Erhalt des Werks gefordert
Nokia-Beschäftigte demonstrieren in Bochum

Im Kampf um das Bochumer Nokia -Werk haben die Beschäftigten den Druck auf die Konzernspitze mit einer Großdemonstration erhöht. Nokia -Mitarbeiter zogen am Dienstag von ihrem von der Schließung bedrohten Werk zum Riemker Markt in Bochum. Doch die Stimmung ist skeptisch.

HB BOCHUM. An dem Kundgebungsort rechneten die Veranstalter mit rund 20 000 Demonstranten. Wirtschaftsstaatssekretär Hartmut Schauerte, IG-Metall-Chef Berthold Huber und die Bochumer Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz wollen der IG Metall zufolge bei der Kundgebung sprechen. Auch Mitarbeiter anderer Betriebe, etwa Beschäftigte der Bochumer Opel -Werke, beteiligten sich an den Protesten.

Erst am Montag waren Vertreter des Bochumer Nokia -Betriebsrats und der IG Metall zu einem ersten Gespräch mit der Nokia -Spitze in Helsinki zusammengekommen. Sie hätten den Willen der Belegschaft und der IG Metall zum Erhalt des Standortes bekräftigt, teilte die Gewerkschaft mit. Eine Nokia -Sprecherin sagte lediglich, bei dem Treffen sei die Lage in Bochum erörtert worden. Die IG Metall sehe das Treffen als Auftakt für eine Reihe weiterer Gespräche, erklärte die Gewerkschaft. "Wir erwarten jetzt insbesondere von der Politik, dass auch sie weiterhin ihren Einfluss auf Nokia geltend macht", sagte die IG-Metall-Bevollmächtigte Ulrike Kleinebrahm.

Dem IG-Metall-Vorsitzenden Berthold Huber zufolge haben die Gespräche keine Fortschritte gebracht. Die Unternehmensleitung habe "die harte Linie eingeschlagen", sagte der Gewerkschafter am Dienstag im Bayerischen Rundfunk. Er drohte dem Konzern deshalb mit einer "knüppelharten Auseinandersetzung".

Huber hat nach eigenen Angaben am Montag mit Bundeskanzlerin Angela Merkel über die drohende Werksschließung gesprochen. Er sagte, die Kanzlerin sei gleichfalls entsetzt über die Art und Weise, wie das Nokia -Management vorgehe. Nach den Entlassungen bei BenQ und AEG und der angekündigten Schließung des Bochumer Nokia -Werks gebe es jetzt keinen anderen Weg als zu kämpfen. Dabei setze die IG Metall klare Prioritäten. "Wir kämpfen als erstes um die Arbeitsplätze in Bochum. Und wenn es keinen Ausweg mehr gibt, kämpfen wir um einen Sozialtarifvertrag. Dort sind wir dann streikfähig, im Gegensatz zu einem Sozialplan."

Die Bundeskanzlerin sieht kaum noch Chancen für eine Rettung des von der Schließung bedrohten Nokia -Werkes in Bochum. Es spreche einiges dafür, dass die Entscheidung des Unternehmens "nicht revidiert wird", sagte Angela Merkel am Dienstag in einem NDR -Hörfunkinterview. Daher müsse jetzt alles daran gesetzt werden, den betroffenen Menschen zu helfen. Sie selbst habe am Montag mit dem Nokia -Chef gesprochen und dabei deutlich gemacht, dass sie die Kommunikationspolitik der Firma "sehr unverständlich" finde. Nach wie vor könne sie die Motive für die Betriebsverlagerung nicht sehen.

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