Einigung auch bei Napster
Vivendi kauft Bertelsmann den Musikverlag BMG ab

Der Gütersloher Medienkonzern Bertelsmann verkauft seinen Musikverlag BMG Music Publishing an den französischen Medienkonzern Vivendi beziehungsweise an dessen Tochter Universal Music. Damit legen die beiden Konzerne auch ihren Streit um die Musiktauschbörse Napster bei. Das kostet Bertelsmann aber eine Kleinigkeit.

HB LOS ANGELES. Das Geschäft gab Bertelsmann am Mittwoch bekannt und bestätigte damit entsprechende Medienberichte vom Vortag. Der Kaufpreis beträgt 1,63 Mrd. Euro, was im Rahmen der Erwartungen liegt. Die Transaktion sei bereits von den Aufsichtsgremien beider Unternehmen genehmigt worden. Das Gütersloher Unternehmen erwartet den Eingang des Kaufpreises noch in diesem Jahr. Bertelsmann erwartet, dass sich der Konzerngewinn durch die Veräußerung um rund 1 Mrd. Euro erhöht.

BMG Music Publishing gilt als ausgesprochen rentabel. Das Unternehmen erwirtschaftete im Jahr 2005 einen Umsatz von 371 Mill. Euro und einen Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) von 81 Mill. Euro. Der Musikverlag hält die Rechte an mehr als 1 Mill. Million Liedern von Künstlern wie Rapper Nelly, Maroon 5 oder Mariah Carey. Auch mit Christina Aguilera, Robbie Williams und Coldplay hat das Unternehmen Verträge. Bertelsmann hatte im Vorfeld erklärt, eine ganze Reihe von Investoren mit unterschiedlichen strategischen und finanziellen Ansätzen würden sich für den Verlag interessieren.



Vivendi wiederum betreibt über seine Musiktochter Universal Music bereits den Musikverlag Universal Music Publishing und wird mit dem Zukauf zum größten Musikverleger der Welt – noch vor dem bisherigen Marktführer Emi. Nach eigenen Angaben verkauft die Universal Music Group fast jede vierte CD weltweit und ist damit die größte Plattenfirma. Das Musikverlagsgeschäft war bislang aber deutlich schwächer als das der Konkurrenz.

Bertelsmann will mit den Einnahmen einen Teil des Rückkaufs eigener Aktien vom belgischen Investor Groupe Bruxelles Lambert (GBL) finanzieren. Die Eigentümerfamilie Mohn sowie der Bertelsmann-Vorstand hatten sich für den 4,5 Mrd. teuren Rückkauf von 25 Prozent des Kapitals entschieden, um einen Börsengang von Bertelsmann zu verhindern.

Der Verkauf von BMG Music Publishing hat auf die weitere Geschäftsentwicklung von Bertelsmann nur begrenzten Einfluss. BMG Music Publishing stehe für lediglich 2 Prozent des Konzernumsatzes, erklärte der Medienkonzern. Bertelsmann bleibt nach dem Verkauf des Musikverlags über die Beteiligung am weltweit zweitgrößten Musikunternehmen Sony BMG in der Musikindustrie aktiv.

Napster kostet Bertelsmann Millionen



Vivendi und Bertelsmann haben im Zuge des BMG-Verkaufs auch auf einen Vergleich im Fall Napster geschlossen. Im Rahmen des Vergleich zahlt Bertelsmann nun 60 Mill. Dollar. Die Zahlung der Millionensumme bedeute aber keine Anerkennung jeglicher Schuld, betonte Bertelsmann. Die Summe decke die geltend gemachten Ansprüche von Universal als auch mögliche Ansprüche des bisher eigenen und an Universal verkauften Musikverlags BMG Music Publishing sowie Anwaltskosten ab.

Universal gehörte zu den Unternehmen, die in den USA eine Klage über 17 Mrd. Dollar gegen Bertelsmann angestrengt hatten, weil die Gütersloher 2000 und 2001 die damals sehr beliebte Musiktauschbörse Napster mit einem Kredit über 80 Mill. Dollar unterstützt hatten. Der Vorwurf: Bertelsmann habe die Piraterie in der Musikbranche gefördert. Illegale Downloads gelten als wesentlicher Grund für eine jahrelange Flaute in der Musikindustrie. Bertelsmann hatte stets argumentiert, man habe mit der Unterstützung der Tauschbörse den Weg in die Legalität ebnen wollen.

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