
DÜSSELDORF. Gütersloh schlägt zurück. "In unserer heutigen Zeit ist es doch eine Illusion, dass eine Stiftung oder ein Unternehmen ein Land wie die Bundesrepublik nach ihren Vorstellungen formen oder prägen kann", teilt Gunter Thielen, engster Vertrauter von Bertelsmann-Matriarchin Liz Mohn, auf der Homepage der Stiftung mit. Zwischen den Zeilen ist die Wut über die Kritik am System Bertelsmann des Autors Thomas Schuler mit seinem neuen Buch "Bertelsmann Republik Deutschland: Eine Stiftung macht Politik" zu spüren. "Projekte der Stiftung sollen den Menschen nutzen und nicht den Profitinteressen", formuliert Thielen, Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann Stiftung. Was ist passiert?
Der Münchener Journalist Thomas Schuler hat sein neues Bertelsmann-Buch im angesehenen Frankfurter Campus-Verlag mit einer Startauflage von 20 000 Exemplaren veröffentlicht. Darin wirft er der Bertelsmann Stiftung Machtmissbrauch vor: Lobbyismus vor Gemeinnutz. "Die Bertelsmann Stiftung hat mehr Einfluss als irgendeine andere Stiftung in Deutschland", sagte Schuler dem Handelsblatt. Sie hat an wichtigen Gesetzen wie beispielsweise Hartz IV mitgearbeitet. Außerdem sei die Stiftung undemokratisch, beeinflusse aber die Demokratie. "Das kann eine demokratische Gesellschaft nur akzeptieren, wenn die Stiftungskonstruktion ein Mindestmaß an Mitsprache erlaubt", fordert Schuler. Derzeit sei die Kontrolle der Stiftung aber Sache der Mohns. Die Stiftung hält heute 77,4 Prozent an der Bertelsmann AG. Die restlichen Anteile liegen bei den Mohns direkt.
Schuler sprach mit 100 Experten, Mitarbeitern und Insidern, um sich ein Bild von der mächtigen Stiftung zu machen. Die Führungsriege beobachtete seine Recherche mit großem Misstrauen. Der Vorstand und die Mohns standen nicht für Interviews zur Verfügung. Ein umfangreicher Fragenkatalog blieb unbeantwortet. Das Buch kommt für den Konzern ungelegen. In wenigen Wochen feiern die Gütersloher mit einer spektakulären Party in Berlin ihr 175. Konzernjubiläum.
Schuler gefährdet nun die gute Laune zum Fest. Seiner Meinung nach sei die Stiftung eine Sparbüchse auf Kosten des Steuerzahlers. Die Attacke gegen die Gemeinnützigkeit lässt die Mohn-Familie aber scharf zurückweisen. "Wir werden regelmäßig von den Steuerbehörden und der Stiftungsaufsicht geprüft - bis heute gibt es keine Beanstandungen", sagt Thielen, der Aufsichtsratschef der Bertelsmann AG und Lehrbeauftragter am Institut für Corporate Governance an der Privatuni Witten/Herdecke ist.
Die Bertelsmann Stiftung wurde 1977 von Reinhard Mohn gegründet. Seine Witwe Liz Mohn und deren Tochter Brigitte gehören seit vielen Jahren dem Vorstand an. Die Kritik an der Unabhängigkeit der Stiftung kann für Bertelsmann gefährlich sein. In den USA wurde die Beteiligung von Stiftungen an Konzernen wegen möglicher Interessenskonflikte mittlerweile bereits beschränkt.
Wie gefährlich Schuler für den Konzern sein kann, hat er bereits vor sechs Jahren gezeigt. In seinem Buch "Die Mohns", von dem mittlerweile rund 30 000 Exemplare verkauft wurden, hat er erstmals hinter die Fassade der zerrissenen Familie geblickt und den Blick auf die Bertelsmann-Welt nachhaltig verändert.
Die politische Einflussnahme von Stiftungen und Lobby-Mafia ist das Krebsgeschwür dieser Gesellschaft, dessen Metastasen bis tief in die Entscheidungszentralen der politischen Parteien reichen! Diese Republik ist eine bananenrepublik! Die Politiker hängen am Rockzipfel ihrer befehlsgeber! Ein widerliches Schauspiel, das da für das gemeine Urnenpöbel aufgeführt wird!
Das buch von Thomas Schuler sollte eine Pflichtlektüre für jede Wählerin, jeden Wähler sein.
Wird doch in diesem buch deutlich, welchen unglaublichen Einfluß diese "gemeinnützige Stiftung" auf die Politik der letzten zwei Jahrzehnte in den bereichen:
- Arbeitsmarktpolitik; Hartz iV
- bildungspolitik; Studiengebühren, Reform des Hochschulwesens
- Gesundheitspolitik; Privatisierung öffentlicher
Krankenhäuser
- Europapolitik
- und Kommunalpolitik
hatte.
Direkter Zugang zu den Politikern; die EX-bundespräsidenten Herzog und Köhler, EX-bundeskanzler Schröder, EX-Außenminister Fischer, EX-Finanzminister Per Steinbrück und EX- NRW-Ministerpräsident Steinbrück, Ex-Justizministerin Zypries, Ex-Gesundheitsministerin Schmidt; all diese Spitzenpolitiker ließen sich mehr oder weniger direkt oder indirekt von der bertelsmann-Stiftung beraten. Zum Teil wurden die Konzepte der Stiftung und deren Gesetzentwürfe wortgleich übernommen oder in politisches Handeln umgesetzt. So wurde es der bertelsmann-Stiftung und der dahinter stehenden bertelsmann AG bzw. der Eignerfamilie Mohn ermöglicht, ihre Vorstellungen in politische Konzepte umzusetzen. Selbstverständlich hatte das Aggieren der bertelsmann-Stiftung auch noch den nützlichen Nebeneffekt, dass die durch die Stiftung vorbereiteten politischen Konzepte auch anderen milliardenschweren Unternehmerfamilien in Deutschland bei der Durchsetzung ihrer Wünsche hinsichtlich der Privatisierung öffentlicher Kernaufgaben und der Vermeidung von eigenen Steuerzahlungsverpflichtungen (Erbschaftssteuer/Vermögenssteuer) sowie der Erschließung weiterer privatwirtschaftlicher betätigungsfelder (z.b. privater Altersversorgung/Verschlechterung der Arbeitsbedingungen: Leiharbeit/Ein-Euro-Jobs etc.) zugute kamen.
Unter dem nachfolgenden Link
http://glocalist.com/news/kategorie/kommentare/titel/kommentar-zur-gemeinnuetzigkeit-der-bertelsmann-stiftung/
findet man den unmittelbaren beleg dafür, wie es z.b. der bertelsmann-Stiftung gelang, unter der Verantwortung des damaligen nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Peer Steinbrück, das nordrhein-westfälische Stiftungsrecht (Stiftungsaufsicht) im interesse der in Gütersloh (NRW) sitzenden bertelsmann-Stiftung zu ändern.
Selbstverständlich nimmt die bertelsmann-Stiftung im interesse der Stiftung selbst und der hinter ihr stehenden bertelsmann-AG und der Eigner-Familie Mohn Einfluss auf die Politik.
Sie hat es immer getan und tut es auch weiterhin.
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