Ericsson und Nokia bieten mit
Gerangel um Mobilfunksparte von Nortel

Das Bieterrennen um den insolventen kanadischen Telekomausrüster Nortel wird voraussichtlich am Freitag entschieden. In New York beginnt die Versteigerung der Mobilfunksparte des Unternehmens. Dafür gibt es inzwischen offenbar drei Bieter. Das große Interesse an dem kanadischen Anbieter verwundert zunächst. Tatsächlich gibt es aber viele Gründe, die für Nortel sprechen.

DÜSSELDORF. Nokia Siemens Networks (NSN) hatte bereits Mitte Juni 465 Mio. Euro für den Mobilfunkteil von Nortel geboten. Jetzt hat auch Weltmarkführer Ericsson am Donnerstag bekannt gegeben, dass er ebenfalls mitbieten werde. „Wir gehen diesem Deal nach, weil er eine interessante Gelegenheit zu sein scheint und wir immer nach Wegen suchen, um Werte für Ericsson zu schaffen“, hieß es am Donnerstag etwas umständlich in Schweden. Als dritter Bieter wurde in den vergangenen Wochen der Finanzinvestor Matlin Patterson Global Advisors gehandelt. Er wollte sich aber auf Anfrage nicht äußern.

Die Auktion ist Teil des amerikanischen Insolvenzrechts nach Chapter 11. Bis Dienstag mussten die Interessenten ihre Gebote abgeben. Bei der Auktion, die Freitag Vormittag New Yorker Zeit beginnt, werden alle Bieter anwesend sein und den Umfang des höchsten Gebotes erfahren. Sie haben daraufhin Gelegenheit, ihre eigenen Gebote zu erhöhen, um den Zuschlag zu erhalten. Nortel geht davon aus, dass dieser Prozess noch am Freitag abgeschlossen wird.

Das große Interesse an dem kanadischen Anbieter verwundert zunächst, da die Ausrüster mit enormem Kostendruck kämpfen und ihre Ausgaben so gering wie möglich halten. Mehrere Hundert Mio. Dollar für Teile eines insolventen Konkurrenten zu bezahlen, läuft dieser Logik zuwider. Letztlich dürfte das Siegergebot weit über der knapp halben Mr. liegen, die Nokia Siemens zahlen will. „Der Schnäppchenpreis, den NSN geboten hat, wird nicht zu halten sein“, sagt Thomas Langer von der West LB.

Tatsächlich gibt es viele Gründe, die für Nortel sprechen. Zum einen ist es die schiere Größe, die in der Branche entscheidend ist. Sie ermöglicht hohe Synergien und damit aggressive Preise.

Im Fall von Nortel kommen noch zwei weitere Argumente hinzu: Die Kanadier besitzen eine Reihe von Patenten für den neuen Mobilfunkstandard LTE - das ist die nächste Geschwindigkeitsstufe bei der Datenübertragung. Nach Angaben von Nortel erstrecken sich die Patente auf ein Prozent aller Umsätze mit LTE-Netzen.

Darüber hinaus würde ein Käufer auch die Kundenbeziehungen von Nortel erwerben. Die Kanadier haben vor allem Netzbetreiber in den USA beliefert, die einen anderen Mobilfunkstandard haben als der überwiegende Rest der Welt. Dazu gehören Verizon und Sprint. Auch in China und Indien gibt es Anbieter, die den konkurrierenden Standard benutzen, etwa der indische Riese Reliance. „Der Zugang zum Kunden ist Gold wert“, sagt Analyst Langer. „Wenn ein Ausrüster sich einen neuen Kunden erschließen will, geht das nur mit Dumpingpreisen.“ Die würde sich der Nortel-Käufer sparen, weil er auf bestehende Kunden zurückgreifen würde.

NSN ist in dem Prozess das so genannte Stalking Horse - der erste Anbieter, der ein Gebot öffentlich gemacht hat. Auch der kanadische Blackberry-Hersteller Research in Motion hatte mitbieten wollen und 1,1 Mrd. US-Dollar für die Mobilfunksparte und andere Teile von Nortel geboten. Er wurde jedoch von der Auktion ausgeschlossen, weil er nicht die geforderten Urheberrechte akzeptieren wollte.

Sandra Louven
Sandra Louven
Handelsblatt / Korrespondentin in Madrid
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