Entwickler im Interview
„Die SMS wird noch eine Weile überleben“

Neil Papworth verschickte 1992 die erste SMS – und auch heute textet er noch gerne. Sein liebstes Kommunikationsmittel ist aber ein anderes, wie er im Interview mit Handelsblatt Online verrät.
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Mit einem „Merry Christmas“ fing alles an: Am 3. Dezember 1992 verschickte der Brite Neil Papworth die erste SMS der Welt. Den Text tippte der Entwickler an einem Computer ein, weil die damaligen, klobigen Handys nicht dafür ausgelegt waren. Heute sind die 160 Zeichen kurzen Nachrichten für Milliarden von Menschen nicht mehr wegzudenken. Im Interview mit Handelsblatt Online berichtet er über die Anfänge und sein liebstes Kommunikationsinstrument – das nicht die SMS ist.

Handelsblatt Online: Die erste SMS enthielt einen verfrühten Weihnachtsgruß. Was war da los?
Neil Papworth: Die SMS war schon im Mobilfunk-Standard GSM vorgesehen. 1992 gab es die ersten Handys, die diese Funktion unterstützten. Meine damalige Firma Sema Group hatte den Auftrag, für Vodafone das SMS-System zu entwickeln. Wir schickten die Testnachricht an einen Kollegen, der auf einer Weihnachtsfeier war.

War Ihnen damals klar, dass es sich um eine Technologie für die Massen handelt?
Damals nicht. Vodafone sah SMS als einen Pager für Manager – damit die Sekretärinnen ihre Chefs erreichen konnten. Die Bedeutung ist mir erst zehn Jahre später klar geworden, als wirklich jeder SMS verschickte.

Warum ist die SMS so ein Erfolg geworden?
Erster Grund: Es ist so einfach. Du brauchst nur die Telefonnummer eines Freundes, um ihm eine Nachricht zu schreiben. Zweiter Grund: Jedes Handy hat die Funktion eingebaut. Dritter Grund: Du musst Dir keine Sorgen machen, dass Du jemanden störst, wenn Du ihm schreibst, anders bei Telefonanrufen.

Dienste wie Skype oder Whatsapp machen der SMS gehörig Konkurrenz. Hat sie eine Überlebenschance?

Bislang bietet die SMS außer Anrufen die einzige Möglichkeit, jemanden zuverlässig zu erreichen. Du weißt vielleicht, dass Dein Kumpel Mark Skype hat, also kannst Du mit ihm skypen, aber wie sieht es mit Dave aus? Wenn Du nicht sicher bist, schickst Du ihm eine SMS, weil Du weißt, dass das funktioniert. Die SMS wird sicher nicht ewig überleben, aber noch für eine ganze Weile.

Schreiben Sie selbst noch viele SMS?
Nicht mehr so oft wie früher. Wenn ich meine Kollegen online sehe, kontaktiere ich sie per Instant Messaging, das ist mit der Computer-Tastatur komfortabler. Aber ich nutze SMS, wenn die Leute unterwegs sind.

 

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