Erfolg für Berliner Start-up
„Die haben auch in Steve Jobs investiert!“

Ein deutsches Start-up hat den begehrtesten Finanzier der Welt von sich überzeugt: 6Wunderkinder bekommt von Sequoia Capital eine Millionensumme. Nun wollen die Gründer auf den Spuren berühmter Vorbilder wandeln.
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BerlinApple, Google, Youtube – und jetzt 6Wunderkinder: Der renommierte Investor Sequoia Capital, der etliche IT-Riesen auf ihren ersten Schritten begleitet hat, steigt bei einem Berliner Start-up ein. Er stemmt in einer Finanzierungsrunde den Großteil von 19 Millionen Dollar, gut 14 Millionen Euro. Mit dem Geld wollen die Gründer ihre Organisations-Software Wunderlist, die bislang sechs Millionen Menschen nutzen, verbessern und so bekannter machen. Im Interview mit Handelsblatt Online spricht Firmenchef Christian Reber,27, über die Expansionspläne, unerwartete E-Mails und die Lehren des Scheiterns.

Handelsblatt Online: Wie lernt man die Star-Investoren von Sequoia kennen?

Christian Reber: Als wir Wunderlist vor drei Jahren auf den Markt brachten, bekamen wir eine E-Mail mit dem Betreff „Sequoia loves you“. Ein magischer Moment für uns! Sequoia wollte schon damals bei uns investieren, aber ich hielt es für einen Vorteil, wenn der Geldgeber in Europa sitzt und bei Problemen innerhalb von zwei Stunden da sein kann. Deshalb beschlossen wir zunächst eine Zusammenarbeit mit Atomico, der Firma von Skype-Gründer Niklas Zennström.

Warum hat es jetzt geklappt?

Wir sind gerade im Expansionsmodus – wir haben sechs Millionen Nutzer, Ziel sind 100 Millionen und mehr. Wir wollen richtig, richtig groß werden, auch in den USA, wo mehr als 30 Prozent unserer Nutzer leben. Dafür ist Sequoia der beste Partner. Auf dem Rückflug nach den Verhandlungen ist mir erst richtig bewusst geworden, was für ein Meilenstein das ist. Die haben auch in Steve Jobs investiert!

Wie setzen Sie die 19 Millionen Dollar ein?

Das Geld nutzen wir vor allem fürs Personal, um die Entwicklungsgeschwindigkeit zu erhöhen und das Produkt zu verbessern. Außerdem bauen wir ein separates Team in den USA auf, wo Teile des Vertriebs sitzen werden. Wir möchten unseren internationalen Kunden bei der Integration helfen und sie intensiv beraten.

Was bringt der Deal jenseits der Finanzierung?

Anfang 2014 wollen wir in den USA ein Team aufbauen. Der Fokus dort wird auf Geschäftsentwicklung und Partnerschaften liegen, weshalb wir gerade für unser Management-Team einen erfahrenen „Vice President of Business Development“ einstellen. Da hilft der Name Sequoia schon. Außerdem können wir unser Netzwerk mit Firmen wie Dropbox und Evernote stärken, die das gleiche Geschäftsmodell und jetzt auch den gleichen Investor haben. Außerdem wollen wir lernen. Sequoia hat über Jahrzehnte in große Firmen investiert, sie können uns helfen, unseren Horizont zu erweitern: Wie wird sich der Markt über zehn Jahre entwickeln? Wie bringt man ein Unternehmen an die Börse?

Wunderlist soll tatsächlich an die Börse?

Als Gründer bin ich natürlich sehr ambitioniert, aber ein Börsengang ist nicht das ultimative Ziel. Wir denken nicht aktiv darüber nach – bis das überhaupt infrage kommt, werden noch Jahre vergehen.

6Wunderkinder passt ins Beuteschema von Sequoia: Der Risikokapitalgeber engagiert sich auch beim Online-Speicher Dropbox und beim Notizdienst Evernote – beides sind Cloud-basierte Anwendungen, die das digitale Leben erleichtern sollen. Und beide speichern die Daten zentral auf einem Server, so dass Nutzer von allen Geräten aus leicht darauf zugreifen können, ob vom Smartphone oder PC. Die Zusammenarbeit mit 6Wunderkinder sei eine „konsequente Weiterführung“ dieser Strategie, sagt Sequoia-Chef Michael Moritz.

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„Das Scheitern war die beste Erfahrung“

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  • Man liest nichts vom Produkt, sofern nur wie gut die Wunderkinder in der Geld Beschaffung sind. Vermutlich ist es nur eine Idee, die uns das Geld aus der Tasche locken will und als ipo.

    Aufgepasst, es könnte etwas unseriöses sein.

  • Mir ging es ähnlich wie six-Pack:

    Ich schätze mal, bei mir ist das mindestens 2 Jahre her, dass ich diese App mal am Handy hatte. Ich hab's aber nicht kapiert, wofür das gut sein soll, habe also den Sinn nicht erkannt und dann wieder deinstalliert, zumal ich dann ständig automatische Emails von 6Wunderkinder bekam, ebenfalls ohne konkreten Bezug, aber wie heute bereits an anderer Stelle zu lesen war: cui honorem, honorem...

  • Ich wundere mich immer wieder, was sich heutzutage alles als Geschäftsidee eignet, um ein Start-Up zu gründen.

    Das ist eine nette Geschichte, aber wird meiner Ansicht nach ähnlich wie Twitter komplett überschätzt. Ganz ehrlich, ich schreibe meine Einkaufsliste mit Stift und Papier. Und wenn mehrere Leute Zugriff auf die Liste brauchen, verschick ich sie per Mail. Und wenn sich was ändert, schicken die anderen eine Mail zurück.

    Aus meiner Perspektive erschließt sich bei besten Wissen und Gewissen nicht, warum so eine (nette) Idee so hochgelobt wird. Andererseits - die Risikogeldgeber werden schon wissen, was sie tun ... haben zumindest bei der letzten Blase auch alle geglaubt #selffullfillingprophecy

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