Elektronikhersteller
Bilanzskandal hält Toshiba weiter in Atem

Toshiba steckt in der Krise – die Folge eines milliardenschweren Bilanzskandals. Nun müssen die Japaner erneut hohe Verluste ankündigen. Und Manager könnten sich auf der Anklagebank wiederfinden.

TokioToshiba kämpft weiterhin massiv mit den Folgen seines Bilanzskandals. Von April bis September sei wohl ein Betriebsverlust von umgerechnet rund 680 Millionen Euro angefallen, teilte der japanische Elektronikkonzern am Donnerstag mit und bestätigte damit einen Bericht der Wirtschaftszeitung „Nikkei“. Demnach steht auch noch eine Abschreibung von mehr als 500 Millionen Euro auf eine Sparte an. Am Samstag will Toshiba seine Bilanz fürs Halbjahr präsentieren.

Der Vorab-Ausblick schürte Sorgen, dass Toshiba einen umfassenderen Konzernumbau benötigt als bisher vorgesehen. Zwar hatte Firmenchef Masashi Muromachi angekündigt, es werde keine „heiligen Kühe“ geben. Bisher ist jedoch lediglich bekannt, dass der Konzern sein Halbleitergeschäft auf den Kopf stellen will. Zudem verkaufte Toshiba kürzlich den Bildsensoren-Bereich an Sony.

Der Bilanzskandal im Zusammenhang mit zu hoch ausgewiesenen Gewinnen hat ein Volumen von insgesamt rund 1,15 Milliarden Euro und betraf die meisten Geschäfte, die von Chips über LED-Lampen, Computern, Klimaanlagen bis zu Turbinen, Solaranlagen und sogar Kraftwerken reichen. Es wird damit gerechnet, dass Toshiba vor allem die kriselnde Hausgeräte- und PC-Sparte umbaut.

Bereits in der kommenden Woche dürfte ein unabhängiger Ausschuss, der die Rolle des Managements im Bilanzskandal untersucht hatte, mit Empfehlungen an die Öffentlichkeit gehen. Am Ende könnte es nach Einschätzung von Beobachtern zu Anklagen gegen Manager wegen Versäumnissen bei der Aufsicht kommen, die in Japan bisher sehr selten sind. Doch Toshiba muss auch verhindern, dass unzufriedene Aktionäre gegen den Konzern vorgehen. Die Toshiba-Aktie ging am Donnerstag in einem positiven Gesamtmarkt mit einem Verlust von 3,4 Prozent aus dem Handel.

Toshibas Bilanzskandal wirft ein Schlaglicht auf die Praktiken in der japanischen Buchhaltung, die bereits in der Olympus -Affäre vor vier Jahren im Mittelpunkt standen. Nun verschob auch noch der Autoteile-Hersteller Akebono Brake am Mittwoch wegen der Entdeckung von unangebrachten Bilanzierungen die Veröffentlichung seines Quartalsberichts.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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