Enterprise Communications
Siemens streicht über 600 Stellen

Die Siemens AG will in ihrem zum Verkauf stehenden Geschäftsfeld Enterprise Communications (SEN) bis zum Jahresende jeden zehnten Arbeitsplatz streichen.

HB MÜNCHEN. „Wir können bestätigen, dass SEN seinem zuständigen Wirtschaftsausschuss Pläne unterbreitet hat, ungefähr 600 Stellen in Deutschland zu streichen“, teilte Siemens am Montag mit. Zuvor hatte die IG Metall erklärt, das Segment, das Telefon- und Datennetze für Firmen liefert, wolle die Arbeitsplätze bereits bis zum Jahresende abbauen. „Besonders hart soll es die Zentrale in München mit insgesamt circa 250 Stellenstreichungen treffen“, teilte die Gewerkschaft mit.

Betriebsrat und Gewerkschaft kritisierten die Pläne scharf. „Schwere Managementfehler und ein radikaler Bruch mit der Geschichte des Hauses Siemens haben das ehemalige Kerngeschäft systematisch kaputt gemacht“, erklärte Bayerns IG-Metall-Chef Werner Neugebauer. „Jetzt qualifiziertes Personal abzubauen und anschließend durch Fachkräftemangel Wachstumschancen zu verpassen, ist der falsche Weg.“ Das Management habe zudem nicht näher umrissene Einschnitte in die tariflichen Arbeitsbedingungen angekündigt, hieß es.

Der frühere Siemens-Chef Klaus Kleinfeld hatte den Verkauf von SEN vor gut einem Jahr angekündigt. Später hatte er allerdings Branchenkreisen zufolge ein vier Mrd. Euro schweres Angebot von Finanzinvestoren abgelehnt und die Trennung nach der Pleite der einstigen Handysparte unter BenQ zunächst auf Eis gelegt. Mit dem Wechsel an der Siemens-Spitze kommt das Thema allerdings wieder aufs Tapet. Finanzvorstand Joe Kaeser hatte in einem Interview mit „Euro am Sonntag“ nach einer langen Periode des Schweigens über den Verkauf erklärt, sein Haus suche immer noch nach einem Partner für die Sparte. Dabei kommt Siemens möglichen Interessenten schon im Vorfeld mit dem Preis entgegen: Im vergangenen Quartal wertete der Konzern die Sparte insgesamt um 355 Mill. Euro ab. SEN war als Rumpfgeschäft des mittlerweile aufgegeben Telekommunikationsbereichs Com übrig geblieben, als Siemens das Geschäft mit Netzen für Festnetz- und Mobilfunkbetreiber in ein Gemeinschaftsunternehmen mit Nokia eingebracht hat.

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