Elektronik-Konzern Foxconn und Sharp einigen sich auf Übernahme

Vor Wochen hatten sich Foxconn und Sharp auf eine Übernahme geeinigt. Doch kurz darauf zog Foxconn wegen finanzieller Risiken zurück. Jetzt kaufen die Taiwaner den Konzern doch – zu einem deutlich niedrigeren Preis.
Update: 30.03.2016 - 12:08 Uhr
Der taiwanische Konzern Foxconn übernimmt das Unternehmen aus Japan nun doch. Quelle: dpa
Sharp

Der taiwanische Konzern Foxconn übernimmt das Unternehmen aus Japan nun doch.

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Tokio/TaipehDer Apple-Auftragsfertiger Foxconn übernimmt den angeschlagenen japanischen Elektronik-Konzern Sharp. Der Vorstand von Sharp beschloss am Mittwoch, einem reduzierten Übernahmeangebot der Taiwanesen zuzustimmen. Auch der Vorstand von Foxconn habe sich für den Deal entschieden, berichteten japanische Medien. Sharp hatte der Übernahme in einem ersten Anlauf bereits vor Wochen zugestimmt. Doch wenige Stunden danach hatte Foxconn auf die Bremse getreten und auf neu entdeckte finanzielle Risiken verwiesen. Angesichts der sich verschlechternden Bilanz und hohen Verbindlichkeitsrückstellungen der Japaner reduzierte Foxconn sein anfängliches Angebot um rund 100 Milliarden Yen auf nun 388,8 Milliarden Yen (3 Milliarden Euro), hieß es.

Zu diesem Zweck will Foxconn neue Aktien von Sharp erwerben, womit die Taiwanesen künftig 66 Prozent an dem japanischen Unternehmen kontrollieren würden. Der Vertrag zur Übernahme soll am Samstag in Osaka unterzeichnet werden. Es wäre die größte Übernahme eines japanischen Elektronikkonzerns durch ein ausländisches Unternehmen.

Experten in Tokio hatten lange den von der japanischen Regierung gestützten Fonds Innovation Network Corporation of Japan (INCJ) als Favoriten in dem Übernahmekampf angesehen. Der Kampf zwischen Foxconn und dem Fonds war als Test für Japans Bereitschaft angesehen worden, seine Wirtschaft zu öffnen. Japans Regierungschef Shinzo Abe hatte Reformen versprochen und um ausländische Investitionen geworben, um die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt wieder auf Wachstumskurs zu bringen. Angeschlagene japanische Konzerne konnten sich lange darauf verlassen, von der Regierung und den heimischen Banken gestützt zu werden.

Sharp war ein Pionier bei flachen LCD-Bildschirmen, geriet in den vergangenen Jahren jedoch durch koreanische und chinesische Konkurrenz bei Bildschirmen für Fernseher und Smartphones massiv unter Druck. Nach hohen Verlusten stand zeitweise sogar der Fortbestand des Unternehmens infrage. Sharp senkte am Mittwoch seine Ertragsprognose für das an diesem Donnerstag zu Ende gehende Geschäftsjahr und geht jetzt von einem operativen Verlust in Höhe von 170 Milliarden Yen (1,3 Milliarden Euro) aus. Zuvor hatte Sharp noch einen Betriebsgewinn von 10 Milliarden Yen in Aussicht gestellt. Der Umsatz dürfte sich auf 2,45 Billionen Yen statt 2,7 Billionen Yen belaufen, hieß es.

Von Plasmaclustern und Teemaschinen
Smartphones
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Sharp liefert nicht nur Displays an Apple, sondern baut auch selbst Smartphones. Mit Super-Zeitlupe, Sharps bestem Display und manchmal wasserdichtem Design treten sie vor allem mit dem iPhone in Konkurrenz, sind aber auch dort unterlegen. 

Tablets
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Sharp hat bereits eine lange Tablet-Geschichte, stellte sich aber oft selbst ein Bein. Als das Unternehmen seinen ersten iPad-Konkurrenten auf den Markt brachten, bestanden die Macher darauf, dass es sich nur um einen farbigen eBook-Reader handele. Das Gerät war kein Erfolg. Auch das neue AQUOS PAD SH-05G dürfte ein Nischenprodukt bleiben

Plasmacluster
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Ein Hit des japanischen Herstellers sind Luftreiniger, die durch die Ionisierung von Luft Staub binden und Viren töten sollen und so zum Beispiel in Krankenhäusern eingesetzt werden können. Es gibt sie als Standgeräte, eingebaut in Klimaanlagen oder auch mobile Ionenschleudern für den Schreibtisch oder zum Umhängen um den Hals.

Solarzellen
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Bevor der Solarboom in Deutschland begann, waren die Japaner mal einer der größten Solarzellenhersteller der Welt. Inzwischen rangiert der Konzern unter ferner liefen. Und die einst gefeierte Pioniersparte ist ein weiterer Mühlstein um Sharps Hals. Im Bild ist ein Arbeiter in einer Sharp-Fabrik in Sakai im Westen Japans zu sehen.

Fernsehgeräte
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Das größte Problem ist zugleich Sharps größter Erfolg: Der Pionier der Flach-TVs hat den Preiskampf gegen südkoreanische und chinesische Hersteller verloren.

Haushaltsgeräte
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Sharp ist in Japan auch ein wichtiger Hersteller von Haushaltsgeräten. Kombinierte Mikrowellen-Backofen-Herde zum Stellen der Healsio-Reihe sind ein Bestseller. In Japan gibt es kaum eingebaute Öfen, sondern sie werden nachträglich in den Küchenschrank gestellt. Im Bild Sharps Staubsaugerroboter „Cocorobo“.

Teemaschine
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Die Japaner haben von Nestlés Kaffeemaschine gelernt. Mit den Kaffeekapseln für die Nescafé-Maschinen verdienen sich die Schweizer dumm und dösig. Sharp will ähnliches nun mit einer Maschine für grünen Tee kopieren. 

Sharps Gläubigerbanken, die Bank of Tokyo-Mitsubishi UFJ und die Mizuho Bank, dürften Medien zufolge eine neue Kreditlinie über 300 Milliarden Yen bereitstellen und die Zinsen auf laufende Kredite senken. Beide Banken einigten sich darauf, die Frist auf Kredite über 510 Milliarden Yen um einen Monat bis 30. April zu verlängern.

Foxconn verspricht sich von einer Übernahme von Sharp nach Ansicht von Branchenkennern eine Diversifizierung seines Geschäfts. Sharps Bildschirm-Technologien könnten den Taiwanesen helfen, in die Produktion von lukrativen Highend-Komponenten vorzustoßen.

So plant Sharp eine Fertigungslinie für OLED, der nächsten Generation von Leuchtdioden. Bislang produzierte Foxconn die meisten der iPhones von Apple und lieferte Komponenten wie Metallgehäuse. Künftig will der Konzern japanischen Medienberichten zufolge auch Bildschirme für das iPhone liefern, was höhere Gewinnmargen abwirft. Mit Sharp übernimmt Foxconn einen von Apples Lieferanten von Bildschirmen fürs iPhone.

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