Electronic Arts
„Auch Manager spielen gerne mal“

Sie stehen hoch im Kurs: Einfach gestrickte Spiele, die man ohne lange Einarbeitungszeit spielen kann. Kathy Vrabeck, President Casual Entertainment beim Spieleentwickler Electronic Arts (EA), hat sich die Entwicklung eben dieser Spiele zur Aufgabe gemacht. Die Zukunftschancen der Mobile- und Online-Aktivitäten.

Handelsblatt: Frau Vrabeck, vor fast genau einen Jahr wurde das Label Casual Entertainment bei Electronic Arts (EA) geschaffen, dem Sie vorstehen. Was steckt dahinter?

Kathy Vrabeck: Casual Games umfasst nicht nur Spiele für Kinder, sondern auch alle Mobile- und Online-Aktivitäten bei uns. Es sind einfache Spiele, die man schnell spielen kann, ohne sich lange einzuarbeiten. Im vergangenen Jahr haben wir die Führungsmannschaft zusammengestellt, unsere Strategie und die Businesspläne ausgearbeitet.

Was sind Ihre Ziele?

Unsere Sparte wird im Kalenderjahr 2010, also unserem Finanzjahr 2011, eine Milliarde Dollar Umsatz machen. Dafür werden wir den Umsatz bei Handyspielen verdoppeln, und mit unserer Onlineplattform Pogo weltweit expandieren. Wir müssen unsere Positionen bei Spielen für Kinder und in Asien verbessern, der Heimat von Casual und Mobile Gaming.

Ein straffer Fahrplan. Nehmen wir zunächst mal Asien: für EA traditionell ein riesiges Problem. Warum soll das jetzt besser werden?

Wir haben eine andere Strategie als zuvor und konzentrieren uns auf den Mobilmarkt und Onlinespiele, nicht auf den DVD-Verkauf. Wir haben gerade erst den drittgrößten Spieleverlag Koreas übernommen. Wir hatten zum Beispiel Probleme, bei Mobilspielen in Asien Fuß zu fassen.

Dabei hatte EA vor zwei Jahren schon mal den Weltmarktführer bei Mobilspielen, Jamdat, für fast 700 Mill. Dollar gekauft. Was läuft schief?

In Asien lassen sich westliche Inhalte nicht gut verkaufen. Wir werden von Korea aus asiatische Spielefranchises in andere Regionen übertragen.

Wird es weitere Akquisitionen im Casual-Bereich geben?

Ja, Korea war erst der Anfang. Da sind noch Lücken, speziell im Online-Gaming.

Wo genau?

Bei Browser-basierten Spielen ist unser Marktanteil praktisch Null. Es gibt drei große Bereiche im Online-Gaming: Die Aggregatoren - auf diese Seiten gehen die Leute, um mal schnell ein Spiel auszusuchen und online zu spielen -, die klassischen Online-Shops, und die Browser-basierten Massen-Spiele, wo viele Spieler im Internet gegeneinander und miteinander spielen. Hier steckt das Wachstum.

Zurück zum Handy-Geschäft. Es lief trotz Akquisition nicht so wie erwartet. Warum?

Als ich den Bereich übernommen habe, waren wir schlecht positioniert. Die Spiele waren zu schwierig. Nach der Übernahme von Jamdat vor über zwei Jahren haben wir zunächst versucht, EA-Inhalte auf das Mobiltelefon zu übertragen. Aber die sind eher aufwendig und für Konsolen und PC gemacht. Das haben wir jetzt geändert. Außerdem waren wir nicht in den richtigen Geräteklassen vertreten. Smartphones werden das größte Wachstumssegment bleiben und wir waren nicht richtig dabei. Die Leute haben lange geglaubt, Smartphones sind nur zum Arbeiten da. Das war falsch. Auch Geschäftsleute lieben ein kleines Spiel während Wartezeiten und - siehe iPhone - immer mehr Smartphones kommen in die Hände der Konsumenten.

Wird das iPhone klassische Konsolen wie Nintendo DS oder Sonys PSP angreifen?

Smartphones werden ein wichtiger Wachstumsmarkt, und das iPhone ist davon ein Teil. Aber es fehlen die klassischen Steuerelemente einer Konsole. Es wird Spiele geben, die die Stärken des iPhones wie Beschleunigungssensor und Touchscreen ausnutzen. Wir sind seit dem Marktstart des iPhone 3G mit Spielen dabei.

Was erwarten Sie von der Gamingmesse E3 in Los Angeles?

Wir werden weiter die großen Stories rund um Casual- und Familienspiele sehen. Musikspiele wie "Rock Band" und Spiele für die Wii Fit - das Fitnessboard für die Konsole "Nintendo Wii" - werden wichtige Themen sein.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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