Einstieg in Unterhaltungselektronik: In Ciscos Netzwerken ist Musik drin

Einstieg in Unterhaltungselektronik
In Ciscos Netzwerken ist Musik drin

Netzwerkausrüster Cisco sieht in der boomenden Heimvernetzung seine Chance und steigt 2006 massiv in die Unterhaltungselektronik ein. Demnächst erscheinen DVD-Rekorder und Media-Server, die Haushalte mit Filmen, Fotos und Musik versorgen sollen. Doch der Markt der Konsumelektronik hat seine Tücken, wie Cisco schon früher erfahren musste.

LAS VEGAS. Die Hoffnungen ruhen jetzt auf Kiss, einem dänischen Hersteller von netzwerkfähigen DVD-Playern, der Mitte 2005 übernommen wurde. Das erste gemeinsam entwickelte Produkt der beiden Firmen, der DP-600, ein DVD-Spieler mit drahtlosem Internetanschluss, soll im Februar auf den Marktkommen.

„Der Markt für ’Networked Entertainment’ wird explodieren“, erwartet Michael Wagner, Marketingchef der Cisco-Tochter Linksys am Rande der Branchenmesse CES in Las Vegas. Bei Linksys sind alle Privatkunden-Aktivitäten rund um Vernetzung, Konsumelektronik und Internet-Telefonie gebündelt. Unter „Networked Entertainment“ versteht man die Verteilung digitaler Medien per Netzwerk innerhalb eines Haushalts und auf tragbare Endgeräte. Die US-Marktforscher von In-Stat sehen diesen Markt von heute 3,9 Mrd. Dollar auf 19 Mrd. Dollar in 2009 wachsen.

Linksys wird laut Wagner 2006 die Umsatzmarke von 1 Mrd. Dollar überspringen und hat bei drahtlosen Internetzugangspunkten für den Heimbereich (wie etwa Wireless Router) einen Marktanteil von rund 50 Prozent. Der Markt ist allerdings hart umkämpft und steht unter großem Preisdruck. Schärfste Konkurrenten sind Firmen wie Netgear oder Belkin sowie zahlreiche Billiganbieter aus Asien.

Die dänische Kiss wurde 1994 gegründet und gilt als Pionier bei netzwerkfähigen DVD-Abspielern. Das junge Unternehmen geriet allerdings in Schlagseite, als sich wichtige Produkteinführungen verzögerten und letztlich unter Zeitdruck unausgereifte Geräte auf den Markt kamen, wie Kiss-Verkaufsdirektor Tomas Sorensen heute einräumt. Das verärgerte die Wohnzimmer-Kunden. Sie sind – ganz anders als PC-Käufer – nicht gewillt, ständig aufwändig Software zu aktualisieren oder sogenannte „Patches“, kleine Reperaturprogramme, nachzuladen.

Ahnlich erging es Linksys bei seiem ersten Versuch mit so genannten Media-Extendern. Das sind Geräte, die drahtlos Musik oder Videos übertragen. Alles war noch zu kompliziert und fehleranfällig. „Die Kunden haben schlechte Erfahrungen gemacht“, sagt Wagner. Jetzt wollen Kiss und Linksys ihre jeweiligen Stärken bei Netzwerken bzw. Konsumelektronik bündeln und so diese Probleme abstellen.

Nur einem Monat nach dem DP-600 soll zur Cebit in Hannover bereits ein Nachfolgemodell mit Festplattenrekorder und komplettem Media-Server auf den Markt kommen. Das Gerät wird dann nicht nur TV-Programme aufzeichnen, Fotos und Musik speichern, sondern auch Internet-Services wie Web-Radio und digitale TV-Programmzeitung bieten.

Cisco ist nicht der einzige IT-Anbieter, der eine zweite Chance in der Konsumelektronik sucht. Auch Hewlett Packard will einen zweiten Anlauf wagen, nachdem eine Kooperation mit Apple 2005 kläglich gescheitert war. Mittlerweile hat HP angekündigt, auch die Apple Software „iTunes“ von seinen Computern zu verbannen, nachdem zuvor bereits der Verkauf von iPod-Nachbauten wegen Erfolglosigkeit eingestellt wurde. Auf der CES wurden jetzt eine Reihe neuer Geräte bis hin zu Flachfernsehern angekündigt. Andere IT-Firmen wie Gateway haben dagegen ihren Ausflug in die Konsumelektronik eingestellt.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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