Enthüllungsbuch

Schlimme Vorwürfe gegen Bertelsmann-Stiftung

Lobbyismus vor Gemeinnutz? Das neue Buch des Münchener Journalisten Thomas Schuler, "Bertelsmann Republik Deutschland: Eine Stiftung macht Politik", wirft der Bertelsmann-Stiftung Machtmissbrauch vor. Der Konzern reagiert prompt: Der Mohn-Vertraute Thielen weist die Kritik an der Gemeinnützigkeit scharf zurück.
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Bertelsmann-Matriarchin Liz Mohn führt zusammen mit ihrem Vertrauten Gunter Thielen die Stiftung in Gütersloh. Quelle: ap

Bertelsmann-Matriarchin Liz Mohn führt zusammen mit ihrem Vertrauten Gunter Thielen die Stiftung in Gütersloh.

(Foto: ap)

DÜSSELDORF. Gütersloh schlägt zurück. "In unserer heutigen Zeit ist es doch eine Illusion, dass eine Stiftung oder ein Unternehmen ein Land wie die Bundesrepublik nach ihren Vorstellungen formen oder prägen kann", teilt Gunter Thielen, engster Vertrauter von Bertelsmann-Matriarchin Liz Mohn, auf der Homepage der Stiftung mit. Zwischen den Zeilen ist die Wut über die Kritik am System Bertelsmann des Autors Thomas Schuler mit seinem neuen Buch "Bertelsmann Republik Deutschland: Eine Stiftung macht Politik" zu spüren. "Projekte der Stiftung sollen den Menschen nutzen und nicht den Profitinteressen", formuliert Thielen, Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann Stiftung. Was ist passiert?

Der Münchener Journalist Thomas Schuler hat sein neues Bertelsmann-Buch im angesehenen Frankfurter Campus-Verlag mit einer Startauflage von 20 000 Exemplaren veröffentlicht. Darin wirft er der Bertelsmann Stiftung Machtmissbrauch vor: Lobbyismus vor Gemeinnutz. "Die Bertelsmann Stiftung hat mehr Einfluss als irgendeine andere Stiftung in Deutschland", sagte Schuler dem Handelsblatt. Sie hat an wichtigen Gesetzen wie beispielsweise Hartz IV mitgearbeitet. Außerdem sei die Stiftung undemokratisch, beeinflusse aber die Demokratie. "Das kann eine demokratische Gesellschaft nur akzeptieren, wenn die Stiftungskonstruktion ein Mindestmaß an Mitsprache erlaubt", fordert Schuler. Derzeit sei die Kontrolle der Stiftung aber Sache der Mohns. Die Stiftung hält heute 77,4 Prozent an der Bertelsmann AG. Die restlichen Anteile liegen bei den Mohns direkt.

Schuler sprach mit 100 Experten, Mitarbeitern und Insidern, um sich ein Bild von der mächtigen Stiftung zu machen. Die Führungsriege beobachtete seine Recherche mit großem Misstrauen. Der Vorstand und die Mohns standen nicht für Interviews zur Verfügung. Ein umfangreicher Fragenkatalog blieb unbeantwortet. Das Buch kommt für den Konzern ungelegen. In wenigen Wochen feiern die Gütersloher mit einer spektakulären Party in Berlin ihr 175. Konzernjubiläum.

Schuler gefährdet nun die gute Laune zum Fest. Seiner Meinung nach sei die Stiftung eine Sparbüchse auf Kosten des Steuerzahlers. Die Attacke gegen die Gemeinnützigkeit lässt die Mohn-Familie aber scharf zurückweisen. "Wir werden regelmäßig von den Steuerbehörden und der Stiftungsaufsicht geprüft - bis heute gibt es keine Beanstandungen", sagt Thielen, der Aufsichtsratschef der Bertelsmann AG und Lehrbeauftragter am Institut für Corporate Governance an der Privatuni Witten/Herdecke ist.

Die Bertelsmann Stiftung wurde 1977 von Reinhard Mohn gegründet. Seine Witwe Liz Mohn und deren Tochter Brigitte gehören seit vielen Jahren dem Vorstand an. Die Kritik an der Unabhängigkeit der Stiftung kann für Bertelsmann gefährlich sein. In den USA wurde die Beteiligung von Stiftungen an Konzernen wegen möglicher Interessenskonflikte mittlerweile bereits beschränkt.

Wie gefährlich Schuler für den Konzern sein kann, hat er bereits vor sechs Jahren gezeigt. In seinem Buch "Die Mohns", von dem mittlerweile rund 30 000 Exemplare verkauft wurden, hat er erstmals hinter die Fassade der zerrissenen Familie geblickt und den Blick auf die Bertelsmann-Welt nachhaltig verändert.

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9 Kommentare zu "Enthüllungsbuch: Schlimme Vorwürfe gegen Bertelsmann-Stiftung"

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  • Die politische Einflussnahme von Stiftungen und Lobby-Mafia ist das Krebsgeschwür dieser Gesellschaft, dessen Metastasen bis tief in die Entscheidungszentralen der politischen Parteien reichen! Diese Republik ist eine bananenrepublik! Die Politiker hängen am Rockzipfel ihrer befehlsgeber! Ein widerliches Schauspiel, das da für das gemeine Urnenpöbel aufgeführt wird!

  • Das buch von Thomas Schuler sollte eine Pflichtlektüre für jede Wählerin, jeden Wähler sein.
    Wird doch in diesem buch deutlich, welchen unglaublichen Einfluß diese "gemeinnützige Stiftung" auf die Politik der letzten zwei Jahrzehnte in den bereichen:
    - Arbeitsmarktpolitik; Hartz iV
    - bildungspolitik; Studiengebühren, Reform des Hochschulwesens
    - Gesundheitspolitik; Privatisierung öffentlicher
    Krankenhäuser
    - Europapolitik
    - und Kommunalpolitik

    hatte.

    Direkter Zugang zu den Politikern; die EX-bundespräsidenten Herzog und Köhler, EX-bundeskanzler Schröder, EX-Außenminister Fischer, EX-Finanzminister Per Steinbrück und EX- NRW-Ministerpräsident Steinbrück, Ex-Justizministerin Zypries, Ex-Gesundheitsministerin Schmidt; all diese Spitzenpolitiker ließen sich mehr oder weniger direkt oder indirekt von der bertelsmann-Stiftung beraten. Zum Teil wurden die Konzepte der Stiftung und deren Gesetzentwürfe wortgleich übernommen oder in politisches Handeln umgesetzt. So wurde es der bertelsmann-Stiftung und der dahinter stehenden bertelsmann AG bzw. der Eignerfamilie Mohn ermöglicht, ihre Vorstellungen in politische Konzepte umzusetzen. Selbstverständlich hatte das Aggieren der bertelsmann-Stiftung auch noch den nützlichen Nebeneffekt, dass die durch die Stiftung vorbereiteten politischen Konzepte auch anderen milliardenschweren Unternehmerfamilien in Deutschland bei der Durchsetzung ihrer Wünsche hinsichtlich der Privatisierung öffentlicher Kernaufgaben und der Vermeidung von eigenen Steuerzahlungsverpflichtungen (Erbschaftssteuer/Vermögenssteuer) sowie der Erschließung weiterer privatwirtschaftlicher betätigungsfelder (z.b. privater Altersversorgung/Verschlechterung der Arbeitsbedingungen: Leiharbeit/Ein-Euro-Jobs etc.) zugute kamen.

  • Unter dem nachfolgenden Link

    http://glocalist.com/news/kategorie/kommentare/titel/kommentar-zur-gemeinnuetzigkeit-der-bertelsmann-stiftung/

    findet man den unmittelbaren beleg dafür, wie es z.b. der bertelsmann-Stiftung gelang, unter der Verantwortung des damaligen nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Peer Steinbrück, das nordrhein-westfälische Stiftungsrecht (Stiftungsaufsicht) im interesse der in Gütersloh (NRW) sitzenden bertelsmann-Stiftung zu ändern.

    Selbstverständlich nimmt die bertelsmann-Stiftung im interesse der Stiftung selbst und der hinter ihr stehenden bertelsmann-AG und der Eigner-Familie Mohn Einfluss auf die Politik.
    Sie hat es immer getan und tut es auch weiterhin.

  • Liz Mohn und Friede Springer sind beste Freundinnen von Angela Merkel,
    mal bei bertelsmannkritik.de
    anti-bertelsmann.de
    den nachdenkseiten nachforschen, Hintergrundinformationen ohne Ende.
    Nur die Deutschen lassen sich wiedermal verkaufen und schnalen es nicht.
    Die Deutschlandcard, die über Supermärkte, EDEKA ausgegeben wird, ist eine Aktion von ARVATO-bertelsmann, so werden Daten gesammelt und vernetzt. Die AOK arbeitet mit b zusammen.
    Der EU-Vertrag ist mit von b inszeniert, der gesamte bildungsbereich wird übernommen, Lehrinhalte, das Turboabitur, Studiengebühren und und und, b ist ein demokratiezerstörender, kapital-faschistischer, rechter Konzern, der übelsten Sorte.
    Gut, dass wenisgtens die TAZ darüber berichtet, die anderen dürfen nicht mehr.

  • Die von der bStiftung praktizierte trojanische Gemeinnützigkeit würde nicht funktionieren, wenn nicht diverse Finanzbeamte mitspielen würden, die eigentlich die Gemeinnützigkeitskriterien zu überprüfen hätten! Das läuft dann unter "Ermessensspielraum".

  • Wer glaubt, dass die bertelsmann-Stiftung ausschließlich gemeinnützigen Zwecken dient, glaubt auch, dass ein Zitronenfalter Zitronen faltet.

  • in der Tat gibt es intelligentere Konstruktionen, steuergünstig ein Unternehmen zu halten. Da müssen sich die bertelsmänner überlegen, in welchem Land sie vermittels der dortigen Gesetzgebung sich ansiedeln möchten. Kein Mensch(und auch kein Unternehmen) ist schließlich gezwungen in einer Umgebung von Mißgunst, Neid und Spießigkeit, der klassischen Mischung faschistoider Tendenzen, zu leben.

  • Frau Steer kann ich nur zustimmen. Auch die Aufarbeitung während des 3. Reiches war nicht so gewünscht. Die iNSM ist ja wohl der größte Witz! „Es kann nicht alles ganz richtig sein in der Welt weil die Menschen noch mit betrügereien regiert werden müssen.“

  • Einem denkenden Menschen ist das doch schon lane bekannt. Das kann die Stiftung abstreiten so lange sie will.
    Die bertelsmannstifung und die initiative Neue soziale Marktwirtschaft (iNSM) geben der Politik die Vorgaben.
    Die Agenda 20 10 also auch Hartz iV stammt ja keineswegs von Herrn Hartz, dieser hat sich ja schon sehr bald davon distanziert, sondern die Vorlage stammt von der bertelsmannstiftung.
    Für mich ist das ein hochgefährlicher Verein.
    Es wird allerhöchste Zeit, dass in Deutschland Politik und Wirtschaft etc. wieder strikt getrennt wird.

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