Entwicklerkonferenz WWDC Apple nicht mehr allein zu Hause

Wer Innovationen sehen wollte, musste am Montag in San Francisco zu Samsung gehen. Apple-Chef Tim Cook zeigte solide Hausmannskost auf der Entwicklerkonferenz. Neue Hardware fehlte.
9 Kommentare

Das zeigt Apple in San Francisco

San FranciscoKein neues iPhone, keine Spur von der iWatch, kein Apple-Fernseher. Alle waren aus aller Welt nach San Francisco gereist, aber dieses Mal umsonst – zumindest die Medienvertreter: Verwöhnt von Entwicklerkonferenzen der Vergangenheit, auf der Steve Jobs seinerzeit mit seinem berühmten „one more thing“ Erdbeben in der Konsumelektronikbranche ausgelöst hatte, warteten sie auch diesmal, allerdings vergeblich, im Moscone Center auf einen Knaller, die große Überraschung, die nie kam.

Innovationen gab es an diesem Abend trotzdem, allerding an anderer Stelle – im wenige hundert Meter entfernten Hilton Hotel. Dort zeigte Samsung seine eleganten gebogenen Fernseher und die Smartwatch Gear 2 mit dem eigenen Betriebssystem Tizen, kündigte ein Smartphone mit dem Betriebssystem für das dritte Quartal an.

Gegen die gigantische Veranstaltung von Apple mit tausenden Teilnehmern ist die zweite Tizen Developer Konferenz ein Nichts, ein Zwerg. Die Positionierung direkt gegen die WWDC unterstreicht jedoch den Willen der Koreaner, langfristig mit Apple in den Ring des Silicon Valley zu steigen. Tizen hat die Aufgabe, Android als Samsungs Betriebssystem abzulösen und ist damit der neue Feind für Apple.

Die Apple-Besucher bekamen am Montag solide Hausmannskost. Im Zentrum standen die, um die es auch eigentlich gehen sollte, die Software-Entwickler. 2014 war seit langem wieder alleine ihre Konferenz. Apple-Chef Tim Cook versorgte sie mit den nötigen Werkzeugen, um ein für Herbst erwartetes neues iPhone zum Erfolg zu führen.  Es galt, Basisarbeit zu erledigen.

Angekündigt wurde eine Generalüberholung der Betriebssysteme für Computer und Smartphones und eine Entwicklungsumgebung mit neuer Programmiersprache. Das treibt den Umsatz zwar nicht einen Dollar in die Höhe. Das könnten erst neue Hardware-Produkte, die im Herbst vorgestellt werden. Aber die Neuerungen demonstrieren klar, wohin die Reise geht. Apple verschreibt sich zu einhundert Prozent dem Premium-Segment, in Hardware und Software. Nichts von dem was zu sehen war, erweitert die Zielgruppe. Aber die bestehende wird bestens bedient.

Das ist nicht der Stoff, aus dem Schlagzeilen gemacht sind. Auch wenn Neuerungen auf der Softwareseite beeindruckend sind, zumindest bei iOS 8. Sie graben tiefe Sorgenfalten in die Stirn der  Google-Chefs in Mountain View. Es wird 4000 neue Schnittstellen geben, um auf das Betriebssystem von Tablet und Smartphone zuzugreifen. Was dem Käufer der Produkte erst einmal völlig egal sein kann, ist in seiner Wirkung nicht zu unterschätzen. Damit greift Cook massiv die bekannte Flexibilität von Googles Android-Software an. Apple erlaubt jetzt Bildschirm-Tastaturen von Drittanbietern, wie die beliebte Swift-Tastatur von Android. Jedes Wort wird mit einem kontinuierlichen Fingerwisch über die Tasten „geschrieben“. Das geht rasend schnell und ist ein echtes Argument für Android. Als erster hat Microsoft das für seine Smartphones angekündigt, nun zieht auch noch Apple nach und Samsung zeigte fertige Software im Hilton Hotel für Tizen.

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9 Kommentare zu "Entwicklerkonferenz WWDC: Apple nicht mehr allein zu Hause"

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  • @ Kartenhaus

    Der Artikel steht auf der ersten Seite weil das Anzeigen verkaufende Handelsblatt weiß dass er Klicks durch Millionen von Apple-Nutzern erzielt.

    Welche "Neuigkeit" der letzten 24 Stunden bringt denn mehr Aufrufe?
    Die Zelleneinrichtung von Hoeneß war gestern schon dran. Und über kriminelle Aktivitäten der EZB schreibt ein Handelsblatt nichts.

  • @Kartenhaus

    Die Masse muss nicht verstehen was auf einer Entwicklerkonferenz präsentiert wird und welche zusätzlichen Möglichkeiten sich dadurch dem Ökosystem Apple erschließen.

    Es reicht wenn in 2 Jahren die programmierbaren Türschlösser vorhanden sind die sich bei Annäherung des zugelassenen iPhones von die Außenseite automatisch entriegeln.
    Keine Diskussionen mehr ob Mieter Nachschlüssel angefertigt haben. Ob der Vermieter mittels Nachschlüssel während des Urlaubs in der Wohnung war. Ob der Ex noch einen Wohnungsschlüssel hat oder diesen nicht mehr zurück geben will.
    Auf der Entwicklerkonferenz zeigt man den Produktherstellern Möglichkeiten wie sichere Identifizierung über Fingerprint in eigenen Apps. Und diese Produkthersteller erklären der Masse dann schon die Vorzüge.
    In Zeiten vermehrter Einbrüche wird das Thema Überwachung und Schlösser der Masse zu vermitteln sein. Die Masse muss dann nur verstehen dass ihr "teures" Basisgerät Zusatznutzen erfüllt. Der deswegen billig ist weil man die Intelligenz zentral in wenigen Geräten hat.

    Und von welchen höheren Preisen sprechen Sie denn?

    Apple verlangt weder für iOS- noch Yosemite-Ugrades irgendetwas. Kaufen Sie doch mal ein technisch vergleichbares Mobiltelefon/Tablett/Notebook-Set von Samsung und dann schauen wir was man für das Geld im Lebenszyklus bekommt. Wenn der Betriebssystem-Lieferant alle 3 Jahre für sein neues Upgrade Geld sehen will oder der Mobiltelefon-Betriebsystem-Lieferant für das 2 Jahre alte Mobiltelefon kein Update mehr anbietet. Und jährlich auch keine Verbesserungen liefert.

  • Kein Mensch benötigt eine veraltete Samsung-TV-Technologie mit einem Apple-Logo.

    Das stimmt. Obwohl mit Apple vermutlich auch etwas Design und Ästhetik in die Wohnzimmer einziehen würde.

    Man benötigt aber ein neues Konzept was ein Monitor an der Wohnzimmerwand machen soll. Welchen Content man aus welcher Quelle bezieht. Wie man diesen Content verwaltet.

    Welche Funktionen bzgl. TV-Aufnahmeverwaltung bietet denn ein Samsung Aufnahmegerät?
    Kann man die Aufnahmen in einem Familienhaushalt vernünftig taggen? Also Ehefrau programmiert den Tatort und jeder Anschauinteressent taggt die Aufnahme als "noch nicht gesehen" und der Letzte löscht dann die Aufnahme.
    Kann man Aufnahmen individuell sperren? Also die Kleinen am Sonntagmorgen für ihre Pippi Langstrumpf-Aufnahme alleine am TV lassen ohne dass diese auf den Horrorfilm umschalten können? Samsung verfolgt mit seinen Geräten eine Benutzerphilosophie wie vor 30 Jahren. Wenig Fortschritt seit VHS am Bedienkonzept.

    Welche zusätzlichen Einsatzmöglichkeiten könnte der Monitor bieten? Wenn es zukünftig klingelt und PiP mir während des Films das Bild des Klingelnden aus der Überwachungskamera einblendet. Oder auf das Mobiltelefon in der Arbeit..

    Apple wird auch der Treiber bei Education sein. Man sieht das heute schon bei der Platzierung der iPads in Kalifornien. Die Nutzungs- und Bedienmöglichkeoten bestimmen den Mehrwert. Nicht ein paar technisch marginal besser gelöste Details.

    Im Blindtest kann kein Mensch einen TV von Samsung oder LG unterscheiden. Wenn er einen Brief unterwegs auf dem iPhone zu schreiben beginnt und dies nahtlos auf dem MacBook beendet merkt der Nutzer schnell den Bruch zwischen dem Samsung-Mobiltelefon und dem Windows-Notebook.

  • Vielleicht brauchen die das Präsentierte einfach nicht. Die Masse ist froh, wenn sie für die benutzte Technik kein Studium braucht.
    Die Preisentwicklung ist ein guter Indikator. Es zeigt sich ziemlich eindeutig, dass die "Innovationen" keine höheren Preise rechtfertigen. Das ist in erster Linie Marketing-Geschwätz und wird von den Käufern auch so erkannt. Das können die Spezialisten und "Jünger" natürlich anders sehen.

  • Es sieht so aus als würden nur wenige Menschen begreifen welche Auswirkungen Metal und Swift haben werden. Ich saß bei der Präsentation neben einem iOS-Entwickler der sich recht begeistert zeigte. Die Leute die das "fehlende" next Thing vermissen sind nur zu blöd das Präsentierte und die Auswirkungen zu verstehen.

    Aber was soll man auch von einer Journaille halten die glaubt es sei eine großartige Leistung von Samsung auch endlich ein eigenes Betriebssystem für seine eigenen Geräte anbieten zu können.
    Ach so. Natürlich erstmal nur für einen Teil der eigenen Geräte. Vermutlich feiert dieser Journaillist es nächstes Jahr als großen Wurf wenn Samsung ein Betriebssystem für seine Notebooks und übernächstes Jahr Applikationen anbieten kann.

  • Erstaunlich ist, dass sich die "Neuerungen" beider Lager immer noch auf den ersten Seiten finden. Da wird wohl mit viel Kohle nachgeholfen.
    Klar erkennbar ist, dass mit Jobs auch die Innovationen gegangen sind. Der Knabe war schon genial.
    Der Markt wird in Zukunft über den Preis bestimmt. Der zeigt steil nach unten.

  • Immortal12: ich kann Ihnen nur vollkommen zustimmen. Ich bin sehr gespannt auf den Herbst. statesman: ich selber gehörte damals bei Release des ersten iPhones zu denjenigen, die sagten: "braucht kein Mensch". Mit solchen Aussagen wäre ich in Bezug auf Apple sehr vorsichtig.

  • Die Software-Adaptionen in Ehren.
    Den milliardenschweren Kauf einer bassdröhnenden Kopfhörerfirma kann man sich nur leisten, wenn man Kunden hat, die wg. ihres Apple-Ticks 30% zu viel für ein dem Marktführer Samsung unterlegenes Telephon bezahlen.
    Den seit Jahren angekündigten Apple-Fernseher braucht kein Mensch und wenn er doch kommt, dann hat ihn bestimmt Samsung hergestellt.
    Trotz der Tendenz, dass Apple-Produkte Auslaufmodelle sind, ist die Aktie um mind. 50% überbewertet.
    Damit befindet sie sich allerdings in guter Gesellschaft mit den vielen Tulpenzwiebel-Blendern, die grandios überbewertet sind.

  • Sehr geehrter Autor,
    ich sehe die Präsentation von Apple aus einer komplett anderen Sicht. Die Präsentation gestern war ein Frontalangriff auf Sony, Nintendo, Microsoft , Intel und Nest. Durch die neue Grafik API Metal hat Apple nun alles um Mittelfristig klassische Konsolen anzugreifen und Intel Prozessoren in den Macs durch eigene ARM Prozessoren zu ersetzen. Von Office bis hochwertige Spiele können nun auf den ARM Prozessoren realisiert werden. Es sinnvoll das aktuell nur die Software angekündigt wird, so können die Entwickler schon Apps vorbereiten, damit bei einem Marktstart der Macs mit ARM-Prozessor schon ein voller App-Store auf die Käufer wartet.
    Neben der Vereinheitlichung des App-Stores wird es den Spieleentwicklern wie Crytec, EA usw. auch ermöglicht höherwertige Spiele im App-Store anzubieten was die Apple Umsätze im Bereich App-Store noch weiter steigern wird.
    Auch beim Thema Health und Home Automation ist der Ansatz von Apple viele verschiedene Anbieter zu unterstützen aus meiner Sicht der bessere, jeder kann das einsetzen was er möchte während man bei Samsung und Google usw. auf genau ein Device und seine zugehörige App eingeschränkt ist.
    Noch ein paar Worte zum Kauf von Beats, ich gehe davon aus dass der Hauptgrund für den Kauf die Lautsprechertechnologie ist, die es super Klang selbst auf kleinsten Lautsprechern wie dem entsprechenden HTC ermöglicht. Apple hat nun alles um eine kleine Spielkonsole auf den Markt zu bringen ;).
    Man kann davon ausgehen dass im Herbst das angekündigte Feuerwerk von Apple wirklich stattfinden wird. Vor allem ein neues Apple TV kann zusammen mit Metal der Microsoft Xbox, der Nintendo Wii und der Sony Playstation Marktanteile abnehmen.
    Apple ist sich mit der Präsentation gestern treu geblieben, stelle keine Hardware vor die nicht sofort zu kaufen und noch nicht vollständig in das Apple Eco-System integriert ist.

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