Elektronikhersteller baut künftig die Memory-Sticks
Samsung verbündet sich mit Sony

Bewegung im hart umkämpften Milliardenmarkt für elektronische Speichermedien. Der koreanische Elektronikgigant Samsung Electronics Ltd. hat von Sony Corp. eine Lizenz für die Fertigung von so genannten „Memory-Sticks“ erhalten.

DÜSSELDORF. Damit hat sich der japanische Sony-Konzern einen mächtigen Verbündeten im Kampf gegen die aufstrebende SD-Card-Fraktion um den Erzrivalen Matsushita (Panasonic) gesichert. Nach Angaben von Sony wurden zwischen 1998 und April 2003 rund 40 Mill. Memory-Sticks weltweit verkauft.

Die Bedeutung von Speicherkarten steigt rasant. Waren sie früher nur in Digitalkameras oder MP3-Musikspielern zu finden, erobern sie zunehmend Camcorder, DVD-Spieler, PC, PDA, Laptop, Drucker und TV-Geräte. Speicher wie Compact Flash-, SD-Card, XD-Picture-Card, Memory-Stick oder MMC dienen der Speicherung, aber auch dem leichten Transport und Austausch zwischen elektronischen Geräten.

Als Verbindungsglied zwischen den Geräten gelten sie als ein wichtiger Bestandteil der Vision des so genannten „vernetzen Haushalts“, die auch auf der diesjährigen Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin Ende August eine große Rolle spielen wird.

Das Problem für den Kunden: Die Speicher sind nicht untereinander kompatibel. Beim Kauf eines Geräts ist der unterstützte Speichertyp ein Kaufkriterium mit Konsequenzen bei weiteren Gerätekäufen. Wer etwa schon mehrere teure SD-Cards gekauft hat, wird kaum noch ein Gerät mit Memory-Stick Unterstüzung kaufen und umgekehrt. Wer das Speicher-Geschäft dominiert, beherrscht den Hardware-Markt. Das musste Sony schon einmal lernen, als das eigene Videosystem Beta gegen VHS unterlag.

Seit 2001 unterstützt Samsung Sony indem in verschiedene Geräte ein Memory-Stick-Slot eingebaut wird. Am lukrativen Geschäft mit den Speichermodulen selber waren die Koreaner aber nicht beteiligt. Ab dem dritten Quartal 2003 wird sich das ändern. Samsung wird nicht nur seinen Geräten eigene Memory-Sticks beilegen, sondern auch unter eigener Marke mit Sticks im Handel und in Konkurrenz zu Sony und SanDisk auftreten. Die SanDisk Corp., größter Flash-Speicher-Produzent, war bislang Sonys größter Lizenznehmer. Die Aktie von SanDisk geriet zum Wochenschluss deutlich unter Druck.

Sony mußte auch handeln, so ein Insider, weil Samsung drohte, die Unterstützung der Memory-Sticks zugunsten anderer Speicher – speziell der populären SD-Card – herunter zu fahren. Tatsächlich verliert Sony an Boden: Im deutschen Markt wurden laut GfK-Analysen, die dem Handelsblatt vorliegen, im Zeitraum April/Mai 2002 rund 29 500 Memory-Sticks verkauft und nur 6 500 SD-Card. Mitte 2003 zeigt sich das Bild komplett anders: Knapp 48 000 Memory-Sticks stehen über 166 000 SD-Card gegenüber. Marktführer ist noch immer die Compact-Flasch-Card mit über 230 000 Stück.

Einer der Gründe ist, dass der Preisverfall bei SD-Cards deutlich schneller stattfindet als bei Memory-Sticks. Außerdem musste Sony einen Modellwechsel vornehmen: Der neue Memory-Stick Pro mit höherer Datenrate und bis zu 1 GB-Speicherkapazität ist nicht mit den alten Sticks kompatibel, was Kunden verunsichert.

Der Kampf um die Formathoheit in der Unterhaltungselektronik hat Tradition und dem Gewinner winken regelmäßig satte Profite. So profitieren die Erfinder Sony und Philips noch heute von Lizenzeinnahmen für jede einzelne bespielte oder unbespielte CD, die weltweit über den Ladentisch geht. Matsushita verdiente Milliarden am VHS-Boom, nachdem die Wettbewerber Beta und Video 2000 erst einmal niedergekämpft waren.

Heute streiten sich im Musikbereich Super-Audio-CD und Audio-DVD um die Nachfolge der Musik-CD, Sonys „Mini-Disk“ wird keine große Chance mehr eingeräumt. Im DVD-Recording treten gleich mehrere Formate im Kampf um die Kundengunst an, im Zukunftsmarkt Blu-Ray-Disk sind Systeme mit einfacher und doppelter Speicherkapazität von verschiedenen Herstellern angekündigt.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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