Einstieg in Polen geplant
Springer baut Fernsehgeschäft aus

Axel Springer steht offenbar vor dem Einstieg in den polnischen Fernsehmarkt. Springer steuert eine Beteiligung von 25 Prozent am größten polnischen Privatsender Polsat an. In Deutschland hingegen ist der Kurs bei Pro Sieben Sat 1 noch unklar. Der Konzern will durch eine Stärkung seines Fernsehgeschäfts unabhängiger vom Zeitungs- und Zeitschriftenmarkt werden.

DÜSSELDORF. „Die Gespräche sind sehr weit fortgeschritten. Ein Abschluss in diesem Jahr ist wahrscheinlich“, heißt es in Verhandlungskreisen. Der Preis für den gewinnträchtigsten Sender in Polen soll bei rund 250 Mill. Euro liegen.

„Wir wollen uns an führenden TV-Sendergruppen in solchen europäischen Märkten beteiligen, in den Axel Springer entweder im Printbereich bereits präsent ist oder in denen wir starkes Wachstum erwarten“, sagte der Vorstandsvorsitzende Mathias Döpfner kürzlich. Springer wollte den geplanten Zukauf in Polen am gestrigen Sonntag nicht kommentieren.

In Polen ist Springer bereits der größte ausländische Zeitungs- und Zeitschriftenverleger. Vor drei Jahren startete der „Bild“-Konzern das erfolgreiche Boulevardblatt „Fakt“. Im Frühjahr gründete Springer die Qualitätszeitung „Dziennik“ (deutsch: „Tageszeitung“). Außerdem publiziert Springer die polnischen Ausgaben des Wirtschaftsmagazins „Forbes“ und des Nachrichtenmagazins „Newsweek“.

Bei Polsat hofft Springer darauf, durch ein Zusammenspiel von Print und TV zusätzliche Kräfte freizusetzen. Polsat-Gründer Zygmunt Solorz-Zak wiederum brauche außer Geld, insbesondere Ideen und Programme, berichtet die angesehene Zeitung „Gazety Wyborcza“.

Bereits in der vergangenen Woche gelang Springer bei seiner neuen Konzernstrategie ein Coup. Döpfner stieg für 375 Mill. Euro im türkischen Fernsehmarkt ein. Er erwarb überraschend 25 Prozent beim türkischen Rundfunkunternehmen Dogan TV. Die Gespräche hätten nur wenige Wochen gedauert, berichten Unternehmensinsider. Dogan TV ist mit drei landesweiten Kanälen die führende Sendergruppe in der Türkei.

In Deutschland ist der weitere Kurs bei Pro Sieben Sat 1 (Sat 1, Pro Sieben, Kabel 1, N 24, Neun Live) unentschieden. „Wir halten uns alle Optionen offen“, heißt es bei Springer. Derzeit hält der Konzern zwölf Prozent der Anteile. Eine Übernahme der größten deutschen Sendergruppe war im Februar am Kartellamt gescheitert.

Ob Springer noch aufstocken kann, ist unklar. Das Wettbewerbsrecht lasse unterschiedliche Versionen zu, hieß es in Konzernkreisen. In der Führungsriege wird offenbar auch erwogen, komplett auszusteigen. Die Aktie der Pro Sieben Sat 1 bewegt sich derzeit mit 22,73 Euro auf dem höchsten Stand seit Jahren.

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