Erholung
Zeitschriftenverlage erwarten stabile Erlöse

Die Zeitschriftenverleger in Deutschland atmen auf. In diesem Jahr werden die Werbeerlöse nach einer Prognose des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) wohl nicht weiter zurückgehen. „Wir hoffen, dass wir den Vorjahresumsatz erzielen“ sagte Spiegel-Geschäftsführer Karl Dietrich Seikel, der im VDZ für Publikumszeitschriften zuständig ist. Vor allem im dritten und vierten Quartal sei ein gewisser Anstieg der Reklameeinnahmen festzustellen.

HB BERLIN. Für das kommende Jahr erwartet der VDZ eine leichte Erholung der Werbekonjunktur. Seikel sprach von einem Zuwachs der Werbeeinnahmen von zwei Prozent. Auch der Zeitschriftenkonzern Gruner + Jahr („Stern“, „Geo“), ist optimistisch. AnzeigenchefStan Sugarman sagte gestern: „Die langsam wachsenden Vorbuchungen für 2006 und die Hoffnung auf eine bessere Binnenkonjunktur sorgen bei uns für Optimismus, dass das nächste Jahr besser sein wird als 2005.“ Beim Zeitschriftenkonzern Burda („Focus“, „Bunte“) hingegen ist man skeptisch. „Der Markt bleibt steinig. Wir gehen von stabilen Erlösen im nächsten Jahr aus“, sagte ein Sprecher.

Die Zeitschriften sind nach Fernsehen und Tageszeitungen der drittgrößte Werbeträger. Im vergangenen Jahr hat die Zeitschriftenbranche Erlöse von 7,3 Mrd. Euro erzielt. Der VDZ vertritt 400 Verlage und 3 000 Zeitschriften – das sind rund 90 Prozent des deutschen Zeitschriftenmarktes.

Im Vergleich zu den Publikumszeitschriften geht es den Fachblättern deutlich besser. „Der Horizont hellt sich eindeutig auf“, sagte Uwe Hoch, Sprecher der Deutschen Fachpresse und Herausgeber der Fachmedien in der Verlagsgruppe Handelsblatt. Nach einer Herbstumfrage des Verbandes erwarten fast die Hälfte aller Fachverlage für das nächste Jahr eine bessere konjunkturelle Lage als 2005. Die Unternehmen geben sich hinsichtlich der Einnahmen aus Anzeigen betont optimistisch. Nur 15 Prozent gehen von einem schlechteren Anzeigengeschäft als in diesem Jahr aus.

Massive Kritik üben die Zeitschriftenverleger am Umgang von Politikern und Behörden mit der Presse. VDZ-Geschäftsführer Wolfgang Fürstner sprach von einer „kontinuierlichen und schleichenden Einschränkung der Pressefreiheit“. Die Verlage fordern die künftige Bundesregierung auf, die Pressefreiheit besser zu schützen. Im Länderranking der Pressefreiheit ist Deutschland nach Angaben der Journalistenvereinigung „Reporter ohne Grenzen“ von Platz elf auf Platz 18 zurückgefallen. Fürstner sprach von mehreren Fällen, bei denen die „Pressefreiheit mit Füßen getreten“ worden sei. Als Beispiel führte er die Beschlagnahme von Recherchen bei der Zeitschrift „Cicero“, Tochter des Schweizer Printkonzerns Ringier, an.

„Cicero“-Chefredakteur Wolfram Weimer sagte, er habe Klage beim Landgericht Potsdam eingereicht. Die Beschlagnahme des Recherchematerials wurde mit dem 1936 eingeführten Straftatsbestand des Dienstgeheimnisverrats begründet. Aus der Sicht der Verlage ist das ein juristischer Trick der Behörden. „Wir sind gewillt, bis zum Bundesverfassungsgericht zu gehen“, sagte Weimer.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%