Elektronikbranche
Thomson: Jetzt kommt der Staat

Der französische Kino- und Medientechnik-Konzern Thomson will Staatshilfen beantragen. Die hat der Hersteller von TV-Settopboxen auch dringend nötig, denn das Unternehmen schlittert immer tiefer in die Krise. Thomson hat einen gewaltigen Schuldenberg aufgetürmt, der den französischen Konzern zu begraben droht.

PARIS. Nach Angaben von Konzern-Chef Frédéric Rose verhandelt Thomson mit dem französischen Staatsfonds FSI (Fonds Strategique d’Investissement) und anderen Investoren über eine Eigenkapitalspritze. Den FSI hatte Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy im November ins Leben gerufen, um als strategisch eingestufte Unternehmen zu schützen. Der Fonds hat ein Volumen von 20 Mrd. Euro, davon sind sechs Mrd. Euro liquide Mittel.

Die Hilfen hat Thomson nötig, da der Hersteller von Film-DVDs und TV-Settopboxen immer weiter in die Krise schlittert. Gestern gab das Unternehmen bekannt, seine vertraglichen Zusagen mit Blick auf das Verhältnis von Schulden zu Eigenkapital vermutlich nicht einhalten zu können. Laut den Klausen für seine Anleihen darf Thomson nicht mehr Schulden als Eigenkapital haben. Die Aktie stürzte daraufhin zweistellig ab und notiert nur noch knapp über der Marke von 1 Euro. Im vergangenen Jahr hatte Thomson 90 Prozent seines Werts verloren.

Die Schulden stiegen laut Thomson im zweiten Halbjahr 2008 um 800 Mio. Euro auf 2,1 Mrd. Euro. Gleichzeitig hat der Konzern eine Wirtschaftsprüferkanzlei damit beauftragt, den Wert des aktuellen Aktivitätsportfolios zu prüfen (sog. Impairment-Test). „Mit einer Wachstumsrate von 0 Prozent sind Wertkorrekturen für die DVD-Sparte wahrscheinlich“, kommentierten die Analysten des Brokers Natixis. Abschreibungen lassen den Verlust weiter Anschwellen und belasten damit das Eigenkapital.

Steigende Schulden, steigende Verluste: Vor diesem Hintergrund rechnet der Broker Oddo mit einem Verhältnis von Schulden zu Eigenkapital von 135 Prozent. Thomson kündigte daher an, mit seinen Anleihe-Gläubigern Verhandlungen aufnehmen zu wollen, damit diese nicht von ihrer Möglichkeit Gebrauch machen, die gewährten Kredite sofort einzufordern.

Ferner kündigte das Management Verkäufe im Umfang von einer Milliarde Euro Umsatz an. Verkauft werden soll der Hersteller von Kino-Technik Grass Valley und Premier Retail Networks, ein Anbieter von Supermarkt-TV, den Wal Mart zum Beispiel nutzt. Oddo beziffert den Wert der Aktiva mit 300 Mio. Euro. Behalten wird Thomson damit die Tochter Technicolor, die DVDs für die großen Hollywood-Studios kopiert, das Geschäft mit TV-Decodern sowie die Lizenzen-Sparte, die unter anderem neue Techniken zur Datenkompression entwickelt, um Filme online und auf Handys verfügbar zu machen.

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