EM.TV will Karstadt-Beteiligung übernehmen
DSF erzielt bestes Ergebnis seit Gründung

Das krisengeschüttelte Deutsche Sportfernsehen (DSF) ist in Hochstimmung. „Der Sender wird das beste Ergebnis seit Bestehen vorlegen“, sagte DSF-Chef Rainer Hüther dem Handelsblatt. Das Tochterunternehmen des Medienunternehmens EM.TV und des angeschlagenen Handelskonzerns Karstadt-Quelle wird nach Unternehmensangaben einen Umsatz von gut über 100 Mill. Euro erzielen.

DÜSSELDORF/ISMANING. „Wir liegen bei Umsatz und Gewinn deutlich über Plan“, sagte Hüther, der den jahrelang defizitären Sender schon einmal zu Zeiten seines Gründers Leo Kirch führte. Brancheninsider gegen von einem Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) von annähernd zehn Mill. Euro in diesem Jahr aus. Das DSF wurde 1993 von Kirch gegründet und schrieb bis zum vergangenen Jahr nur Verluste.

Die positive Prognose des DSF kommt angesichts des schwierigen Werbemarktes in Deutschland überraschend. Erst vor wenigen Wochen hatte der TV-Konzern Pro Sieben Sat 1 seine allzu optimistische Einschätzung des Werbemarktes nach unten korrigiert. Für die Umsatz- und Gewinnsteigerung seien laut Hüther nicht nur die gestiegenen Werbeerlöse verantwortlich. Vor allem die Einnahmen rund ums Telefon – in der Branche T-Commerce genannt – hätte um rund zehn Prozent auf mittlerweile 40 Prozent des Gesamtumsatzes zugelegt.

Trotz der guten Zahlen steht der Sender für den schwer angeschlagenen Gesellschafter Karstadt auf der Verkaufsliste. Zwar wolle man nach derzeitigem Stand an dem Investment festhalten, bei einem angemessenen Preis sei eine Trennung jedoch eine Option, teilte der Vorstand am Montag auf der außerordentlichen Hauptversammlung in Düsseldorf mit. Karstadt und EM.TV sind jeweils mit etwa 40,48 bzw. 40,65 Prozent am DSF beteiligt. Die restlichen Anteile hält der Schweizer Investor und Boris- Becker-Berater Hans-Dieter Cleven. Der Warenhauskonzern war erst im April 2003 beim DSF eingestiegen. Bereits im Juli dieses Jahres berichtete das Handelsblatt über Verkaufsabsichten. Damals hat Karstadt noch dementiert. EM.TV will den Karstadt-Anteil nur zu gerne übernehmen. An einer Beteiligung beim DSF haben auch andere Marktteilnehmer Interesse. In der Vergangenheit wurde unter anderem der Name des Pro-Sieben-Mehrheitsgesellschafters Haim Saban genannt. Aus EM.TV-Unternehmenskreisen hieß es gestern allerdings: „EM.TV ist der natürliche und logische Käufer der Karstadt-Quelle-Anteile.“ EM.TV habe einen umfangreichen Vertrag mit Karstadt, der eine Art Vorkaufsrecht für das Medienunternehmen vorsehe.

Wie EM.TV-Vorstandschef Werner Klatten die Übernahme des 40 Prozent-Anteils finanzieren will, ist allerdings unklar. Klatten war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar. EM.TV erwartet trotz roter Zahlen im dritten Quartal für 2004 wieder einen Gewinn. Am Montag sagte Klatten: „Wir streben im Jahr 2005 sowohl internes als auch externes Wachstum an.“ Dazu gehört auch der angestrebte Kauf des Karstadt-Anteils beim DSF. Für EM. TV wäre der Ausstieg von Karstadt-Quelle ein Glücksfall. Denn damit könnte der einstige Börsenliebling sein Engagement im Sportbereich noch einmal ausbauen. EM.TV ist bisher nicht nur am DSF, sondern auch an der Sport-Produktionsfirma Plaza Media und gemeinsam mit Karstadt an dem Internetportal Sport 1 beteiligt. Alle drei Unternehmen, DSF, Plaza und Sport 1 haben das beste Ergebnis ihrer Geschichte vorgelegt, berichten Insider. Für EM.TV ist das Sportgeschäft entscheidend. Schließlich erwirtschaftet die Medienfirma 86 Prozent ihres Umsatzes mit DSF, Plaza und Sport 1.

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