Elektrokonzern
Samsung schielt auf Sandisk

Der Elektrokonzern will sein Geschäft mit Speicherchips auf Kosten von Toshiba ausbauen.

TOKIO. Der südkoreanische Elektrokonzern Samsung erwägt den Kauf des US-Speicherchipherstellers Sandisk. Der Plan bedroht die Strategie des japanischen Rivalen Toshiba, der eng mit Sandisk kooperiert. "Wir prüfen verschiedene Möglichkeiten, um mit Sandisk zusammen zu kommen, inklusive einer Übernahme", sagt ein Samsung-Sprecher. Sandisk ist derzeit ein Schnäppchen: Der Aktienkurs hat sich im vergangenen Jahr halbiert. Die Chipbranche leidet derzeit wieder einmal unter dem Preisverfall, der die Halbleiterhersteller in regelmäßigen Abständen trifft.

Samsung Electronics ist einer der größten Elektronikhersteller der Welt. Das Unternehmen dominiert den Weltmarkt für Speicherchips. Im Segment der Nand-Flash-Speicher, die in USB-Sticks und Digitalkameras stecken, hat zuletzt die Allianz aus Toshiba und Sandisk jedoch scharf angegriffen. Die japanische und die amerikanische Marke produzieren in denselben Fabriken; für viele Produkte unterscheidet sich nur das Logo. Die Partner haben auch neue Techniken zusammen entwickelt. "Wir kommentieren die Geschäftsstrategie unserer Wettbewerber nicht", war von Toshiba offiziell zu hören. Aus dem Unternehmen hieß es aber, dass eine Sandisk-Übernahme durch Samsung als ungünstiges Szenario gilt.

So sehen es auch Industriebeobachter. "Wenn Samsung wirklich Sandisk bekommt, wäre das ein schwerer Schlag für Toshiba", sagt Yoshihisa Toyosaki von der IT-Beratung J-Star. Durch die Zusammenarbeit mit Sandisk war es Toshiba gelungen, seinen Absatz an Flash Memories praktisch zu verdoppeln. Konkret findet die Zusammenarbeit in einem Gemeinschaftsunternehmen statt. Was mit dem Joint Venture bei einer Übernahme geschehen würde, ist unklar. "Es ist unwahrscheinlich, dass die Kooperation so bestehen bleiben würde", sagen Analysten von Daewoo Securities. "Mittelfristig wäre jedoch klar, dass Samsung seine Stellung bei Flash Memories ausbauen kann."

Für Samsung hätte das Geschäft noch weitere Vorteile. Die Koreaner müssen an Sandisk jählich rund 250 Mill. Euro an Gebühren für Techniken zahlen, die die Amerikaner patentiert haben. Die Einsparung an Lizenzgebühren alleine wäre eine hohe Motivation für Samsung, die Übernahme zu versuchen. "Zudem könnte Samsung eventuell praktisch gemeinsam entwickelte Technologien von Toshiba rauben", sagt Toyosaki

.

Die Übernahme könnte vermutlich nur feindlich erfolgen könnte. Sandisk kommentiert die Samsung-Pläne derzeit nicht, aber die Kooperation mit Toshiba gilt als produktiv und gewinnbringend. Derzeit bekämpfen sich Sandisk und Samsung vor Gerichten wegen Patentstreitigkeiten. Der Angriff der Koreaner könnte also auch in Wirklichkeit eine Drohgebärde sein, die eigentlich dem Geschehen auf einem Nebenschauplatz gilt.

Der Allrounder Samsung Electronics macht jährlich rund 60 Mrd. Euro Umsatz, der Spezialanbieter Sandisk kommt auf rund zwei Mrd. Euro. Samsung hatte nach einer märchenhaften Wachstumsphase seit den 90er-Jahren zuletzt Schwierigkeiten, die gewohnten Steigerungen zu erzielen. Für Sandisk lief es zuletzt sogar richtig schlecht - Hauptgrund ist der Preisverfall. Anders als Mischkonzerne wie Toshiba und Samsung hat Sandisk keine anderen Geschäftbereiche, die so einen Durchhänger ausgleichen könnten. Der Gewinn von Sandisk ist im zweiten Quartal um gut 70 Prozent niedriger ausgefallen als im Vorjahr. Ein anderer Kandidat für die Sandisk-Übernahme ist der Festplattenspezialist Seagate, der auf den Trend zu Festspeichern auf Chip-Basis reagieren will. Diese Speicher komen ohne magnetisierbare Platte und mechanische Teile aus.

Analysten zufolge sind wegen der fallenden Preise weitere Übernahmen und Fusionen in der Halbleiterbranche möglich und wahrscheinlich. Die Marktpreise für Nand-Speicher der Größen acht Gigabyte und 16 Gigabyte sind im laufenden Quartal bereits um 35 Prozent gefallen, nachdem sie vorher schon auf Bruchteile ihrer Notierungen im Vorjahr gesunken waren. Die Unternehmen sitzen zudem auf steigenden Lagerbeständen. Die Nachfrage aus China und anderen Märkten stagniet derzeit, während die Produktionskapazitäten zuletzt gewachsen sind. Wegen der weltweiten Kaufzurückhaltung gehen weniger Digitalkameras und Handys weg - diese Produkte sind die Hauptanwendungen für Nand-Speicher. Auch die Beliebtheit des iPhone von dem US-Anbieter Apple konnte den Trend nicht umkehren. Speicherchips für PCs verkaufen sich noch ein wenig besser, doch auch hier ist ein Ende der guten Tagen absehbar.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%