Einigung über die Beamten mit dem Bund nötig
Telekom zahlt hohen Preis für Personalabbau

Die Deutsche Telekom lässt sich den geplanten Abbau von 32 000 Stellen einiges kosten: Im Schnitt zahlt der Ex-Monopolist jedem entlassenen Mitarbeiter mehr als das Doppelte seines Jahresgehaltes. Ohne die Versüßung würde wohl kaum einer der zahlreichen Beamten im Konzern gehen.

DÜSSELDORF. „Das ist das teuerste Personalabbauprogramm, das ich je gesehen habe“, urteilt Frank Rothauge von der Privatbank Sal. Oppenheim. Zum Vergleich: Der britische Konkurrent BT hat seinen entlassenen Mitarbeitern im Schnitt ein Jahresgehalt als Abfindung gezahlt.

Die gesamten Kosten von 3,3 Mrd. Euro für den Personalabbau setzen sich unter anderem aus Abfindungen, Vorruhestandsregelungen oder Kosten für Altersteilzeit-Angebote zusammen.

Mit dem Abbau reagiert die Telekom auf anhaltende Umsatzrückgänge im Telefoniegeschäft und den technischen Fortschritt. „Besonders im Festnetz hat es in den vergangenen Jahren extreme Effizienzsteigerungen gegeben“, sagt Analyst Thomas Friedrich von der Hypo-Vereinsbank. So sei die technische Infrastruktur heute wesentlich weniger wartungsbedürftig als früher. Das Gros der Stellenstreichungen bei der Telekom entfällt auf die Festnetzsparte T-Com.

Verwirklicht werden kann das geplante Abbauprogramm nur, wenn die Deutsche Telekom sich mit der Politik einigt: Unter den insgesamt 32 000 Mitarbeitern, die den Konzern verlassen sollen, befinden sich zahlreiche Beamte. „Es laufen derzeit Gespräche mit dem Bund“, sagt ein Sprecher der Deutschen Telekom.

Die Telekom ist einer der wenigen Ex-Monopolisten in Europa, deren Mitarbeiter auch nach der Privatisierung ihren Beamtenstatus behalten haben. Ähnlich lief es nur bei der France Télécom. In Frankreich hat der Staat in den letzten Jahren aber begonnen, Beamte von France Télécom zu übernehmen. Aus Branchenkreisen verlautet, dass auch die Deutsche Telekom eine solche Lösung begrüßen würde.

Abgesehen von den Gesprächen mit dem Bund erwarten die Telekom zähe Verhandlungen mit dem Sozialpartner: „Wir stehen den vorgelegten Plänen ablehnend gegenüber und werden in den weiteren Gesprächen jede einzelne Maßnahme hinterfragen“, kündigte gestern Franz Treml an, der für die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi im Aufsichtsrat der Telekom sitzt.

Unter den Mitarbeitern, die den Konzern verlassen sollen, befinden sich auch 7000, die in der eigenen Personalvermittlung Vivento beschäftigt sind. Vivento hatte ein Callcenter und ein technisches Service-Center gegründet, die nun verkauft werden sollen. Branchenkenner erwarten, dass die Bonner für die beiden Einheiten kein Geld erhalten, sondern ähnlich wie Siemens für seine Handy-Sparte einem Käufer noch etwas zahlen müssen. „Das wäre trotzdem besser, als die Leute gar nicht aus dem Konzern weg vermitteln zu können“, urteilt Analyst Friedrich.

Schwierige Kürzungen

Nötiger Abbau: Vor allem die Festnetzsparte T-Com ist mit 80 000 Mitarbeitern in Deutschland eindeutig überbesetzt.

Ungünstiges Alter: Das Gros der T-Com-Mitarbeiter ist zwischen 35 und 55 Jahren alt. Wenn nicht bald junge Mitarbeiter hinzu kommen, droht der Deutschen Telekom die Vergreisung.

Besonderer Status: Personalkürzungen sind bei der Telekom deshalb so schwierig, weil bei T-Com 50 Prozent der Mitarbeiter Beamte und weitere 30 Prozent unkündbar sind.

Sandra Louven
Sandra Louven
Handelsblatt / Korrespondentin in Madrid
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