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Einkauf 2.0: Virtuelle Regale für Tante Emmas Enkel

Schaufensterbummel 2.0: Der Einzelhändler Emmas Enkel hat mit dem Mobilfunker Vodafone ein virtuelles Regal entwickelt. Die angebotenen Produkte bestellen Kunden mit dem Smartphone – der Einkauf der Zukunft?

Erst scannen, dann abholen: An der virtuellen Einkaufswand können Vodafone-Mitarbeiter Lebensmittel einkaufen. Quelle: Christof Kerkmann
Erst scannen, dann abholen: An der virtuellen Einkaufswand können Vodafone-Mitarbeiter Lebensmittel einkaufen. Quelle: Christof Kerkmann

DüsseldorfDer Name erinnert an die alten Zeiten, die mancher als die guten erinnert – die Technologie aber an das 21. Jahrhundert: Emmas Enkel heißt ein Lebensmittelgeschäft in der Düsseldorfer Innenstadt, bei dem Kunden die Waren nicht nur aus dem Regel nehmen, sondern auch per Smartphone bestellen können.

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Dieses Konzept erweitern die Gründer jetzt: Gemeinsam mit Vodafone haben sie in der Deutschland-Zentrale des Mobilfunkers das erste virtuelle Regal aufgestellt, die „Shopping Wall“. Bei den technikaffinen Vodafone-Mitarbeitern probieren sie aus, wie die Verknüpfung von Offline- und Online-Shopping ankommt. Während die Jungunternehmer die Kunden als Nahversorger moderner Prägung an sich binden wollen, demonstriert Vodafone eine Technologie, die in Zukunft auf lukrative Geschäft hoffen lässt.

Die Einkaufwand besteht aus neun großen Bildschirmen, auf denen Produkte zu sehen sind, ähnlich wie in einem Schaufenster. Die Kunden können diese bestellen und später an einem Auslieferungspunkt abholen oder nach Hause transportieren lassen. Was im Regal liegt, legen die Händler kurzfristig fest, etwa nach Tageszeit oder Wetter. „Wenn es draußen warm ist und die Leute ausgehen wollen, bieten wir ein Sixpack Bier an“, nennt Mitgründer Benjamin Brüser eine Möglichkeit.

Verkaufstrend Multi-Channel

  • Hier informieren, dort kaufen

    Immer mehr Menschen kombinieren unterschiedliche Informations- und Kaufkanäle. Einer Studie des Kölner Instituts für Handelsforschung zufolge informieren sich 65 Prozent der Deutschen bei manchen Einkäufen in Ladengeschäften, kaufen anschließend aber online. Genauso verbreitet ist der umgekehrte Weg. Insgesamt neigen 90 Prozent der Verbraucher zum so genannten Multi-Channelling.

  • Nachholbedarf

    Die Handelsketten in Deutschland haben Nachholbedarf im Onlinegeschäft, wie eine im November veröffentlichte Untersuchung des Handelsforschungsinstituts EHI zeigt. Demnach haben 98 Prozent der 1.000 größten Vertriebslinien zwar einen eigenen Internetauftritt. Allerdings ist weniger als die Hälfte im E-Commerce aktiv.

  • Kaum Online-Handel mit Lebensmittel

    Während rund 53 Prozent der vom EHI Retail Institute untersuchten Non-Food-Händler einen Online-Shop betreiben, ist das nur bei 16 Prozent der Lebensmitteleinzelhändler der Fall.

  • Wachstumstreiber

    Für stationäre Einzelhändler, die schon einen Onlineshop haben, zahlt sich die Investition in der Regel aus. Eine Umfrage des Handelsverbands Deutschland (HDE) hat ergeben, dass im Weihnachtsgeschäft 13 Prozent dieser Händler bereits einen Umsatzanteil von mehr als zehn Prozent online erwirtschafteten. Die Hälfte der Befragten realisierte immerhin zwischen einem und zehn Prozent des Umsatzes im Internet.

  • Logistische Herausforderung

    Zusätzliche Vertriebskanäle bedeuten neue Logistikabläufe. Wie eine Untersuchung des EHI Retail Institute zeigt, gehen Hersteller und Händler diese Herausforderung unterschiedlich an: Hersteller neigen dazu, den Online-Handel in bestehende Lagerstandorte zu integrieren. Dagegen bevorzugen Handelsunternehmen mehrheitlich das Outsourcing der E-Commerce-Logistik.

Die Technik, die im Hintergrund läuft, hat Vodafone entwickelt. Das funktioniert so: Die Nutzer scannen mit der Kamera ihres Smartphones den QR-Code, der neben Bier oder Shampoo abgebildet ist. Die App erkennt das Produkt und legt es in den virtuellen Einkaufskorb – die Tüten füllen dann allerdings echte Menschen im Geschäft. An der Kasse kommt wieder das Handy zum Einsatz: Bezahlt werden kann mit der Nahfunk-Technologie NFC, falls das Gerät sie unterstützt. Keine 30 Sekunden soll das dauern.

Das Projekt sei für den Konzern wichtig, weil eine „Infrastruktur für die moderne Informationsgesellschaft“ dabei zum Einsatz komme, sagte Vodafone-Sprecher Markus Teubner. Das Unternehmen will sich abseits von Telefonie und Internetanschlüssen neue Geschäftsfelder erschließen – Dienste wie die Abwicklung der Bestellungen, im Fachjargon Machine-to-Machine-Kommunikation genannt, gehört dazu. Das virtuelle Regal könnte auch für andere Produkte und Branchen genutzt werden, beispielsweise auch auf Plakaten.

Emmas Enkel wagen sich allerdings in einen schwierigen Markt. Die Lebensmittelbestellung im Internet hat sich in Deutschland noch nicht durchgesetzt, Verbraucherschützer kritisieren an bestehenden Angeboten die hohen Preise und die teils unzureichende Kühlung der verderblichen Waren. Selbst der Versandriese Amazon kam dabei schlecht weg. Das ficht die Gründer aus Düsseldorf nicht an: „Dass kaum Lebensmittel online verkauft werden, liegt am mangelnden Angebot“, sagt Mitgründer Brüser. Emmas Enkel wollen zeigen, dass es geht.

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