Eintrübung des Werbemarktes
Privatsender schlagen Sparkurs ein

Auf der Film- und Fernsehmesse in Cannes geht die Angst um. Mit Schrecken blicken die TV-Konzerne auf die immer neuen Schreckensmeldungen aus der Finanzbranche. Die Branche erwartet eine weitere Eintrübung des Werbemarktes - und drückt auf die Kostenbremse.

CANNES. Die Kulisse für Europas größte Film- und Fernsehmesse Mipcom in dem südfranzösischen Ferienort der Hautevolee ist perfekt. Die spätsommerliche Sonne strahlt auf das Festivalgebäude von Cannes mit haushohen Reklametafeln, die für Telenovelas wie "Amanda O." werben. Nur den 13 000 Messebesuchern fehlt in dieser Saison die mediterrane Heiterkeit. Denn unter den Senderchefs, Rechtehändlern und Programmmanagern geht die Angst um. Die Fernsehbranche fürchtet die Folgen der weltweiten Finanzkrise.

Die Sender schlagen einen eisernen Sparkurs ein. "Wenn der Markt noch schlechter wird, werden wir sehr kurzfristig reagieren", sagt etwa Claude Schmit, langjähriger Chef des Privatsenders Super RTL. Vor allem der Druck auf die Produzenten von Spielfilmen, Serien und Dokumentationen wird sich durch den Sparkurs noch verstärken. Die Rechtehändler auf der Mipcom befürchten ähnlich harte Zeiten wie nach dem Geschäftseinbruch durch die Terroranschläge vom 11. September 2001. Damals wurden viele Projekte eingefroren und teure Filme nicht gekauft. "Sender werden in dieser Situation zweimal überlegen, ob sie sich kostspielige Produktionen noch leisten können", sagt Oliver Kreuder, Fernsehchef des Medienkonzerns Bavaria Film.

Auch die Sendergruppe Pro Sieben Sat 1 erwartet einen schwierigen Markt. "Die Sender werden beim Programmeinkauf nun noch stärker auswählen", prognostiziert Jens Richter, Rechtehandelschef bei Pro Sieben Sat 1. Der Manager hofft durch den Verkauf von preiswerten Fernsehlizenzen vom neuen Sparkurs der Sender profitieren zu können.

Die TV-Konzerne beobachten mit Schrecken die immer neuen Horrormeldungen aus der Finanzbranche. Sie erwarten eine weitere Eintrübung der Werbemärkte. Vor allem lukrative Kunden wie die Autohersteller und die Konsumgüterindustrie überprüfen derzeit ihre Werbeetats. 2007 erzielten die deutschen Privatsender noch einen Netto-Umsatz von 6,7 Mrd. Euro - ohne Einkaufssender wie QVC oder HSE 24.

"Die Visibilität ist nicht größer geworden", heißt es beim Krisen geschüttelten Fernsehkonzern Pro Sieben Sat 1 beschönigend. Soll heißen: Die Finanzkrise lässt derzeit keine verlässlichen Prognosen zu. Am 9. November werden der europäische Branchenprimus RTL Group und die Nummer zwei Pro Sieben Sat 1 ihre Quartalszahlen vorlegen und zu Marktentwicklungen Stellung nehmen.

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