Erfolgreiche Kooperation von „Bild“ und Weltbild
Medienfirmen drängen in neue Geschäftsfelder

Die Flaute auf dem Werbemarkt sorgt für Bewegung in der Medienbranche. Immer mehr Unternehmen suchen sich neue Einnahmequellen, um die zurückgehenden Reklameerlöse auszugleichen. Einen unerwartet großen Erfolg kann jetzt die „Bild“-Zeitung zu verbuchen: Nur zwei Wochen nach Erscheinen der ersten Ausgabe der neuen Buchreihe der Zeitung wird die Druckauflage für Mario Puzos „Der Pate“ um 75 000 auf 350 000 Stück erhöht.

MÜNCHEN. Die Aktion von „Bild“ ist kein Einzelfall. Immer mehr Medienhäuser expandieren in neue Bereiche. „Je stärker die Marke, desto mehr können die Firmen machen“, sagt Andreas Grund von der Münchener Unternehmensberatung Dr. Michael Taeger & Partner. Der Berater hat in einer Umfrage unter 133 Verlagen, TV-Anstalten und Werbetreibenden heraus gefunden, dass fast alle Medienunternehmen nach zusätzlichen Umsatzbringern suchen. Grund: „Die Zeit der massiven Kostensenkungen ist vorbei. Jetzt machen sich die Firmen daran, Neuland zu betreten.“

Nicht immer muss ein Unternehmen als erstes am Markt sein, um viel zu verkaufen. „Bild“ hat sich erst für seine Bücherreihe entschieden, nachdem die „Süddeutsche Zeitung“ ihre eigene Serie mit viel Erfolg in die Läden gebracht hatte. Die „Bild“-Zeitung aus dem Axel Springer Verlag hat sich für das Projekt mit der Augsburger Verlagsgruppe Weltbild zusammen geschlossen, einem der größten Buchversender in Deutschland.

Die Expansion der Medienindustrie beschränkt sich aber nicht auf Verlage. Auch Radiosender und TV-Kanäle wachsen in neue Bereiche. Vom Internet-Zugang bis zu Reisen werde alles unter Medien-Marken angeboten, sagt Berater Grund. Dabei seien die Unternehmen noch ziemlich am Anfang: „Hier ist noch viel Potenzial vorhanden“, betont der Medienexperte.

Er warnt allerdings davor, den Bogen zu weit zu schlagen. „Je weiter sich die Firmen von ihrem Medium weg bewegen, desto gefährlicher wird es.“ Die Buch-Aktion von „Bild“ dagegen kommt bei den Zeitungskäufern offenbar voll an. Weltbild-Chef Carel Halff: „Der Erfolg übertrifft sogar unsere optimistischsten Erwartungen.“ Als erstes Exemplar der Reihe kam Anfang Oktober „Der Pate“ in die Buchhandlungen und Kioske. Jede Woche gibt es ein weiteres Buch für 4,99 Euro.

Nach Ansicht von Berater Grund müssen die Medienfirmen langfristig auf weitere neue Bereiche setzen, denn in den nächsten Jahren sei kein größeres Wachstum der klassischen Werbeeinnahmen zu erwarten.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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