeben, war allerdings bei Investoren auf Ablehnung gestoßen. Der deutsche Manager war nach weniger als einem Jahr an der Firmenspitze rausgeflogen.

"Es ist unwahrscheinlich, dass wir 2014 das Wachstum sehen werden, dass ich erhofft habe", sagte Whitman, die den Konzern seit rund zwei Jahren führt. Branchenexperten zeigten sich vor allem erschrocken darüber, dass die Erlöse in der IT-Service-Sparte Enterprise Group im dritten Geschäftsquartal um neun Prozent schrumpften. Die frühere Ebay -Chefin bezeichnete das Ergebnis der zweitgrößten Konzernsparte als "sehr enttäuschend". Deshalb soll ab sofort der bislang für das Tagesgeschäft verantwortliche Bill Veghte die Enterprise Group führen.

Er ersetzt Dave Donatelli, der nun nach Übernahmezielen Ausschau halten soll und bislang an der Wall Street als Senkrechtstarter mit großem Potenzial galt. Whitman erklärte, dass HP sich wieder auf die Suche nach strategischen Zukäufen mache, um den Konzernumbau voranzutreiben.

Unter dem Strich verdiente HP im Quartal 1,4 Milliarden Dollar. Vor einem Jahr verbuchte der Konzern wegen einer gigantischen Abschreibung auf eine Übernahme noch einen Verlust von fast neun Milliarden Dollar.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Es zeigt sich immer mehr, dass Meg Withmann nach Hurd und Apotheker
    der nächste Fehlgriff war. Sie hat kein Konzept und keine Vision. Es
    ist eben doch ein Unterschied eine Internetfirma wie eBay zu führen
    oder eben eine IT Firma mit Hardwareproduktion und Dienstleistung.

    Den Gewinn den HP in diesem Quartal erwirtschaftet hat ist der
    Kurzzeiteffekt von den Massenentlassungen (30000) vor allem im
    Dienstleistungsektor. Das wird sich aber noch sehr rächen. Vor allem
    in Deutschland, wo ein viertel von Enterprise Servises rausgeworfen
    wird und sich schon jetzt massive Probleme in der Leistungserbringung
    zeigen, vor allem nachdem der großngekündige Move nach Bulgarien als
    Flop erwiesen hat.

    Das einzige Mittel das Meg sieht, ist mit jeder Quartalsmeldung
    wieder Manager rauszuschmeissen. Ruhe kann bei HP so nicht einkehren.

    So langsam sollte man sich bei HP mal Gedanken machen, ob man nicht
    doch mal etwas sinnvolles unternehmen will um en Niedergang
    aufzuhalten. Aber dafür sind wohl die falschen Leute an Bord.

  • @realist
    Das kann ich nachvollziehen. Erging uns ähnlich.
    Seit 2 Jahren "schrauben" wir unsere Big Tower PCs der Mitarbeiter wieder selber zusammen (O.K. sind nur 6 Leute).
    Die großen Hersteller wie Dell und HP haben wir durch.
    Jetzt kann man auch mal ein Mainboard und/oder eine CPU tauschen ohne sofort alles neu kaufen zu müssen.
    Bei Netbooks/Notebooks geht das natürlich nicht, aber die Teile verbuchen wir inzwisch als "Verbrauchsmaterial" gibt jedes Jahr neue. Unser Finanzamt spielt da erfreulicherweise mit.

  • Diese Misere bei HP hat dieser unfähige Apotheker zu verantworten!

    HP sollte sich auf seine Kernkompetenzen zurückbesinnen.

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