Einsparungen in Millionenhöhe
Süddeutscher Verlag geht auf Sparkurs

Der Süddeutsche Verlag (SV) plant angesichts der schwierigen Werbekonjunktur Einsparungen in Millionenhöhe. Die Kostensenkungen sehen auch einen Stellenabbau beim Flaggschiff „Süddeutsche Zeitung“ (SZ) vor. Das berichteten Unternehmensinsider in München. Indes gehen auch andere Verlagshäuser auf Sparkurs.

hps DÜSSELDORF. Der Branchendienst „Kress“ sprach von jährlichen Einsparungen in Höhe von 15 Mio. Euro. Dafür gab es allerdings keine Bestätigung. Sowohl SW-Geschäftsführer Karl Ulrich als auch SZ-Chefredakteur Hans Werner Kilz waren für Stellungnahmen nicht erreichbar.

Noch kürzlich hatte Richard Rebmann, SV-Mitgeschäftsführer und Geschäftsführer der Südwestdeutschen Medien Holding (SWMH) gesagt: „In diesem Jahr geht es der SZ gut, aber im Zuge der Finanzkrise spüren wir derzeit Rückgänge bei Stellenanzeigen und den Werbeausgaben nationaler Markenartikler.“ Die SWMH hatte im Dezember 2007 die Mehrheit am Süddeutschen Verlag übernommen. Erst vor wenigen Tagen stoppte SV-Geschäftsführer Ulrich die geplante Sonntagszeitung der SZ. Dem Ex-Unternehmensberater seien die Anlaufkosten zu hoch gewesen, heißt es in Unternehmenskreisen. Die SZ ist die größte Qualitätszeitung in Deutschland. Die Auflage stieg im vergangenen Quartal auf 440 000. Vor zwei Jahren waren es noch 433 000 Exemplare.

Auch andere Verlagshäuser gehen auf Sparkurs. Die Essener WAZ-Gruppe will jährlich rund 30 Mio. Euro einsparen und angeblich 300 Stellen in Nordrhein-Westfalen streichen. Die Sparpläne hatten sogar den Protest des SPD-Vorsitzenden Franz Müntefering hervorgerufen. Die WAZ-Geschäftsführer, Bodo Hombach und Christian Nienhaus, erwiderten die Kritik Münteferings. „Unser Verständnis von sozialer Verantwortung verlangt von uns, vor einer ökonomischen Katastrophe die notwendigen Reformen einzuleiten, um die Existenz des Unternehmens langfristig zu sichern“, schrieben die beiden Konzernlenker an Müntefering.

Der „Bild“-Konzern Axel Springer zeigt sich hingegen von der schwachen Konjunktur unbeeindruckt. Vorstandschef Mathias Döpfner sagte zuletzt in Anspielung auf den Hamburger Konkurrenten Gruner + Jahr („Stern“, „Geo“): „Titeleinstellungen haben wir nicht geplant und nicht nötig. Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht.“

Gruner + Jahr, Zeitschriftentochter des Medienkonzerns Bertelsmann, prüft derzeit die Einstellung von unrentablen Zeitschriften im In- und Ausland. Auch ein umfassender Stellenabbau ist geplant.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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