Energiemarkt
Die Erben von Teldafax

Noch immer drücken Discount-Anbieter am Strommarkt auf die Preise. Eine neue Studie belegt, dass sie ihre Kosten kaum reinholen. Teldafax musste deswegen im Sommer Insolvenz anmelden. Droht jetzt die nächste Pleite?
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DüsseldorfAuch nach der Pleite von Teldafax tobt auf dem deutschen Strommarkt ein ruinöser Preiskampf. Viele Energiediscounter versuchen, mit nicht kostendeckenden Tarifen möglichst schnell zu wachsen. Mittelfristig drohen deshalb weitere Firmenzusammenbrüche. Zu diesem Fazit kommt die Unternehmensberatung A.T. Kearney in einer aktuellen Studie, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt. „Die Billigstromanbieter haben keine Lehren aus der Pleite von Teldafax gezogen“, sagt A.T.-Kearney-Partner Hanjo Arms.

Teldafax musste im Sommer Insolvenz anmelden. Das Unternehmen war bis dahin der größte, von den etablierten Stromkonzernen unabhängige Anbieter auf dem deutschen Markt. Obwohl die Firma erst im Jahr 2007 in den Energiemarkt eingestiegen war, lockte sie in ihrer besten Phase knapp 800000 Kunden an. Allerdings agierte das Management nicht wie vorsichtige Kaufleute.

Denn Teldafax bot Strom- und Gastarife an, die zumeist unter den eigenen Einkaufspreisen lagen. Das konnte lange Zeit nur funktionieren, weil das Unternehmen rasant wuchs und mit hohen Vorauszahlungen der Kunden die Liquidität sicherte. Letztlich aber brach das Modell zusammen, und Teldafax konnte die Außenstände bei seinen Lieferanten nicht mehr begleichen.

Auch nach der Pleite von Teldafax werden die Listen der Vergleichsportale im Internet von unabhängigen Discountanbietern angeführt, deren Tarife zum Teil mehrere Hundert Euro günstiger sind als die des örtlichen Stadtwerks.

Die Berater von A.T. Kearney haben bei ihrer Analyse festgestellt, dass die Tarife in der Regel bei weitem nicht kostendeckend sind und die Unternehmen eine deutlich negative Rohmarge erwirtschaften. Bei einem typischen Discountpreis von 780 Euro für eine Durchschnittsfamilie mit einem Jahresverbrauch von 3500 Kilowattstunden lag das Minus bei 40 Euro.

Dabei haben die Berater nur die gut abzuschätzenden Kostenblöcke – Steuern und Abgaben, Netzentgelte und Beschaffungskosten im Großhandel – berücksichtigt. Die internen Vertriebs- und Marketingkosten, die stark schwanken, haben sie noch gar nicht abgezogen.

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