Einstieg bei Telecom Italia
Murdoch winkt in Italien ab

Der Streit um Telecom Italia zieht weitere Kreise. Der Chairman des Medienkonzerns News Corp., Rupert Murdoch, hat bei seinen Verhandlungen mit den Italienern die Notbremse gezogen. Von einem Einstieg will Murdoch vorerst nichts mehr wissen. Die Entscheidung zeigt: Die politischen Verstrickunge von Telecom Italia verunsichert internationale Investoren.

MAILAND. „Wir haben verhandelt“, bestätigte Murdoch auf einer Veranstaltung von Goldman Sachs in New York Gespräche über einen Einstieg bei Telecom Italia. „Aber wir haben beschlossen, dass es viel besser ist, alleine zu bleiben.“ Zudem erwäge er den Verkauf seiner italienischen Tochter Sky Italia.

Die Entscheidung von News Corp. zeigt, dass die politischen Verwicklungen im Fall Telecom Italia mittlerweile ausländische Investoren abschrecken. Nach Informationen der Wirtschaftszeitung „Il Sole 24 Ore“ soll auch der ägyptische Unternehmer Naguib Sawiris, der den italienischen Mobilfunkanbieter Wind übernommen hat, aus politischen Gründen seine Pläne ändern. Statt wie ursprünglich geplant die Holding Weather an der Börse zu platzieren, erwäge er nun, nur die italienische Tochter Wind an die Börse zu bringen. Nach der Diskussion um Telecom Italia fürchte er politischen Widerstand gegen die ägyptisch dominierte Weather-Holding. Weather kontrolliert 100 Prozent von Wind und 51 Prozent des Telecom-Unternehmens Orascom.

Innerhalb kurzer Zeit ist die Zukunft von Telecom Italia auch zu einem politisch brisanten Thema geworden. Begonnen hat alles mit der Neu-Ausrichtung des Unternehmens, die der mittlerweile zurückgetretene Chairman Marco Tronchetti Provera vor zehn Tagen vorgestellt hat. Statt wie bisher auf die Konvergenz aus Mobilfunk und Festnetz zu setzen, soll sich das Unternehmen auf Internet und Medien konzentrieren und voraussichtlich die Mobilfunktochter TIM verkaufen. Politiker warnen daher vor dem Verkauf des letzten italienischen Mobilfunkanbieters.

Wirklich politisch wurde das Thema aber erst, als vergangene Woche bekannt wurde, dass ein Berater von Regierungschef Romano Prodi eine Verstaatlichung des Festnetzes vorgeschlagen hat. „Die Rückkehr der Versuche, den öffentlichen Sektor auszuweiten, ist besorgniserregend“, kommentierte der ehemalige EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti in einem Interview mit der Zeitung „La Repubblica“.

In diesem Umfeld zieht sich nun der australisch-amerikanische Medienriese Murdoch zurück. Das Abkommen, Telecom Italia für das Fernsehen via Internet Filme von 20th Century Fox zu liefern, bleibt bestehen. Aber die Option, seine Satelliten-Fernseh-Tochter Sky Italia im Gegenzug für eine Beteiligung an Olimpia, der Kontroll-Holding von Telecom Italia, einzubringen, steht nicht mehr zur Debatte. Der Medienunternehmer stellte in New York klar, dass er weiterhin erwäge, Sky Italia abzuspalten und nannte dafür „politische Gründe“, denn „uns ginge es besser, wenn wir italienische Aktionäre hätten“, sagte er.

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