Elektronikbranche
Philips kassiert gleich drei Kinnhaken

Das war´s dann wohl mit den Geschäftszielen für 2010. Der Elektronikkonzern Philips bekommt die weltweit grassierende Wirtschaftsflaute voll zu spüren. Vor allem fürs vierte Quartal rechnet Philips mit massiven Belastungen.

HB ENDHOVEN. Der Elektronikkonzern Philips leidet massiv unter der weltwirtschaftlichen Flaute. Eine Besserung erwarten die Niederländer auch mittelfristig nicht. „Der Abschwung, den wir nun sehen, ist ohne Beispiel in der jüngeren Vergangenheit und schreitet viel schneller und tiefer voran als erwartet“, sagte Konzernchef Gerard Kleisterlee am Donnerstag in Amsterdam. Vor diesem Hintergrund sieht er keine Chance mehr, die geplante Ergebnisverdopplung (EBITA je Aktie) im Jahr 2010 zu erreichen. Ein neues Ziel soll ausgegeben werden, sobald mehr Klarheit über die weitere wirtschaftliche Entwicklung herrscht. Die Aktionäre reagierten verschreckt und trennten sich zu Handelsbeginn reihenweise von ihren Anteilsscheinen: Der Kurs sank um 5,76 Prozent auf 12,44 Euro.

Kleisterlee erwartet im laufenden vierten Quartal massive Belastungen. Zum ersten sieht er den Markt für Konsumelektronik und teilweise auch mit Lichttechnik runtergehen, zum zweiten erwartet er höhere Kosten für die Straffung des Geschäfts. Zum dritten rechnet er mit einer milliardenschweren Abschreibung auf Beteiligungen.

Besonders der letzte Punkt wiegt schwer: Rund 1,1 Mrd. Euro muss Philips demnach für seine verbliebenen Anteile am Halbleiter-Unternehmen NXP und dem Flachbildschirm-Hersteller LG Display in den Wind schreiben. Die laufende Restrukturierung wird um 110 Mio. Euro teurer und kostet damit nun insgesamt 340 Mio. Euro im Schlussquartal. Zum Vergleich: Vor einem Jahr hat Philips von Oktober bis Dezember unterm Strich knapp 1,4 Mrd. Euro verdient.

Die Medizintechnik soll in der laufenden Periode nun Umsätze zwischen 2,25 und 2,35 Mrd. Euro erwirtschaften, die Konsumelektronik zwischen 2,8 und 3,0 Mrd. Euro und die Lichttechnik zwischen 1,825 und 1,925 Mrd. Euro. Ein Vergleich mit den Vorjahreszahlen ist wegen des geänderten Zuschnitts der Sparten sowie Verkäufen von Konzernteilen schwierig. Verglichen zum dritten Quartal des laufenden Jahres würden die Planzahlen aber immer noch Wachstum in allen drei Säulen bedeuten. Zu den Ergebniserwartungen äußerte sich der Philips-Chef jedoch nicht.

Wie rasant der Abschwung den Konzern getroffen hat, zeigen Äußerungen Kleisterlees von vor einem Monat. Damals hatte er vor dem „Club Hamburger Wirtschaftsjournalisten“ das 2010er Ergebnisziel noch bekräftigt, sich aber bereits skeptisch zum erwarteten Umsatzwachstum von jährlich sechs Prozent geäußert. Zu dieser Vorgabe äußerte er sich jetzt gar nicht.

Dass Philips mit seinen Problemen jedoch nicht alleine dasteht, zeigen jüngste Äußerungen des Rivalen Siemens. Dieser erwartet ebenfalls Probleme in seinem Beleuchtungsgeschäft (Osram) und berichtete über ein schwierigeres Marktumfeld in der Medizintechnik. General Electric aus den USA, der zweite große Konkurrent, hat Anfang der Woche seine Gewinnerwartungen zum wiederholten Male gesenkt.

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