Ericsson auf Sparkurs: Huawei ist längst vorbeigezogen

Ericsson auf Sparkurs
In Schweden droht das Ende einer Ära

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Huawei ist längst vorbeigezogen


Branchenexperten sehen deshalb die Branche an einem Wendepunkt. Haben die Telekom-Konzerne zunächst die Mobilfunk-Infrastruktur aufgebaut, müssen sie jetzt daran arbeiten, mit deren Hilfe Dienstleistungen anzubieten. Das könnten Cloud-Anwendungen sein, aber auch Inhalte wie Video und Fernsehen, meinen Analysten.

Und einige Erfolge bei der Neuausrichtung kann der Konzern bereits aufweisen: Mit dem Pkw-Hersteller Volvo hat Ericsson beispielsweise ein Unterhaltungs-, Navigations- und Service-System entwickelt, mit Philips intelligente Lampen und mit Behörden Verkehrsleitsysteme. „Mobiles Breitband und die Cloud sind die Infrastruktur des 21. Jahrhunderts“, sagte ein Ericsson-Manager dem Handelsblatt.

Neben der Neuorientierung sieht sich der schwedische Konzern seit einigen Jahren auch einem enormen Preisdruck vor allem durch chinesische Anbieter wie Huawei ausgesetzt. Um die Produktionskosten zu senken, hat Ericsson zwar bereits Teile der Fertigung ausgelagert, dennoch haben chinesische Anbieter weiterhin einen großen Kostenvorteil, unter dem auch Ericsson-Konkurrent Nokia leidet. Zusätzlich wurde das Geschäft von Ericsson zuletzt durch eine schwächere Nachfrage in Nordamerika belastet.

Nicht nur die schwierigeren Marktbedingungen machen Ericsson zu schaffen. Der Konzern sieht sich Korruptionsvorwürfen in Asien ausgesetzt. Außerdem hagelte es Kritik, weil sich das Topmanagement trotz schlechter Performance saftige Gehaltserhöhungen gönnte. Im Juli dieses Jahres zogen die Hauptaktionäre die Notbremse und entledigten Konzernchef Vestberg mit unmittelbarer Wirkung seines Amtes.

Ericsson beschäftigt weltweit rund 116.000 Mitarbeiter. Das Unternehmen wurde 1876 in Stockholm gegründet und stellte zunächst einfache Telefone her. Später konzentrierte man sich auf die Produktion von Telefonzentralen.

Mit dem Aufkommen der Mobiltelefone änderte Ericsson erneut den Fokus und begann mit der Produktion von Handys, zunächst allein, später gemeinsam mit Sony. Die Japaner übernahmen 2012 den 50-prozentigen Ericsson-Anteil. Schon sehr früh entwickelte Ericsson die Mobilfunktechnologie und wurde schnell zum weltweit größten Produzenten von Handynetzen. Mittlerweile ist allerdings Huawei aus China an den Schweden vorbeigezogen.

Der Konzernleitung in Kista bei Stockholm ist die Tragweite einer kompletten Produktionsauslagerung aus Schweden bewusst. In den von „Svenska Dagbladet“ zitierten internen Papieren heißt es: „Wir beenden eine 140-jährige Produktionsepoche, die den größten Stellenabbau in Schweden beinhaltet.“

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Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent

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  • Schweden ist für uns ja in vielem ein Vorbild

  • Die Dividende ist viel zu niedrig, kein Wunder dass die Werke schließen.
    Überall die schlauen sozialistischen Räte mit dem üblichen Erfolg.
    Basisdaten
    Dividendenrendite 6,40%
    KCV 9,29
    KGV (2015) 14,11

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